„Sozialen Frieden bewahren“Paraguays Präsident Peña tritt nach Bankenkollaps zurück
Knapp drei Millionen Kunden hat die Digitalbank Ueno in Paraguay. Das sind rund 60 Prozent der Bevölkerung. Als die Zentralbank das Institut wegen Unregelmäßigkeiten schließt, kommt es zu Protesten. Nun stürzt der Staatschef über die Affäre.
Der paraguayische Präsident Santiago Peña ist nach dem Kollaps der Digitalbank Ueno unter wachsendem Druck zurückgetreten. „Ich tue dies mit Blick auf die Stabilität unseres Landes, den sozialen Frieden und die Notwendigkeit, unsere demokratischen Institutionen zu bewahren“, sagte er in einer Videoaufzeichnung. Vizepräsident Pedro Alliana soll die Amtsgeschäfte übernehmen. Peña ist ein Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Er legte sein Amt nieder, nachdem die Opposition im Kongress eine Sondersitzung zur Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens einberufen und Demonstranten seinen Rücktritt gefordert hatten. Rund 60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind Kunden bei der Bank.
Peña hatte den Rückhalt von Mitgliedern seiner konservativen Colorado-Partei verloren. Abgeordnete warfen ihm Interessenkonflikte, die Zweckentfremdung von Pensionsgeldern und institutionelle Vertuschung im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von Ueno vor. Der seit 2023 amtierende Ökonom war bis März vergangenen Jahres Anteilseigner der Grupo Vazquez, die Ueno kontrolliert. Das Geldhaus war rasch von einem Nischenanbieter aus der Finanztechnologie-Branche (Fintech) zu einer mittelgroßen Bank herangewachsen. Das Institut verwaltete knapp 850 Millionen Dollar an öffentlichen Geldern.
„Mein größter Wunsch ist es, dass die Rückgabe dieser Mittel garantiert wird, dass der Einlagensicherungsfonds seinen Zweck erfüllt und dass öffentliche Gelder – ebenso wie die Ressourcen, die allen Paraguayern gehören – geschützt werden“, erklärte Peña in seiner Ansprache.Bei X schrieb er: „Ich möchte mich beim Volk entschuldigen, falls ich es an irgendeinem Punkt enttäuscht habe. Es war niemals meine Absicht, das Vertrauen zu verraten, das es in mich gesetzt hat.“
Paraguays Zentralbank hatte bei Ueno eingegriffen – und die Bank am Dienstag geschlossen. Sie leitete ein Abwicklungsverfahren ein, nachdem die Eigenkapitalquote des Geldinstituts unter 50 Prozent des vorgeschriebenen Mindestwertes gefallen war. Dies löste eine Krise aus, durch die rund drei Millionen Kunden des Unternehmens in dem 6,5 Millionen Einwohner zählenden Land nicht mehr auf ihre Konten zugreifen können. Über die derzeit eingefrorenen Konten der Bank wurden auch Rentenzahlungen abgewickelt. In der Hauptstadt Asunción kam es zu Straßenprotesten. Die Turbulenzen hatten bereits zum Rücktritt des Zentralbankchefs und zur Festnahme von acht Ueno-Führungskräften geführt. Ueno hat sich nicht öffentlich zu dem Fall geäußert.
