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Sprit wird aber wieder teurer: Öl teils billiger als vor Iran-Krieg – Hoffnung für die Inflation

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Sprit wird aber wieder teurerÖl teils billiger als vor Iran-Krieg – Hoffnung für die Inflation

25.06.2026, 18:48 Uhr Von Christina Lohner
Im-Golf-von-Oman-entlang-der-Schifffahrtsrouten-zwischen-der-Strasse-von-Hormus-und-dem-Arabischen-Meer-Tanker-und-Frachtschiffe-zu-sehen
Der Schiffsverkehr in der Golfregion hat wieder zugenommen. (Foto: picture alliance/dpa/AP)

Schneller als erwartet sinken die Ölpreise. Ein neuer Inflationsschock wäre damit abgewendet. Angesichts hoher Risiken sind Experten allerdings noch skeptisch. Autofahrer müssen sich beim Tanken in jedem Fall noch gedulden.

Die Ölpreise sind auf das Niveau von vor dem Iran-Krieg gesunken. Die weltweite Referenzsorte Brent lag mit 72,24 Dollar pro Barrel sogar vorübergehend darunter. Grund ist unter anderem der zunehmende Schiffsverkehr in der Straße von Hormus. Das Tempo des Preisrückgangs überraschte viele. „Die aktuelle Ölpreisentwicklung kommt schneller als erwartet“, sagte etwa der ING-Chefökonom für Deutschland, Carsten Brzeski, ntv.de. Sollte das Preisniveau so bleiben, „dann nimmt das weiteren Inflationsdruck weg“.

Zwar sei die erste Inflationswelle nicht mehr zu stoppen, die hohen Energiekosten der vergangenen Monate werden sich in Transportkosten und Nahrungsmittelpreisen niederschlagen. Deutlich spürbar ist das schon jetzt bei einigen Baumaterialien wie Flachglas oder Metallen, die mehr als zehn Prozent teurer als im Vorjahresmonat sind, wie RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt ntv.de erläuterte. Die Preise für Bitumen seien sogar um mehr als 30 Prozent gestiegen. „Ähnliche Entwicklungen sind in den kommenden Monaten auch bei anderen Waren zu erwarten.“

Doch bleibt es beim aktuellen Ölpreisniveau, rechnet Brzeski nur noch mit einer kurzen Inflationswelle. Spätestens im Frühjahr würden die Inflationsraten in dem Fall wieder unter zwei Prozent liegen. Statt einer zuletzt erwarteten Teuerung von mehr als 4 Prozent erwartet der Ökonom nun in der Spitze noch 3,7 Prozent im September und im Jahresschnitt 3,1 statt zuletzt 3,6 Prozent.

Noch ist es jedoch zu früh, um sich richtig zu freuen. „So ganz traue ich dem Braten noch nicht“, sagte Brzeski. „Denn es bleibt dabei, dass noch alle Minen aus dem Wasser geborgen werden und Boote und deren Ladung versichert werden müssen.“

Spritpreise wohl erst im Herbst auf Vorkriegsniveau

Die Spritpreise werden laut dem Ökonomen sogar wieder steigen. Aktuell haben sich die Preise für Benzin und Diesel dem Vorkriegsniveau angenähert, allerdings gilt noch der Tankrabatt von 16,7 Cent pro Liter. Wenn dieser zum Monatsende ausläuft, werden die Spritpreise wieder anziehen. „Es dauert immer eine Weile, bis die Ölpreise an den Tankstellen weitergegeben werden, vor allem wenn die Weltmarktpreise fallen“, erläuterte Brzeski. „Rakete, wenn es nach oben geht, aber Feder, wenn es wieder nach unten geht.“

Aktuell fielen die Ölpreise infolge des zunehmenden Tankerverkehrs und der Erwartung von Händlern auf eine relativ schnelle Erholung der Rohöl-Exportströme, wie David Fyfe, Chefökonom der Preisberichtsagentur Argus Media, auf ntv.de-Anfrage ausführte. Am Mittwoch zählte der Datenanbieter Kpler bereits 70 Durchfahrten durch die Straße von Hormus; vor Kriegsbeginn waren es mehr als 100 pro Tag.

Erhebliche Risiken bleiben

Trotzdem zeigte sich angesichts mehrerer Risiken auch Fyfe zurückhaltend, ob sich der Ölpreis bereits stabilisiert hat: „Wir bleiben vorsichtig, bis das Gegenteil bewiesen ist.“ Selbst wenn der Waffenstillstand hält, könnte es laut dem Ökonomen bis September oder Oktober dauern, bis sich die Ölexporte und damit die regionale Rohölproduktion weitgehend auf Vorkriegsniveau erholen. Daneben bleibt die Frage von Gebühren für die Straße von Hormus ungeklärt – Teile der iranischen Behörden bestehen darauf. Die Blockade der Meerenge hatte den Ölpreis zeitweise auf über 120 Dollar pro Barrel getrieben.

Im aktuellen Preisrückgang ist auch ein für 2027 prognostiziertes Überangebot an Öl eingepreist. Dass es tatsächlich dazu kommt, ist nach Einschätzung von Argus jedoch anzuzweifeln. Denn ein Großteil eines etwaigen Überschusses würde durch die Wiederbefüllung der während des Kriegs angezapften Lager absorbiert. Außerdem planten einige asiatische Länder strategische Vorräte anzulegen, um ihre Verwundbarkeit in künftigen Krisen zu reduzieren.

Ein weiterer Preisrückgang ist laut der Preisberichtsagentur somit unwahrscheinlich – im Gegensatz zu weiteren geopolitischen Schocks. So dürften die Spannungen zwischen den USA und dem Iran anhalten. Jede neue Drohung wie Durchfahrtsbeschränkungen für die Straße von Hormus könnte einen neuen Konflikt auslösen – und damit Risikoaufschläge beim Ölpreis.

Quelle: ntv.de

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