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Eine der größten Kupferminen Perus steht wegen einer aktuellen Studie zu ökologischen und gesundheitlichen Folgen in der Kritik. Für den Hamburger Konzern Aurubis könnte das Auswirkungen auf ein laufendes Prüfverfahren haben.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat vor über einem Jahr eine anlassbezogene Prüfung gegen die Aurubis AG mit Hauptsitz in Hamburg eingeleitet – bisher ohne Ergebnis. Der Vorwurf der Beschwerdeführer gegen den größten Kupferproduzenten Europas sind mögliche Verstöße gegen das Deutsche Lieferkettengesetz. Lieferanten werden Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
Nun erhebt eine neue Studie aus Peru weitere Vorwürfe gegen einen wichtigen Zulieferer: Anglo American. Das britische Unternehmen betreibt die Quellaveco-Mine im Süden Perus. In einer Pressemitteilung der Aurubis AG zu der im November 2022 angekündigten Absichtserklärung für eine Kooperation mit Anglo American steht: „Die Wertschöpfungskette beginnt mit unserem Portfolio an hochwertigen und langlebigen Minen, wie beispielsweise unserer neuen erstklassigen Quellaveco-Mine in Peru. Aktuell arbeiten wir an einem umfassenderen und integrierteren Ansatz für alle Teile der Wertschöpfungskette von der Mine bis zum Kunden.“
Studie zum Kupferbergbau in Peru
Im März konnte der SWR in Lima die Ergebnisse einer neuen, umfassenden Studie des peruanischen Nicht-Regierungs-Netzwerks Red Muqui zu der Mine Quellaveco einsehen. Red Muqui ist ein Zusammenschluss von 30 Institutionen aus elf Regionen Perus, der seit 2003 Gemeinden und Bevölkerungsgruppen in Bergbaugebieten begleitet und berät.
Studienleiter Bladimir Martínez Ordoñez betont, dass die Grundlage der Analyse im Kern Daten aus offiziellen Messungen nach gesetzlichen Vorgaben und von staatlichen Behörden sei, die über Jahre erfasst wurden. „Die Ergebnisse sind für die Lieferkettenverantwortung von Aurubis von Bedeutung“, meint der Umwelttechniker Martínez.
Arsenbelastung von Trinkwasser
Auf rund 70 Seiten hat die Studie das umfangreiche Zahlenwerk in Analysen und Diagrammen zusammengefasst. In topographischen Karten werden die Messwerte dann den genauen Standorten zugeordnet und farblich gekennzeichnet. So zeigt etwa Karte Nr. 17 die Punkte der Entnahmestellen für Trinkwasser. Dort, wo die Grenzwerte für Arsen, Mangan und Blei überschritten werden, sind sie farblich markiert. Die Studie dokumentiert unter anderem auch die Messung erhöhter Arsenwerte bei Kindern im Einzugsbereich der Mine.
„Die Studie zeigt viele Risiken auf“, sagt Mattes Tempelmann, Berater zu Bergbau, Ökologie und Menschenrechte in Lateinamerika von Misereor. Misereor ist einer der Beschwerdeführer gegen Aurubis im Rahmen der BAFA-Prüfung. Für Tempelmann stellt die Studie das Nachhaltigkeitsnarrativ und die angeblich hohen Umweltstandards der Mine Quellaveco infrage.
Minenbetreiber bestreitet die Ergebnisse
Zu den inhaltlichen Vorwürfen der Studie erklärt Anglo American: „Wir halten die in der Beschwerde vorgebrachten Vorwürfe für unbegründet. Quellaveco ist in der Tat ein Vorzeigeprojekt für nachhaltigen und verantwortungsvollen Bergbau, und wir sind sehr stolz auf den dort verfolgten Ansatz.“ Das Unternehmen verweist auf Verpflichtungen gegenüber den Örtlichen Behörden, die weiterhin durch den Quellaveco-Überwachungsausschuss (CMQ) kontrolliert werden, an dem Behörden, Gemeinden und die Zivilgesellschaft beteiligt seien.
Aus wettbewerblichen und vertraglichen Gründen äußert sich Aurubis nicht zu seiner Lieferantenbasis, konkreten Minen und Bezugsmengen. Zu der Kooperation mit Anglo American im Zusammenhang mit der Quellaveco Mine, erklärte Aurubis gegenüber dem SWR, es habe in diesem Rahmen verschiedene Gespräche gegeben, „aus denen beide Unternehmen wertvolle Erkenntnisse gewonnen haben, die jeweils eigenständig in die weitere Arbeit eingeflossen sind.“
Auf die Frage, wie Aurubis die Einhaltung der Vorgaben des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) bei seinen Zulieferern sicherstelle, antwortete ein Konzernsprecher: „Um eine verantwortungsvolle Produktion am Ursprung unseres Materials zu fördern, unterstützen und ermutigen wir unsere Geschäftspartner, freiwillige Nachhaltigkeitsstandards wie die Copper Mark einzuführen.“ Im Rahmen unabhängiger Auditverfahren durch Marktstandards wie LBMA, RMI RMAP und Copper Mark würde das Managementsystem zur Einhaltung der Sorgfaltspflicht in der Rohstofflieferkette mehrmals im Jahr extern bewertet.
Offener Ausgang der BAFA-Beschwerde
Ob die Ergebnisse der neuen Studie auf die laufende Prüfung der BAFA-Beschwerde haben werden, war von den beteiligten Parteien nicht zu erfahren. Aurubis erklärt, man stehe in Kontakt mit dem BAFA. Zu laufenden Verfahren äußere man sich nicht.
Auch das BAFA sagt, das sich die Behörde „zu den Inhalten und dem Ablauf etwaiger Verfahren gegen einzelne Unternehmen grundsätzlich nicht äußern kann.“ Anglo American antwortete dem SWR schriftlich, das Unternehmen sei über die gegen Aurubis im Zusammenhang mit dem deutschen LkSG erhobene Beschwerde bezüglich der Mine Quellaveco in Peru informiert.
Lieferkettenverantwortung auf der Kippe
Für Bladimir Martínez von Red Muquis hat die Beschwerde bei der BAFA eine Diskussion über die Verantwortung beim Kauf von peruanischem Kupfer ausgelöst, die über die Verantwortung des einzelnen Unternehmens hinausginge. „Das deutsche Gesetz ist ein wichtiger Meilenstein ein Land, das vom Rohstoffexport lebt, es ist unsere große Hoffnung, wirklich etwas zu verändern“, meint er. Er weiß aber auch, dass die Bundesregierung das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz abschaffen will, so steht es im Koalitionsvertrag. Und auch eine entsprechende EU-Richtlinie will Bundeskanzler Friedrich Merz am liebsten komplett kippen.

