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Startseite»Politik»Einen Monat vor der WM: Wie ist die Stimmung in Mexiko?
Politik

Einen Monat vor der WM: Wie ist die Stimmung in Mexiko?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 11.05.2026 • 05:14 Uhr

Heute in einem Monat ist Anpfiff für die größte Fußball-WM aller Zeiten, doch von Fußball-Fieber ist vielerorts noch nichts zu spüren. Wie ist die Stimmung im Co-Gastgeberland Mexiko?

Jenny Barke

In Mexiko-Stadt gibt es mehr Bolzplätze als Parks. Jedes Viertel hat einen, alle spielen mit. Die Fußballbegeisterung in dem lateinamerikanischen Land ist auch ohne Weltmeisterschaft groß. „Willkommen in Mexiko! Wir erwarten euch mit offenen Armen!“, ruft Edgar Uribe, Hobbyfußballer, der jeden Samstag ein kleines Turnier zwischen Maurern und Fließenlegern organisiert.

Typisch für Mexiko. Jede kleine Einheit spielt mit, Fußball verbindet. Uribes Kollege und Fußballfreund Jonathan Masías hält Mexikaner für die besten Fans der Welt. „Fußball ist alles hier! Wir atmen ihn, schwitzen ihn aus. Das werden die Ausländer lieben!“

Von Pelé bis Maradona

In Mexikos Hauptstadt findet auch das Eröffnungsspiel am 11. Juni statt, im berühmten Aztekenstadion, dessen Bau in den 1960er Jahren der heute 86-jährige Architekt Luis Martínez del Campo begleitete. „Unser Stadion ist ein echter Grund für Stolz, es ist Symbol für Beständigkeit. Das erfüllt mich mit Freude.“

Das Azteken-Stadion ist Rekordhalter: Es ist das einzige, das zum dritten Mal eine WM eröffnet. Und es ist historisch: Hier reckte der brasilianische Fußballstar Pelé 1970 den Pokal in die Höhe, hier schoss Argentiniens Diego Armando Maradona 1986 unter Einsatz der „Hand Gottes“ sein berühmtes sogenanntes „Tor des Jahrhunderts“. Der Architekt glaubt, dass auch die gute Fan-Kultur zu diesen Legenden geführt hat. Und nach zweijähriger Renovierungszeit entspricht es noch immer WM-Standards, darauf ist er stolz.

„Die Hand Gottes“: Im Viertelfinale gegen England boxte Maradona den Ball zum 1:0 ins Tor. Der Schiedsrichter übersah den blitzschnellen Betrug. Maradona begründet seinen irregulären Treffer mit der „Hand Gottes“, die das Tor zustande gebracht habe.

In der Gewalt der Kartelle?

Doch nicht alle zeigen sich so begeistert. Gerade die lange Umbauzeit, der damit verbundene Wassermangel, die vielen Sperrungen, sie machen die Anwohner um das Stadion wütend. Edith protestiert dagegen auf einer Anti-WM-Demo: „Es findet eine Touristifizierung der Gegend statt“, klagt sie. „Das bedeutet Enteignung und Vertreibung von den Menschen, die am prekärsten leben. Und Mexiko befindet sich in der Krise, mit Entführungen und Morden.“

Kartellgewalt bestimmt vielerorts das Leben der Mexikaner, 120.000 Menschen werden vermisst. Als Ende Februar das mexikanische Militär einen Kartellboss tötete, schlug sein Kartell Jalisco Nueva Generación mit Straßenblockaden, Schießereien und Plünderungen zurück.

Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum betont immer wieder, dass alle Behörden koordiniert für die Sicherheit sorgen. Tatsächlich bleiben neue Gewaltwellen bisher aus. Vor zwei Wochen wurde ein weiterer Anführer des Kartells von Spezialkräften festgenommen – ohne dass Eskalationen folgten.

WM-Tourismus lässt noch auf sich warten

Stadion-Architekt Martínez del Campo sorgt sich, dass Mexiko wegen der Sicherheitslage bei der WM gemieden wird. „Das mexikanische Publikum ist liebevoll, leidenschaftlich, lässt ganz spontan heraus, was es fühlt. Es kann wild applaudieren und mit Lobeshymnen animieren, aber es kann bei Fehlern der Mannschaften auch aggressiv ausbuhen. Diese Emotionen gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.“

Allerdings: International scheint die Lage doch abzuschrecken. Wie auch in den USA bleibt die Nachfrage nach Hotels und Flügen unter dem Niveau des Vorjahres – wenn auch aus anderen Gründen. Die mexikanische Regierung rechnet während der WM mit 5,5 Millionen Touristen, doch die bisher registrierten Buchungen liegen noch weit davon entfernt.

Von ausbleibenden WM-Fans wollen die Hobby-Fußballer Edgar und Jonathan nichts wissen. Ihr Bolzplatz im Zentrum Mexiko-Stadts ist bereits feierlich geschmückt. Überall in der Hauptstadt wurden die kleinen Fußball-Oasen neu gestrichen, Stoffbänder in den mexikanischen Nationalfarben grün-weiß-rot zeigen: Wir sind bereit.

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Dr. Heinrich Krämer
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