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Teams könnten tricksen: Drohen bald „Skandalspiele“ bei der WM?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 23, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Teams könnten tricksen

Drohen bald „Skandalspiele“ bei der WM?

Sich auf ein Unentschieden einigen? Das könnten in den nächsten Tagen einige Nationen machen – und jeweils belohnt werden. Über Sinn und Unsinn des Quervergleichs von zwölf Gruppen bei der WM.

Wenn Fans in den kommenden Tagen den Fernseher für die Spiele der Fußball-WM einschalten, erwartet sie immer wieder ein relativ ungewöhnliches Szenario. Statt zwei Teams auf Sieg spielen zu sehen, wird es gleich mehrere Male Konstellationen geben, in denen beide Mannschaften schon vor dem Spiel wissen: Ein Unentschieden, das reicht eigentlich. Und damit willkommen zum dritten Spieltag der ersten WM mit 48 Teams.

Angesichts des Quervergleichs von zwölf Vierergruppen im Kampf um die acht besten Dritten dürften dabei die Skurrilitäten von Tag zu Tag zunehmen. Die hinteren Gruppen, die erst am Freitag und Samstag im Einsatz sind, wissen dann nämlich ziemlich genau, wie viele Punkte und welches Torverhältnis es braucht, um einen der begehrten acht Plätze zu belegen.

Kanada gegen Schweiz? Ein Remis hilft beiden

Doch schon der Auftakt zwischen Gastgeber Kanada und der Schweiz am Mittwochabend (21.00 Uhr/ARD, MagentaTV und ntv.de-Liveticker) dürfte heikel werden. Sowohl Kanada als auch die Schweiz haben in Gruppe B vier Punkte und liegen damit deutlich vor Bosnien-Herzegowina und Katar (jeweils 1). Ein Remis im direkten Duell führt dazu, dass beide sicher die K.-o.-Runde erreichen.

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Kanada wäre Gruppensieger und würde im heimischen Vancouver bleiben. Die Schweiz wäre Zweiter und bekäme in Südkorea, Südafrika oder Tschechien einen vergleichsweise machbaren Gegner. „Wir wollen gewinnen“, sagte Kanadas Verteidiger Derek Cornelius zwar. Er sagte aber auch: „Davon abgesehen müssen wir in den letzten Spielminuten natürlich mit Köpfchen spielen und auf den Spielstand achten.“

Buffon witterte „Wettskandal“ bei Skandinaviern

Die Turniergeschichte von Welt- und Europameisterschaften lehrt, dass Spiele, bei denen beide Teams von einem Remis profitieren, doch oft mit einem Remis enden. Vor zwei Jahren trennten sich Rumänien und die Slowakei bei der EM in Deutschland mit 1:1 – schon vorher war klar, dass beiden Nationen genau jenes Remis zum Einzug ins Achtelfinale genügen würde. 

Bei der EM 2004 hatten Dänemark und Schweden am letzten Spieltag die Chance, Italien mit einem 2:2 im direkten Duell auszuschalten. Die Partie endete exakt mit diesem Ergebnis.

„Das ist ein Wettskandal“, sagte Italiens Torhüter Gianluigi Buffon über den möglichen Pakt der Skandinavier, der öffentlich natürlich stets vehement bestritten wurde. Fakt ist: Ein Nichtangriffspakt wie 1982 in Gijón, als sich die DFB-Elf auf das erwünschte 1:0 mit Österreich einigte, hat sich schon mehrere Male wiederholt, aber nie mehr so eine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Welche konkreten Fälle drohen am dritten Spieltag der XXL-WM?

Australien gegen Paraguay

Die USA sind sicher Erster der Gruppe D, die Türkei ist sicher Letzter. Für Australien und Paraguay geht es im direkten Duell am Freitagmorgen (4 Uhr) also nur noch um die Plätze zwei und drei. Im direkten Aufeinandertreffen würde den Socceroos ein Remis genügen. Doch auch Paraguay könnte daran Interesse haben: Mit einem Unentschieden und einem vierten Punkt dürfte ihnen ein Sechzehntelfinale-Ticket nicht zu nehmen sein. Beide Teams sind neben Schottland die wahrscheinlichsten Gegner der DFB-Elf.

Japan gegen Schweden

In Gruppe F hat Japan bereits vier Punkte auf dem Konto, Schweden drei. Im direkten Duell sind beide am Freitag (1 Uhr) gefordert. Auch hier könnten die zwei Nationen ein Interesse an einer Punkteteilung haben: Japan sichert mindestens Platz zwei ab und Schweden holt den vierten Punkt, der mit überwältigender Wahrscheinlichkeit genügen wird. Verliert Schweden, könnte es nach dem 1:5 gegen die Niederlande mit den acht besten Dritten eng werden.

Vorbild Portugal: Belgien, Kap Verde und die drei Unentschieden

In einer besonderen Situation befinden sich auch Belgien und Kap Verde, die aktuell bei zwei Punkten und ausgeglichenem Torverhältnis stehen. Dem WM-Debütanten aus Afrika könnte daher am Samstag (2 Uhr) in Gruppe H schon ein Remis gegen Saudi-Arabien reichen. Das gilt auch für die Belgier, die später (5 Uhr) in Gruppe G auf Neuseeland treffen.

Tausende brüllen mit: Haaland und Co. rudern im Stadion

Video poster

Hier wird es allerdings keinerlei Einigung geben können. Denn sowohl Saudi-Arabien als auch Neuseeland stehen bei einem Punkt und brauchen unbedingt den Sieg. Bei der EM 2024 kamen Dänemark und Slowenien mit drei Unentschieden weiter. Acht Jahre zuvor schaffte dies Portugal – und wurde vier Siege in der K.-o.-Runde später sogar Europameister.

Algerien und Österreich wissen genau Bescheid

Die komfortabelste Ausgangslage haben zwei Teams der Gruppe J, denn sie sind am Sonntag (4 Uhr/MESZ) als letzte der Vorrunde dran. Österreich und Algerien (beide drei Punkte) werden beim Duell in Kansas City genau wissen, was fürs Weiterkommen reicht und welcher Gegner mit Platz zwei oder drei wartet. Weltmeister Argentinien ist nach zwei Siegen und fünf Toren von Lionel Messi schon als souveräner Gewinner der Gruppe durch.

Bald dann mit 64 Teams?

Die FIFA hat zu diesem Turnier nicht nur die Teilnehmerzahl um 16 Nationen erhöht, sondern auch an den Kriterien für das Weiterkommen geschraubt. Bei dem Turnier in den USA, Mexiko und Kanada zählt – anders als zuletzt in Katar – bei Punktgleichheit der direkte Vergleich vor dem Torverhältnis.

Das sorgt dafür, dass schon vor dem letzten Spieltag Teams wie die USA, Mexiko oder Deutschland als Gruppensieger feststehen. Zudem sind mit Haiti, Tunesien, der Türkei und Jordanien schon mehrere Nationen ausgeschieden. Damit gibt es am letzten Spieltag nicht nur viele Teams, für die ein Remis völlig ausreicht für das eigene Ziel. Sondern auch einige Mannschaften, für die es um gar nichts mehr geht.

Auch der Modus mit zwölf Vierergruppen und dem Quervergleich von acht Gruppendritten steht in der Kritik. Er wurde lediglich eingeführt, weil der ursprüngliche Plan mit 16 Dreiergruppen noch mehr Schummeleien am letzten Spieltag ermöglicht hätte. Nicht umsonst hält sich die Idee hartnäckig, dass die WM schon bald auf 64 Teams ausgedehnt werden könnte.

Verwendete Quellen: ntv.de, msc/dpa

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