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Trump rollte über frische Farbe: Algen-Killertrupp pumpt Nanobläschen ins Wasserbecken

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 25, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Trump rollte über frische FarbeAlgen-Killertrupp pumpt Nanobläschen ins Wasserbecken

25.06.2026, 07:00 Uhr

Von Roland Peters, Washington
Ozon-Nanoblaeschen-werden-am-24-Juni-in-das-von-Algen-befallene-Wasserbecken-in-Washington-gepumpt
Ozon-Nanobläschen werden am 24. Juni in das von Algen befallene Wasserbecken in Washington gepumpt. (Foto: Roland Peters / ntv.de)

Die Saga um das Wasserbecken in der US-Hauptstadt geht weiter. Die Algen sind womöglich zurückgeschlagen, aber was ist mit der Farbe? Eine neue These macht die Runde: US-Präsident Trump selbst könnte für die abblätternde Versiegelung verantwortlich sein.

Zum 250. Unabhängigkeitsjubiläum der USA sollte es ein Monat der Schönheit werden in den Augen von Donald Trump. Käfigkämpfe für ihn vor dem Weißen Haus. Ein Musikfestival mit bekannten Künstlern in der Hauptstadt. Eine Ausstellung unter freiem Himmel aller Bundesstaaten. Und ein Wasserbecken, dass in „amerikanischem Flaggenblau“ erstrahlt, womit der US-Präsident aber sein grünes Wunder erlebt hat.

Die Zwischenbilanz seiner Pläne ist durchwachsen. Enormer Algenwuchs befiel den wiederbefüllten „Reflecting Pool“ zwischen dem Obelisken und dem Lincoln-Denkmal und das Blau blätterte wieder ab. Trump muss sich mit weiteren Planänderungen anfreunden: Das Musikfestival fiel wegen zahlreicher Künstlerabsagen in sich zusammen, stattdessen hielt er am Vorabend der Ausstellungseröffnung eine Rally mit sich selbst als Star ab. Mindestens sieben Bundesstaaten haben aus Geldmangel und manche auch politischen Gründen keine offiziellen Vertreter in die Hauptstadt geschickt.

Manches US-Medium hat jedoch das Wasserbecken als exemplarisch für Trumps Politikstil erklärt: Der Präsident behauptet, nur er könne ein Problem lösen, schanzt Kompagnons per Staatsauftrag Steuergelder zu und verkündet voreilig seinen Triumph; es stellt sich heraus, dass es nur schlimmer geworden ist. Trump wird ob der schlechten Presse sauer und schiebt anderen die Schuld zu. Das eigentliche Problem wird wegdiskutiert oder es wird alles viel teurer als angekündigt.

Am Tag vor der Eröffnung der 250-Jahr-Feierlichkeiten am 25. Juni bleibt das Hartgummi, das sich in Streifen ablöste, aber die Algen sind offensichtlich verschwunden. Die Sonne brennt von oben auf Touristen, Jogger und Spaziergänger, die über die Treppen des Lincoln-Denkmals wuseln; ein Historiker spricht im Schatten mit Journalisten über die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Am Rand des Beckens beugt sich ein Mann zum Wasser und nimmt die Sonnenbrille ab: „Das sieht doch völlig ok aus“, meint er. Immer wieder bilden sich Grüppchen aus Passanten, die das Wasser inspizieren und darüber kurz diskutieren.

Firmenbesitzer wegen Bestechung verurteilt

Eine ganze Saga spinnt sich inzwischen um das ikonische Wasserbecken in Washington. So heißt die Firma, welche das Wasser für 1,7 Millionen Dollar säubern soll, ironischerweise „Greenwater Services“. Einer der Investoren der Firma aus dem Bundesstaat Ohio und deshalb Inhaber, John F. Cafaro, hat eine Villa in der Nähe von Trumps Anwesen in Mar-a-Lago. Die Geschäftsmänner sind laut „New York Times“ miteinander befreundet, Cafaro ist seit Langem ein finanzieller Unterstützer der Republikaner. Trump nannte Cafaro demnach einen „fantastischen Mann“. In der Vergangenheit wurde er wegen eines politischen Bestechungsskandals sowie einer illegalen Parteispende verurteilt. Trump hatte zudem gesagt, die Sanierung werde insgesamt etwa zwei Millionen Dollar kosten. Bereits jetzt sollen es 16 Millionen Dollar sein.

Ein paar Meter weiter inspizieren an dem Tag von Trumps Wahlrally hinter einem Bauzaun ein paar Männer mit Sonnenbrillen einen Anhänger mit Stahlrohren und dröhnender Pumpe. Zwei Schläuche führen ins Wasser. Aus einem kommen desinfizierende Ozon-Nanobläschen, erklärt einer der Männer nachdrücklich: „Keine Chemikalien, das Wasser ist sauber!“ Zum Beweis hält er eine kleine gefüllte Wasserflasche aus Plastik gegen die Sonne. „Die Algen sind gestorben, was wie Sand aussieht, sind die Überreste.“ Rinnt es durch die Finger, ist es nur noch Zellstoff, erklärt er.

Der Boden des Wasserbeckens ist voll davon; Trumps Algen-Killer haben ganze Arbeit geleistet. Jetzt müsste nur noch jemand den Zellstoff entfernen. Mitte Juni hatten Parkwächter literweise Reinigungsmittel in das Wasserbecken gekippt, aber es blieb grün. „Was falsch lief war nicht die Chemie, sondern die Dosis, der Umfang und die Methode“, schreibt eine Fachfirma dazu. „12-prozentiges Wasserstoff-Peroxid in ein unbewegtes, sonnengebackenes, 25 Millionen Liter Becken zu kippen, ist ein bisschen so wie einen Ozean mit einem Salzstreuer zu salzen.“

Ein Teil von Trumps Plan

Die Sanierung des Reflecting Pools war Teil von Trumps Plan, dass die Welt über ein aufgehübschtes Washington staunen sollte. Der Ballsaal am Weißen Haus befindet sich im Bau, ein „Garten der Helden“ soll vom Wasserbecken bis zum Potomac River reichen. Und er will so schnell wie möglich den enormen, 75 Meter hohen Triumphbogen in Sichtweite des Lincoln-Denkmals errichten.

Das Wasserbecken, seit vielen Jahren von Algen geplagt, wollte Trump im Hauruckverfahren sanieren und beauftragte ohne Ausschreibung zwei Unternehmen für die Sanierung. Eine Firma leerte das Wasserbecken, versiegelte es mit blauem Hartgummi und füllte es mit dem Wasser des nahen Potomac River. „Greenwater Services“ sollte ein Filtersystem installieren.

Doch Algen wuchsen in enormer Geschwindigkeit, Passanten fanden ein totes Entlein im Wasser treibend und zwei weitere in der Nähe. Hat sich das Wasserbecken nun in eine Todesfalle für Tiere verwandelt? Die Ergebnisse einer angekündigten Obduktion stehen aus. An diesem Mittwoch ist keine einzige Ente auf dem Wasser zu sehen.

Und was ist mit dem „amerikanischen Flaggenblau“? Vandalen hätten es beschädigt, womöglich von der Nacht getarnt, behauptete Trump. Bereits sechs Personen seien festgenommen worden, mit einem Teppichmesser vorgegangen und hätten Pflanzendünger in das Wasserbecken gekippt. Von anderer Seite wurde bislang nur ein fünfstündiger Gewahrsam eines Radfahrers bestätigt, der sich eigener Aussage zufolge gebückt hatte, um das herumschwimmende Gummi zu berühren.

Autokolonne fährt über schimmernde Farbe

„Das ist die Hartgummi-Oberfläche – keine Farbe – bevor sie die Vandalen zerschnitten und auseinandergerissen haben!“, postete Trump am Mittwoch samt Foto. Dumm nur, dass es Aufnahmen davon gibt, wie Trumps Kolonne gepanzerter Autos am 7. Mai durch das Becken über die teilweise noch schimmernde Versiegelung fährt, bevor es wieder befüllt wurde. Das deutet auf die zweite Möglichkeit hin: Trump selbst könnte die Versiegelung beschädigt haben, weil er es sich nicht nehmen ließ, voreilig und triumphal durch den Reflecting Pool zu paradieren.

Trumps hatte mit dem ersten Beleg für seine große Angst, in der Öffentlichkeit schlecht dazustehen, vor fast zehn Jahren seine erste Präsidentschaft begonnen. Damals behauptete er nach seiner Vereidigung in Washington, zur Veranstaltung unter freiem Himmel seien mehr Besucher gekommen als bei seinem Vorgänger Barack Obama. Fotos belegten das Gegenteil. Trump blieb bei seiner Version, seine Sprecherin verteidigte die Äußerungen des Präsidenten als „alternative Fakten“. Die gehören seither zu Trumps Tagespolitik, durch die sich die Welt manövrieren muss.

Trump zufolge wird „ein Teil des Wassers“ aus dem Becken „entweder unmittelbar vor oder nach dem 4. Juli abgelassen, um die dauerhafte Reparatur durchzuführen.“ Es ist also weiterhin nicht klar, ob der Präsident sein Ziel erreicht hat. Eines möchte er bestimmt vermeiden. Dass die Welt auf den Bildern des 4. Juli eine Baustelle zu sehen bekommt.

Quelle: ntv.de

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