Auch wenn es zum Winter noch eine Weile hin ist, beschäftigt er viele Ukrainer schon jetzt. Die russischen Luftangriffe lassen das Herannahen einer noch härteren Zeit ahnen. Ein junges Ehepaar stellt sich auf extreme Umstände ein.
In ihrem kleinen Café im Zentrum von Kiew bieten Natalia und ihr Mann Maksim jeden Tag frische Teilchen, Croissants und Gebäck mit herzhafter oder süßer Füllung an. Der Tag beginnt für sie morgens um vier Uhr, ab sechs Uhr bereiten sie den Teig vor.
Eröffnet hat das Paar mitten im Krieg – ein schwieriges Unterfangen. Das Geld ist knapp, die Tage lang, die Nächte mit ständigen russischen Luftangriffen kurz. Natalia schießen die Tränen in die Augen. Irgendwie müsse man ja überleben – „von uns hängt so viel ab. Unsere Töchter und unsere Eltern, die wir unterstützen müssen“.
Beschädigte Gebäude, weniger Kunden
Viele Gebäude in der Straße, in der sich das Café befindet, wurden während eines russischen Luftangriffs schwer beschädigt. Die Reparaturarbeiten dauern noch immer an. Es sind vor allem Bürogebäude.
Viele Firmen haben sich neue Standorte gesucht. Für Natalia und Maksim bedeutet das spürbar weniger Kunden, auch wenn viele Kunden dankbar seien, „dass wir durchhalten, dass wir mit ihnen im Gespräch bleiben und uns gegenseitig unterstützen“.
Russlands Raketen treffen kaum noch auf Gegenwehr. Die Folgen sind verheerend – wie hier bei einem städtischen Kinderkrankenhaus in Kiew.
Leben mit der täglichen Bedrohung
Die Menschen in Kiew sind müde, der Krieg zerrt an den Nerven. Natalia verfolgt die Nachrichten schon gar nicht mehr, konzentriert sich auf ihre Arbeit, auf den Alltag, die Kinder, den Hund und die Katze.
Sie hätten sich an den Luftalarm, an die ständigen Angriffe gewöhnt, berichtet Ehemann Maksim. Auch im Wissen, dass sich die Ukraine aktuell gegen ballistische Raketen kaum verteidigen kann.
„Eine ballistische Rakete kommt sehr schnell. Im besten Fall haben wir fünf Minuten“, sagt Maksim – die Warnungen erreichen sie über den Messenger-Dienst Telegram. „Wir gehen in den Korridor und warten auf die Explosion.“
Beizeiten vorsorgen
Hoffnung, dass die USA noch helfen werden, haben die beiden nicht mehr. Der ukrainischen Rüstungsindustrie werde es sicherlich schneller gelingen, ein eigenes Luftverteidigungssystem zu entwickeln, das auch ballistische Raketen abwehren kann, meint Maksim.
Jedes Jahr hätten sie gehofft, dass der Krieg im nächsten Jahr endet. Jetzt denkt das Ehepaar darüber nach, einen Kredit aufzunehmen und Solarpanele anzuschaffen, damit es verlässlichen Strom hat. „Und wenn es im Winter kein Wasser gibt, planen wir, in die Datscha zu ziehen.“
Sorgenvoller Blick auf den Winter
Der kommende Winter ist eines der dominierenden Themen in diesem Sommer. Viele Menschen in der ukrainischen Hauptstadt versuchen wie Maksim und Natalia, schon jetzt Vorbereitungen zu treffen.
Es ist ihre Art umzugehen mit der ständigen Gefahr, der Schutzlosigkeit und dem diplomatischen Ringen um mehr Luftverteidigungsmittel.

