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Umfragen zeigen Unzufriedenheit: Putins Rückhalt geht der Sprit aus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 2, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Umfragen zeigen UnzufriedenheitPutins Rückhalt geht der Sprit aus

01.07.2026, 20:08 Uhr Von Uladzimir Zhyhachou
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Die Treibstoffkrise infolge ukrainischer Drohnenangriffe scheint ein Umdenken in der russischen Bevölkerung auszulösen. (Foto: REUTERS)

Was Kriegsverbrechen der eigenen Armee nicht bewirken, erreichen leere Autotanks: Umfragen zufolge sind die Russen so unzufrieden wie nie seit Beginn des Krieges. Selbst staatliche Institute bescheinigen Putin sinkende Zustimmung. Immer mehr Russen wollen wissen, wann die „Spezialoperation“ endlich endet.

Kein Benzin, kein Urlaub auf der Krim, stattdessen steigende Preise, Explosionen und schwarze Rauchwolken vor der eigenen Haustür: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine macht das Alltagsleben vieler Russen weniger bequem. Viereinhalb Jahre nach Beginn der Invasion erreichen ukrainische Drohnen Moskau, Sankt Petersburg sowie abgelegene Gebiete – und Wladimir Putins Zustimmungswerte einen Tiefpunkt.

Noch nie seit Kriegsbeginn schienen die Russen so unzufrieden zu sein – nicht, als ihre Armee das Massaker von Butscha verübte oder zahlreiche Städte im Osten der Ukraine dem Erdboden gleichmachte. Erst seit der Krieg – vor allem durch die leeren Autotanks infolge der ukrainischen Angriffe auf Ölraffinerien – im eigenen Alltag spürbar wird, ändert sich in Russland die Wahrnehmung: nicht mehr nur als Putins Krieg, sondern als ein Krieg, der auch die Russen selbst betrifft.

60 Prozent der Bevölkerung glauben einer aktuellen Umfrage des US-amerikanischen Instituts Gallup zufolge, dass sich die wirtschaftliche Lage in ihrer Stadt oder Region verschlechtert hat. Es ist der höchste Wert seit Beginn vergleichbarer Erhebungen vor 20 Jahren. Die Umfrage wurde von März bis Mai 2026 durchgeführt. 56 Prozent geben an, dass sich ihr Lebensstandard verschlechtert hat – ebenfalls ein Höchststand.

Gallup verzeichnet zudem einen deutlichen Rückgang des Vertrauens in zentrale Institutionen. Das Vertrauen in das Militär sank von 79 auf 66 Prozent, in die Regierung von 67 auf 53 Prozent und in die Fairness von Wahlen von 56 auf 40 Prozent. Nur noch 34 Prozent der Russen sind der Ansicht, dass es im Land Medienfreiheit gibt – im Jahr zuvor waren es noch 59 Prozent.

Meinungsumfragen in Russland sind aufgrund des repressiven politischen Umfelds grundsätzlich nur eingeschränkt verlässlich. Veränderungen im Zeitverlauf gelten daher oft als aussagekräftiger als einzelne Werte.

Sogar staatliche Institute haben keine guten Nachrichten für Putin

Das unabhängige Lewada-Zentrum misst derzeit eine Zustimmung von 79 Prozent für Wladimir Putin – so niedrig wie zuletzt im November 2022, als es nach der Teilmobilisierung zu einem kurzfristigen Einbruch seiner Werte kam. Seit Kriegsbeginn (damals stieg die Zustimmung sprunghaft von 71 auf 83 Prozent) lagen die Werte ansonsten durchgehend bei über 80 Prozent und in den Jahren 2024–2025 sogar über 85 Prozent.

Und selbst staatliche Meinungsforschungsinstitute wie FOM und WZIOM melden seit dem Frühjahr sinkende Zustimmungswerte für Putin. Laut FOM lag das Vertrauen Ende Juni bei 69 Prozent – dem niedrigsten Stand seit Beginn des großangelegten Krieges.

„Wann endet die Spezialoperation?“

Da Umfragen – vor allem die der staatlichen Institute – nur eingeschränkt aussagekräftig sind, lohnt sich ein Blick auf eine Beobachtung, über die das russische Exil-Portal „Meduza“ berichtet. Die Zahl der Suchanfragen „Wann endet die SWO“ hat den höchsten Stand seit Kriegsbeginn erreicht. Die Abkürzung SWO steht für „Militärische Spezialoperation“, so wird der Ukraine-Krieg in der Propaganda-Sprache bezeichnet. In der vergangenen Woche verzeichnete die russische Suchmaschine Yandex 137.187 entsprechende Anfragen – ein Rekord seit dem 24. Februar 2022.

Die Zahl dieser Suchanfragen steigt die zweite Woche in Folge stark an. Der vorherige Höchststand wurde Anfang Juni erreicht, als ukrainische Drohnenangriffe während des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg stattfanden.

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Suchanfragen „Wann endet die Spezialoperation“ steigen auf Yandex zuletzt deutlich an – und erreichen derzeit ihren Höchststand. (Foto: Screenshot wordstat.yandex.ru )

Ein Blick auf die regionale Verteilung der Anfragen zeigt deutliche Unterschiede. Der sogenannte Interessenindex misst, wie häufig die Suchanfrage gestellt wurde, verglichen mit dem landesweiten Durchschnitt. Ein Wert von 100 entspricht dem Durchschnitt, 150 bedeutet ein um 50 Prozent höheres Interesse, 50 ein halb so großes.

Wenig Suchanfragen vor allem im Nordkaukasus

In grenznahen Gebieten wird die Suchanfrage erwartungsgemäß besonders oft gestellt: In der Oblast Kursk liegt der Interessenindex bei 264, auf der annektierten Krim bei 233 und im Bezirk Schebekino (Gebiet Belgorod) sogar bei 952. Auffällig gering ist das Interesse in den muslimisch geprägten Regionen des Nordkaukasus: in Tschetschenien bei 29, in Dagestan bei 40 und in Kabardino-Balkarien bei 46. In Moskau liegt der Index bei 76, in Sankt Petersburg bei 69 – jeweils unter dem landesweiten Durchschnitt.

Auffällig ist zudem, dass die Zahl der sinngleichen Suchanfragen „Wann endet der Krieg“ seit 2023 relativ konstant bleibt, ohne größere Ausschläge. Nur unmittelbar nach Kriegsbeginn sowie während der Teilmobilisierung im Herbst 2022 kam es zu deutlichen Anstiegen. Bemerkenswert ist auch, dass insgesamt häufiger das offizielle Narrativ „SWO“ verwendet wird: Im Mai wurde „Wann endet der Krieg“ rund 398.000 Mal gesucht, „Wann endet die SWO“ hingegen etwa 435.000 Mal. Möglicherweise liegt das daran, dass Menschen, die den Krieg als solchen bezeichnen, eher andere Suchmaschinen, wie etwa Google, nutzen.

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Die sinngleiche Suchanfrage „Wann endet der Krieg“ bleibt seit 2023 relativ konstant. (Foto: Screenshot wordstat.yandex.ru)

Die Daten deuten darauf hin, dass viele Russen erst dann unzufrieden werden, wenn der Krieg ihr eigenes Leben spürbar beeinträchtigt. Die massiven Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien treffen damit einen empfindlichen Punkt. Ob die wachsende Unzufriedenheit in Putins Russland jedoch Auswirkungen hat, bleibt offen.

Quelle: ntv.de

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