Umfragen zu Merz und CDUMehr als die Hälfte meint: Er sollte zurücktreten
Drei Landtagswahlen, drei Niederlagen – der September ist für die CDU niederschmetternd. Doch der Kanzler steht noch, will weitermachen. Einem großen Teil der Menschen in Deutschland wäre etwas anderes lieber.
Bundeskanzler Friedrich Merz sollte sein Amt aufgeben, sagen 55 Prozent der Menschen in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage für das Trendbarometer von RTL und ntv. 40 Prozent meinen demnach, der CDU-Chef möge weiter die Regierung führen. Im Osten wollen sogar 68 Prozent Merz nicht mehr als Kanzler. Im Westen sind es 53 Prozent.
Es sind verheerende, aber keine überraschenden Werte. Der Kanzler ist historisch unbeliebt, wie das Trendbarometer von Forsa auch diese Woche bestätigt. Nur elf Prozent sind mit Merz‘ Amtsführung zufrieden. 87 Prozent sind es nicht.
Schaut man genauer auf die Zahlen, zeigt sich: Selbst in der Wählerschaft der CDU schwindet der Rückhalt. Unter den eigenen Anhängern meinen 21 Prozent, Merz solle sein Regierungsamt aufgeben. Bei der SPD sind es 43 Prozent.
Merz bei AfD-Anhängern unten durch
Ähnlich ist der Wert bei den Grünen (39 Prozent). Bei Linke-Wählern ist die Ablehnung mit zwei Dritteln (65 Prozent) noch deutlich größer. Nahezu allumfassend (89 Prozent) ist sie bei AfD-Anhängern.
Diese Ablehnung dürfte auch bei den jüngsten Landtagswahlen eine Rolle gespielt haben. In Mecklenburg-Vorpommern flog die CDU aus dem Landtag. In Sachsen-Anhalt sackte sie auf gut 17 Prozent ab. In Berlin unterlag sie klar der Linken. Auch in der Sonntagsfrage des Trendbarometers kommt die CDU nur noch auf 20 Prozent.
Forsa hat versucht, diesem Wählerschwund auf den Grund zu gehen. 66 Prozent der Wähler machen Merz persönlich für die Verluste verantwortlich. Es gibt aber noch einen anderen Punkt, der den Befragten noch wichtiger ist. Die CDU kümmere sich nicht mehr um die Alltagssorgen der Menschen, gaben 81 Prozent an.
Auch hier ließe sich eine Verbindung zu Merz ziehen. Der CDU-Chef wird oft als abgehoben beschrieben, der zu wenig Mitgefühl für die Sorgen der Menschen zeige. In diesem Punkt gelobte er zuletzt Besserung. So sprach er etwa ein Gerechtigkeitsproblem bei privater und gesetzlicher Krankenversicherung an.
Aktuelle CDU/CSU-Wähler geben eine andere Antwort
Fast zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) sehen einen weiteren Grund für die Stimmenverluste von CDU und CSU: den Bruch des Wahlkampf-Versprechens, keine neuen Schulden aufzunehmen. 57 Prozent meinen, die Regierungspolitik sei sozial nicht ausgewogen.
Alle diese Punkte bis auf den letztgenannten spielen für Abwanderer eine besonders große Rolle. Wer einst CDU oder CSU wählte, gewichtet diese Punkte noch höher als der Durchschnitt.
Bei den Wählern, die den Christdemokraten weiter ihre Stimme geben würden, sieht es anders aus. Auch dort meinen immerhin 63 Prozent, die Regierung vernachlässige die Alltagssorgen der Menschen. Aber als zweitwichtigsten Grund sehen sie weder Merz persönlich noch gebrochene Versprechen. Für sie ist eine zu hohe Zahl an Kompromissen ausschlaggebend, die die Unionsparteien mit der SPD eingehen müsse. 52 Prozent der Unionswähler gaben diese Antwort.
Oder lieg es an den Spätfolgen der Politik von Ex-Kanzlerin Angela Merkel? Diese Frage beantworten ähnlich viele aktuelle Unionswähler mit Ja (42 Prozent) wie frühere (48 Prozent) und der Gesamtdurchschnitt (45 Prozent). In diese Richtung argumentiert Merz selbst oft. Er sagt immer wieder, seine Regierung habe liegen gebliebene Probleme aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten geerbt und müsse sie nun lösen.
