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Politik

UNHCR-Bericht: Erstmals seit einem Jahrzehnt weniger Flüchtlinge

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 11.06.2026 • 15:04 Uhr

Weltweit ist die Zahl der Flüchtlinge leicht zurückgegangen – zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt. Laut den UN kehrten so viele Vertriebene in ihre Heimat zurück wie lange nicht. Aber oft unfreiwillig.

Kathrin Hondl

„Der Rückgang ist bescheiden“, sagt UN-Flüchtlingshochkommissar Barham Salih. Doch es seien „willkommene Nachrichten“: Die Zahl der weltweit gewaltsam vertriebenen Menschen ist 2025 erstmals seit zehn Jahren wieder zurückgegangen – um etwa vier Prozent auf fast 118 Millionen Menschen.

Denn im vergangenen Jahr kehrten laut dem neuen UNHCR-Bericht so viele Vertriebene wie lange nicht in ihre Herkunftsorte oder -länder zurück – nämlich mehr als zehn Millionen Binnenvertriebene und fast 4,4 Millionen ins Ausland geflüchtete Menschen.

Geflüchtet – und in die eigene Heimat vertrieben

Besonders viele Rückkehrerinnen und Rückkehrer gab es in Syrien, Afghanistan und dem Sudan. Dies geschah allerdings oft nicht freiwillig, betont der UN-Flüchtlingskommissar. Das gelte besonders für Afghanistan-Rückkehrer. Viele Flüchtlinge seien aus dem Iran und Pakistan erneut gewaltsam vertrieben worden, zurück nach Afghanistan.

Als große Herausforderung sieht der Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks die Langzeitvertreibung: 70 Prozent der Flüchtlinge weltweit leben demnach seit mindestens fünf Jahren im Exil. Die meisten seien in armen Nachbarstaaten ihrer Herkunftsländer, angewiesen auf humanitäre Hilfe.

„Verletzung der menschlichen Würde“

„Ich halte es für eine Verletzung der menschlichen Würde, wenn Menschen so festsitzen und auf humanitäre Hilfe angewiesen sind“, beklagt Bahram Salih. Der kurdisch-irakische UN-Hochkommissar für Flüchtlinge weiß, wovon er spricht. Denn er war selbst ein Flüchtling.

Flüchtlinge auf Zahlen in einer Statistik zu reduzieren, ist entmenschlichend. Jede Zahl bedeutet ein Leben, ein Zuhause, eine Gemeinschaft.

Er selbst habe als Flüchtling vom internationalen Schutzsystem profitiert, erklärt Salih. Dadurch habe er die Chance auf Integration und Bildung erhalten.

Doch gerade solche zukunftsorientierten Lösungen fehlen. Laut dem Bericht fanden vergangenes Jahr nur noch knapp 82.000 besonders schutzbedürftige Flüchtlinge über das sogenannte Resettlement-Programm des UNHCR Plätze in Aufnahmeländern. Das waren weniger als halb so viele wie 2024. Auch Deutschland hat das Resettlement-Programm ausgesetzt.

Der irakische Ex-Präsident Barham Salih ist seit Januar 2026 UN-Flüchtlingskommissar.

Ein ehrgeiziges Ziel

Flüchtlingskommissar Salih hat nun ein – wie er sagt – „ehrgeiziges Ziel“: Der UNHCR wolle die Zahl der Langzeitvertriebenen, die auf Hilfe angewiesen sind, bis 2035 halbieren. „Ich weiß, dass das ehrgeizig ist. Ich weiß, dass es die Mittel und Ressourcen des UNHCR übersteigt“, so Salih. „Aber ich fordere die internationale Gemeinschaft auf, mitzumachen.“

Das Ziel sei erreichbar, ist sich der UN-Kommissar sicher – durch Zugang zu Bildung und Arbeit für Flüchtlinge, aber auch humanitäre Visa und Rückkehrhilfen. Natürlich sei Frieden die Grundlage, betont Salih. Und: „Vertreibung ist kein Problem, das es zu verwalten gilt. Vertreibung ist ein Problem, das gelöst werden muss.“

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