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Startseite»Politik»Verdacht auf Cum-Cum-Geschäfte: Ermittler durchsuchen Deutsche Bank
Politik

Verdacht auf Cum-Cum-Geschäfte: Ermittler durchsuchen Deutsche Bank

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 11:55 Uhr

Ermittler durchsuchen seit dem Morgen Büros der Deutschen Bank in Frankfurt: Es geht um möglicherweise rechtswidrige Steuergeschäfte der Postbank. Der Schaden für den Fiskus soll sich auf Hunderte Millionen Euro belaufen, so der Verdacht.

Von Petra Blum, WDR und Verena von Ondarza, NDR

Mehrere Dutzend Staatsanwälte und Finanzermittler aus Düsseldorf durchsuchen derzeit die Zentrale von Deutschlands größtem Kreditinstitut in Frankfurt. Hintergrund sind nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung (SZ) Ermittlungen zu möglicherweise rechtswidrigen Cum-Cum-Geschäften der Postbank. Es geht dabei um Vorgänge aus den Jahren 2008 bis 2010.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass die Postbank in diesem Zeitraum mehr als 350 Millionen Euro Steuern zu wenig durch solche Geschäfte gezahlt haben könnte. Zehn ehemalige Verantwortliche des Instituts führt die Staatsanwaltschaft als Beschuldigte. Die Deutsche Bank steht nicht selbst im Mittelpunkt der Affäre. Sie hatte die Postbank schrittweise ab 2009 übernommen. Der vollständige Kauf und die anschließende rechtliche Verschmelzung erfolgten im Jahr 2018.

Die Deutsche Bank gilt als rechtmäßige Nachfolgeorganisation. Deshalb wird heute bei der Deutschen Bank durchsucht. Die Deutsche Bank bestätige auf Anfrage die Maßnahme der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Sie werde als Drittpartei durchsucht und arbeite vollumfänglich mit den Behörden zusammen, so ein Sprecher. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat auf eine kurzfristige Anfrage nicht geantwortet.

Eine Art Scheingeschäft

Cum-Cum bedeutet, dass Aktien rund um den Dividendenstichtag gehandelt wurden und der Fiskus im Anschluss eine Steuer nicht einnehmen konnte oder zu viel erstattet hatte. Bei Cum-Cum nutzten die Aktienhändler aus, dass die Besteuerung für Steuerinländer bis 2013 niedriger war als für Steuerausländer. Grob gesagt haben die Akteure bei solchen Geschäften Steuererstattungen erwirkt, die ihnen eigentlich gar nicht zustehen, wenn sie aus einer Art Scheingeschäft stammen.

Obwohl der Bundesfinanzhof bereits 2015 entschieden hatte, dass Cum-Cum-Geschäfte in bestimmter Form nicht rechtens waren, haben die Finanzbehörden bisher nur einen kleinen Teil der Gelder wieder eingetrieben. Die Aufarbeitung der Cum-Cum-Vorgänge kommt erst langsam in Gang.

Während es bei Cum-Ex-Geschäften schon diverse letztinstanzliche Urteile und auch Freiheitsstrafen gegen Täter gibt, stehen die Ermittler bei Cum-Cum-Geschäften noch am Anfang. Nicht jede Cum-Cum-Gestaltung ist per se strafbar. In jedem einzelnen Fall muss ermittelt werden, wie genau etwa Absprachen und Verträge zwischen den beteiligten Banken und Finanzfirmen aussahen. Dabei sollen viele Akteure bei Cum-Cum-Geschäften aktiv gewesen sein. Banken, Versicherungen und sogar Sparkassen und Genossenschaftsbanken sollen daran mitgewirkt haben.

Der bundesweit geschätzte Schaden aus Cum-Cum-Geschäften insgesamt beläuft sich nach Angaben der Bundesregierung auf 7,3 Milliarden Euro. Experten gehen teilweise von deutlich mehr aus. Der Mannheimer Professor für Steuerlehre Christoph Spengel schätzt den möglichen Schaden insgesamt sogar auf rund 28 Milliarden Euro.

Welche Rolle spielt die Deutsche Bank?

Die Deutsche Bank selbst galt lange als Randfigur in diesem Skandal. Recherchen von SZ und WDR zeigten aber schon im März 2026, dass auch die Deutsche Bank selbst womöglich im großen Stil bei Cum-Cum-Geschäften mitgewirkt haben könnte. Den Recherchen zufolge geht die Staatsanwaltschaft Köln schon seit mehreren Jahren dem Verdacht nach, dass das Geldinstitut mit Deals von 2009 bis 2015 mehr als 600 Millionen Euro kassiert haben könnte, die eigentlich in die Staatskasse gehören.

Ein Sprecher der Bank wollte sich auf Anfrage im März zu Details nicht äußern. Die Bank betonte, dass sie mit den Behörden umfassend kooperiere. Die Staatsanwaltschaft hatte sich auf Anfrage dazu nicht geäußert.

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