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Viele haben Grundpessimismus: Studie: Menschen sind kooperativer als sie glauben

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Viele haben GrundpessimismusStudie: Menschen sind kooperativer als sie glauben

Kooperation ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Wohlergehen, so die Forscher. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Inwiefern sind Menschen bereit, für die Gemeinschaft auf private Vorteile zu verzichten? Ein weltweites Experiment untersucht diese Frage. Das Ergebnis zeigt: Echte Kooperationsbereitschaft unterscheidet sich stark von der Erwartung an die Mitmenschen. Besonders in Deutschland ist das ausgeprägt.

Die Bereitschaft zur Kooperation mit Fremden ist einer Studie zufolge weltweit stark ausgeprägt. Dabei unterschätzen die meisten aber den Kooperationswillen ihrer Mitmenschen, wie die im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Studie eines Bonn-Frankfurter Forschungsteams zeigt. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen demnach in Deutschland.

Die Forscher betonen, dass Kooperation eine Grundvoraussetzung für gesellschaftliches Wohlergehen sei. Viele Herausforderungen ließen sich nur bewältigen, wenn Menschen bereit seien, über ihr Eigeninteresse hinaus zum Gemeinwohl beizutragen.

Die Datengrundlage der Studie bilden nach Angaben der Universität Bonn verhaltenswissenschaftliche Experimente mit über 100.000 Personen aus 125 repräsentativen Länderstichproben. Die Studie sei die weltweit erste, die menschliche Kooperation auf global repräsentativer Basis untersuche.

Privat oder gemeinschaftlich?

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand ein weltweit einheitlich durchgeführtes Experiment: Jede teilnehmende Person wurde einer unbekannten Person aus dem eigenen Land zugeordnet, dann musste sie sich zwischen zwei Optionen entscheiden. Die Option „nicht kooperieren“ brachte einen sicheren Ertrag von 100 Dollar, die Option „kooperieren“ dagegen nur 70 Dollar. Wenn sich jedoch beide Personen – unabhängig voneinander und ohne gemeinsame Beratung – für die Option „kooperieren“ entschieden, wurden zusätzlich 400 Dollar für Maßnahmen gegen den Klimawandel gespendet. Die Teilnehmer standen also vor der Wahl zwischen einer höheren privaten oder einer gemeinschaftsorientierten Auszahlung.

Wie sich zeigte, war eine deutliche Mehrheit der Teilnehmer von durchschnittlich 69 Prozent bereit, zugunsten des Beitrags für die Klimamaßnahmen auf einen höheren Geldbetrag für sich selbst zu verzichten. Die Teilnehmer unterschätzten aber systematisch die Kooperationsbereitschaft ihrer Mitmenschen. Während die tatsächliche globale Kooperationsbereitschaft bei 69 Prozent lag, erwarteten die Befragten im Durchschnitt nur eine Kooperationsbereitschaft von 47 Prozent. Diese pessimistische Fehlwahrnehmung fand sich in 124 von 125 Ländern, sie ist also fast allgemein. Die Forscher betonen deshalb: „Wir sind als Spezies kooperativer als wir selbst glauben.“

Deutsche sehen Glas halbleer

Ein auffälliges Ergebnis gab es für Deutschland. Dort wurde die Kooperationsbereitschaft der anderen besonders drastisch unterschätzt. Während tatsächlich 86 Prozent kooperierten – ein besonders hoher Anteil -, erwarteten die Teilnehmer dies nur von 47,6 Prozent – eine Unterschätzung um fast 40 Prozentpunkte.

Wie kommt es dazu? „Meine Vermutung ist, dass wir schon eine Tendenz haben, das Glas halbleer zu sehen“, sagte einer der Autoren der Studie, Armin Falk von der Universität Bonn. „Das entspräche diesem Grundpessimismus, der ja auch häufig beklagt wird.“

Die wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist für Falk jedoch diese: „Wir könnten, wenn wir weniger pessimistisch und damit realistischer wären, in einer besseren Welt leben.“ Viele Menschen erliegen demzufolge einer kognitiven Selbsttäuschung, indem sie die anderen zu negativ einschätzen: „Dadurch schwächen wir uns selber.“

Quelle: ntv.de, raf/dpa

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