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VIP VIP, Hurra!: Ein vergessener Kaulitz, Kalter Krieg und Slim Shady

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 18, 2026Keine Kommentare8 Minuten Lesezeit
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VIP VIP, Hurra!Ein vergessener Kaulitz, Kalter Krieg und Slim Shady

18.09.2026, 17:09 Uhr Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Tom und sein Bruder Bill Kaulitz: Einer von den beiden macht nun auf das Schicksal vieler Praktikanten aufmerksam. (Foto: picture alliance/dpa)

Ein berühmter Praktikant wartet auf Anerkennung, bei den Royals herrscht Kalter Krieg und Lars Eidinger schaltet einfach ab. Zum Glück gibt es in dieser Promiwoche aber auch gute Nachrichten rund um Thomas Gottschalk.

Berlin hat ja keinen besonders guten Ruf. Zu dreckig, zu laut und mittlerweile vielerorts arschteuer. Wobei Berlin daran, wie ich finde, vollkommen unschuldig ist. Das Problem sind eher die Leute, die in die Hauptstadt ziehen, weil sie „Berlin“ für eine Charaktereigenschaft halten. Ich hab‘ vor Jahren auf dem Klo des Cafés „Schwarzsauer“ in Prenzlauer Berg mal einen Sticker gesehen, auf dem sinngemäß stand: Wer keine eigene Identität hat, zieht nach Berlin und macht Berlin zu seiner Identität. Ich fand das damals ein bisschen frech, aber ich wohne lange genug in dieser Stadt, um zu wissen, ganz falsch ist das nicht, hahaha.

Man erkennt diese Leute meistens daran, dass sie nach drei Monaten Sätze sagen wie „Dat is Berlin, wa!“. Etwa, wenn neben der Haustür eine Matratze brennt oder mitten auf dem Gehweg ein abgewetztes Sofa mit der Aufschrift „zu verschenken“ steht. Dabei gibt es tatsächlich sehr viele sehr schöne Seiten dieser Stadt. An diesem Sonntag zum Beispiel wird gewählt. Und wer wie ich in Pankow wohnt und traditionell in irgendeiner Schule sein Kreuz macht, denkt: Wäre doch ganz Berlin so wie dieses Wahllokal! Die Flure sind gefegt, die Tische versprühen einen Hauch Mid-Century-Style und das Linoleum ist zwar abgerockt, aber es liegt ein Glanz darauf, bei dem jeder ehemalige DDR-Schüler augenblicklich weiß: Da war Bohnerwachs im Spiel.

Es riecht natürlich nicht mehr genauso wie früher, etwa nach Milchreis mit Zimt oder sauren Eiern, die man sich mit dem wöchentlichen Essensgeld für 2,75 Mark schmecken ließ, aber das Auge erinnert sich. Hach, Demokratie kann so schön sein, vor allem frisch gebohnert.

Wetten, dass es auch gute Nachrichten gibt?

Es ist überhaupt eine gute Idee, sich gelegentlich mit erfreulichen Dingen zu beschäftigen, weshalb wir auch diesen Wochenrückblick auf das Leben der Promis mit einer wirklich guten Nachricht beginnen. Thomas Gottschalk ist weiterhin krebsfrei. Nach zwei Operationen, 33 Bestrahlungen und einer Reha hatte er bereits mitgeteilt, dass die Krankheit derzeit nicht mehr nachweisbar sei. Nun stand erneut eine PET-Untersuchung an. „Man geht da mit einem Zittern hin, weil ich natürlich Angst hatte vor dem Ergebnis. Jetzt bin ich heilfroh“, sagte der 76-Jährige anschließend. Seine Frau Karina, die die vergangenen Monate weniger als Ehefrau denn als, wie sie selbst sagt, „Gesundheitsmanagerin“ verbracht hatte, spricht angesichts der ursprünglich schlechten Prognose von einem „kleinen Wunder“.

Apropos Reminiszenzen: Halten Sie mich gern für nostalgisch, aber neulich bin ich bei Youtube an einem alten Fernsehclip hängengeblieben. Thomas Gottschalk, gerade 50 geworden, zu Gast bei Harald Schmidt, damals, im Jahre 2000, 42. Gottschalk im weißen Shirt und in Leinenhose, Schmidt hinterm Schreibtisch, und dann reden da einfach zwei ziemlich schlagfertige Entertainer miteinander, ohne dass alle drei Minuten jemand erklären muss, was davon gerade ironisch gemeint war. Sie frotzeln, werfen sich die Bälle zu, reden über Fernsehen und darüber, wer von beiden wohl länger auf Sendung bleiben wird, und machen sich nebenbei über einen gewissen „Slim Shady“ lustig, dessen nachhaltigen Erfolg damals offenbar noch niemand so recht auf dem Zettel hatte. Nichts an der Plauderei wirkt angestrengt oder nach initiierter Empörung. Und wenn man die beiden damals so sieht, vermisst man vielleicht nicht das Fernsehen von früher, dafür aber dieses Unangestrengte zwischen zwei Großkalibern der Unterhaltungsbranche, die nur aus einem einzigen Grund dort waren, wo sie waren: wegen ihres Talents.

Gottschalk, der jahrzehntelang eine ganze Nation dazu brachte, am Samstagabend Menschen beim Baggerfahren und Ertasten von Gegenständen mit verbundenen Augen zuzusehen, ist also endlich wieder gesund. Als Nächstes wollen er und Karina ihren Hochzeitstag auf Ibiza feiern.

Kaum ist man erleichtert, meldet sich allerdings schon Familie Kaulitz und stellt das natürliche Gleichgewicht dieser Promikolumne wieder her. Tom Kaulitz hat nämlich erfahren müssen, dass sein MagentaTV-Team beim Deutschen Fernsehpreis für seine WM-Berichterstattung ausgezeichnet wurde. Tom war während des Turniers zeitweise als „Praktikant“ dabei, gehörte also durchaus zur ausgezeichneten Mannschaft, nur hatte offenbar niemand daran gedacht, ihm mitzuteilen, dass seine Kollegen gerade einen Fernsehpreis abholen. „Ich war ein bisschen enttäuscht, weil sich keiner bei mir gemeldet hat“, erklärte er im Podcast mit seinem Bruder Bill. Er wisse selbstverständlich, dass andere sehr viel stärker beteiligt gewesen seien, habe aber gedacht, „dass mir vielleicht mal jemand textet oder mir Bescheid sagt. Auch wenn ich nur eine kleine Rolle gespielt habe.“

Endlich spricht mal jemand über das Schicksal der Praktikanten! Jahrzehntelang haben junge Leute Kaffee gekocht und Millionen Firmendrucker vom Papierstau befreit und statt angemessener Entlohnung oft lediglich den Satz „Macht sich gut im Lebenslauf“ gehört. Tom Kaulitz absolviert ein Praktikum bei einer Fußballübertragung, das Team gewinnt anschließend den Deutschen Fernsehpreis, und niemand sagt dem Praktikanten Bescheid. Frechheit!

Auch Bruder Bill fand den Vorgang „skandalös“. „Das finde ich eine Unverschämtheit! Die kriegen alle so ein Ding? Dann kriegst du den auch!“ Anschließend ließ er die Verantwortlichen wissen: „Fernsehpreis, liebe Grüße, müsst ihr uns zuschicken. Adresse schicken wir euch!“ Johannes B. Kerner versicherte Tom immerhin später: „Der Preis gilt übrigens auch für Praktikanten.“

Sehr viel stiller wurde es in dieser Woche an anderer Stelle. Der Schauspieler Ralf Richter ist mit 69 Jahren gestorben. Sein Sohn Max teilte mit, sein Vater sei seit längerer Zeit schwer krank gewesen und schließlich zu Hause in Köln gestorben.

Richter war einer dieser kultigen Typen, bei denen pure Anwesenheit genügte, um eine Szene in eine bestimmte Richtung zu ziehen. In „Das Boot“ spielte er Frenssen, später schuf er mit Kalle Grabowski in „Bang Boom Bang“ endgültig eine jener Figuren, die sich vom Film lösen und irgendwann einfach zum deutschen Kino-Kult gehören.

Ralf Richter musste sich das Raue nicht erst zulegen. Schreinerlehre, Schauspielschule Bochum, acht Kinder in der Familie, Ruhrgebiet. Danach Theater, Fernsehen, Kino. Das alles sah und hörte man ihm irgendwie an, ohne dass er deshalb immer nur sich selbst gespielt hätte. Er hatte diese Mischung aus Härte, Witz und einer gewissen Verschlagenheit, die man nicht ohne Weiteres herstellen kann. Wenn es heute heißt, jemand sei „authentisch“, ist damit nicht selten gemeint, dass er ungeschminkt und ohne Filter bei Insta zu finden ist. Bei Richter brauchte man das Wort nicht, man sah es.

Eine ungewöhnliche Fußnote bekam Richters Tod unterdessen durch einen Spendenaufruf für seine Beerdigung. Freunde der Familie hatten zunächst 8000, später 10.000 Euro sammeln wollen, weil die finanzielle Belastung für Richters Kinder zu hoch sei; innerhalb kürzester Zeit kamen allerdings mehr als 21.500 Euro zusammen. Sohn Maxwell, der die Aktion schließlich stoppen ließ, erklärte, ein berühmter Name bedeute eben nicht automatisch finanziellen Reichtum. Ein Vorgang, der ein wenig an Heinz Hoenig erinnert, für dessen kostspielige medizinische Behandlung ebenfalls öffentlich Spenden gesammelt wurden.

Dass ein Schauspielerleben allerdings nicht nur finanzielle Unwägbarkeiten bereithält, führt uns zu Lars Eidinger. Der hat offenbar eine ziemlich effektive Methode gefunden, sich selbst vor dem Fernsehen zu schützen: Eidinger hat nach eigener Auskunft in seinem Leben lediglich zwei Serien angefangen und beide wieder abgebrochen. Das ist eine Leistung, die man durchaus würdigen sollte. Vor allem in einer Zeit, in der ein durchschnittlicher Streaming-Anbieter einem bereits beim Einschalten zwölf „Must-Sees“ empfiehlt.

Andere verbringen inzwischen ganze Wochenenden damit, acht Folgen einer Serie zu bingen, die ihnen schon nach Folge zwei nicht gefällt, weil ihnen irgendein Algorithmus versprochen hat, dass es ab Folge sechs „wirklich krass“ wird. Lars Eidinger macht einfach aus und hat vermutlich am Montag mehr erlebt als wir.

Womit wir bei einer royalen Familie wären, bei der Ausschalten leider seit Jahren keine Option ist. Harry und William sind weiterhin zerstritten, nur die internationale Terminologie wurde inzwischen aufgerüstet. Die Historikerin Amanda Foreman beschreibt das Verhältnis der Brüder mittlerweile so: „Im Moment hat es sich von einem heißen Krieg zu einem sehr, sehr kalten Krieg entwickelt. Aber in einer Situation des Kalten Krieges muss man trotzdem noch zu den Olympischen Spielen antreten.“

Das muss man der Royal-Berichterstattung lassen: Wo normale Familien sagen würden, „Die beiden reden halt nicht miteinander“, ist in Großbritannien gleich Kalter Krieg. Bald braucht die britische Yellow Press einen sicherheitspolitischen Korrespondenten für Windsor.

Dabei ist der Familienkonflikt inzwischen so umfassend dokumentiert, dass wahrscheinlich selbst Harry und William gelegentlich in der Presse nachlesen müssen, wie genau sie momentan zueinander stehen. König Charles darf demnach sein Verhältnis zu Harry selbst regeln, während William für seine eigene Zukunft offenbar keinerlei Beziehung zu den Sussexes anstrebt, weder beruflich noch privat. Man könnte auch einfach sagen: Die Familie hat sich zerstritten. Aber damit ließen sich natürlich keine 20 Royal-Artikel am Tag füllen.

Vielleicht wäre Bohnerwachs auch hier eine Lösung. Einmal alle nach Pankow in ein altes Schulgebäude, Handys draußen lassen, über den glänzenden Linoleumboden laufen, bis hinten zu den Wahlkabinen, und jeder schreibt auf einen Zettel, was ihn genau nervt. Danach werden die Zettel gefaltet und in eine Urne gesteckt. Um 18 Uhr wird ausgezählt. Demokratie kann schließlich nicht jedes Problem lösen.

Und damit wären wir wieder in Berlin, wo an diesem Wochenende tatsächlich gewählt wird. Wer weiß, vielleicht sollten wir die Dinge öfter nach diesem Prinzip betrachten. Nicht immer gleich fragen, ob die Welt noch zu retten ist. Erst mal gucken, was funktioniert. Thomas Gottschalk ist krebsfrei. Tom Kaulitz ist trotz fehlenden Fernsehpreises wohlauf. Lars Eidinger hat erfolgreich verhindert, mehrere 1000 Stunden seines Lebens an Streamingplattformen zu verlieren. Und irgendwo in Pankow wartet ein frisch gebohnerter Schulflur darauf, dass wir unsere Kreuze machen.

Für eine einzige Promi-Woche ist das doch verdammt viel Hoffnung. Bis nächste Woche!

Quelle: ntv.de

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