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Vom Bett auf die Straße: Der Pyjama-Look erobert den Alltag

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 27, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Vom Bett auf die StraßeDer Pyjama-Look erobert den Alltag

Auf den Laufstegen inzwischen häufig zu sehen: Models in Pyjama-Kreationen. (Foto: Luca Bruno/AP/dpa)

Wer modisch sein will, trägt jetzt Pyjamas am Tag und draußen. Weit verbreitet bieten Modefirmen Schlafanzüge als Alltagskleidung an. Was steckt hinter dem Trend?

Der Gemütlichkeitstrend in der Mode hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Angesagt – und das in der breiten Masse – sind Kleidungsstücke im Stil von Pyjama und Nachthemd. Das könnte auf den ersten Blick verwundern. Allerdings gibt es ein paar gute Gründe dafür, warum es so gekommen ist.

Es liegt optisch so nahe, manche Pyjama-Varianten nicht im dunklen Schlafzimmer zu verstecken: Es handelt sich ja schließlich um Hemden und weich fließende, schickere Hosen, oftmals gar aus schimmernder Seide und herrlichem Samt. Aufwendige Paspel-Nähte und eine Brusttasche am Hemd (wie die fürs Einstecktuch) haben vermutlich schon immer manchen verwundert: Wofür braucht man die zum Schlafen?

Und überhaupt, die Nadelstreifen: So manche zweiteilige Schlafanzug-Kombination erinnert gar an den schicken Anzug eines Mafioso oder die Oberteile an das beste Sonntagshemd. Negligés und Babydolls sind oft mit Spitzen besetzt.

Sie alle gibt es nun – auf dem Laufsteg und in der Werbung deutlich für den Alltag außer Haus statt fürs Schlafen beworben – bei den gängigen Marken für den breiten Markt, aber auch von den großen Modehäusern. Prada, Michael Kors und Dolce & Gabbana, um nur ein paar zu nennen.

Für die Modezeitschrift „Elle“ sind übrigens die Pyjamahosen gar „der Hosentrend im Sommer 2026“. „Pyjama Pants sind die vielleicht bequemsten, luftigsten und wandelbarsten Hosen in diesem Jahr. Sie machen extrem viel Spaß, sehen gut aus und lassen sich maximal angenehm tragen – mehr kann man von einer Hose nun wirklich nicht erwarten“, so die Analyse der Modeexperten.

Eine grenzenlose Mode 

Warum ist ausgerechnet ein Bett-Look so beliebt geworden? „Der Pyjama-Look negiert die Trennung zwischen Freizeit und Arbeit, privat und öffentlich, drinnen und draußen und signalisiert damit, dass man ein Leben führt, in dem diese Grenzen nicht existieren“, erläutert Carl Tillessen, Trendanalyst und Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln. 

Von so einem Leben träumen seiner Meinung nach viele Menschen. Von einem „Job mit 100 Prozent Home-Office, 100 Prozent Gleitzeit, ohne repräsentative Verpflichtungen und ohne Kleidervorschriften – das Ganze am besten noch in Breitengraden, in denen das Klima draußen genauso mild ist wie drinnen“, führt Tillessen aus.

Und es gibt eine Vorgeschichte: Den modischen Weg ebnete die Pandemie mit Lockdown. Seither gibt es für viele Menschen ein Arbeitsumfeld ganz oder teilweise im Home-Office. Das brachte unter anderem erst die Jogginghose und Trainingskleidung nach vorne – nicht nur fürs Faulenzen auf der Couch oder fürs Training. Auch wenn das zuvor kaum vorstellbar war: Zum Schlafanzug war es ab da eigentlich nur ein kleiner modischer Sprung.

Schicker als die übliche Jogginghose

Je weiter wir uns von den Pandemie-Zwängen entfernen, umso mehr Bedürfnis gibt es aber nach wieder schickeren Looks. Will heißen, die Schnitte und der Komfort sollen gerne bleiben, aber eben nicht mehr der Faulenzer-Look. Da setzt auch der aktuelle Modetrend mit den oft sehr schick aussehenden Nicht-mehr-nur-Schlafanzug-Kombinationen an.

„In vielen Bereichen hat sich die grenzenlos bequeme Kleidung, an die sich die Menschen im Lockdown gewöhnt haben, als neues Normal durchgesetzt. Aber zwischen Bequemlichkeit und Verwahrlosung liegt eben oft nur ein schmaler Grat“, erklärt Modeexperte Tillessen.

Und er rät, in Anlehnung an ein berühmtes Zitat des Modeschöpfers Karl Lagerfeld: „Um diesbezüglich über jeden Verdacht erhaben zu sein, empfiehlt sich ein frisch gebügelter Pyjama aus Seidensatin mit Paspelierungen, der unmissverständlich klarstellt, dass man – im Gegensatz zu den Trägern ausgebeulter Fernseh-Jogginghosen – die Kontrolle über sein Leben noch nicht verloren hat.“

„Auch in anderen Bereichen wird der Lockdown-Look auf die nächste Ebene gehoben“, ergänzt der Trendanalyst. „Athleisure“ – also Sportbekleidung für Freizeit, Büro oder andere Bereiche abseits des Sports – werde zu „Athlegance“. Das sei „eine Variante in eleganteren Farben, edleren Materialien und raffinierteren Schnitten, die sich eher für den großen Auftritt eignet als dafür, alle Folgen einer Serie nacheinander zu gucken“, so Tillessen.

Quelle: ntv.de, Simone Mayer, dpa

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