Auf anderen griechischen Inseln beruhigt sich die Lage langsam, auf Kreta aber bleibt die Situation angespannt. Schwere Winde entfachen immer wieder neue Brandherde. Zeitweise musste ein ganzer Urlaubsort evakuiert werden.
Agia Galini im zentralen Süden Kretas ist ein beschaulicher Urlaubsort, wie schon der Name verrät: Galini bedeutet „friedlich“. Das, was sich in diesen Tagen dort abspielt, ist allerdings eher das Gegenteil.
„Leider ist die Situation immer noch außer Kontrolle“, sagt der Bürgermeister, Giannis Tatarakis. „Die Löschflugzeuge können wegen des starken Windes bis Windstärke 12 nicht starten. Die Einsatzkräfte am Boden arbeiten effizient.“ Aber durch den starken Wind, der ständig die Richtung wechsele, sei die Lage unkontrollierbar.
Bisher zwei Tote durch die Feuer
Am Mittwoch war das Feuer nahe des Bergortes Kria Vrisi ausgebrochen. Schnell breitete sich der Brand auf einer Front von etwa 15 Kilometern aus. Zwei Feuerwehrleute verloren die Orientierung und starben. Wie groß der Schaden an Häusern und Viehbeständen ist, lässt sich noch nicht abschätzen.
Manche, so wie dieser Bewohner, hatten auch Glück im Unglück: „Jeder hat hier mit angepackt, mit Schläuchen und Eimern, aber der Wind hat gedreht. Das Feuer ist in ein paar Innenhöfe gesprungen, aber wir sind dem Schlimmsten entkommen.“
Bei einem Waldbrand auf Kreta lodern Flammen an einem Olivenbaum. Während intakte Olivenbäume nur schwer entflammbar sind, ist trockenes Olivenholz ideales Brennmaterial.
Touristische Orte wurden evakuiert
Vorsorglich wurden dann die Urlaubsgäste aus Agia Galini und Umgebung in Sicherheit gebracht. Laut örtlicher Behörden handelt es sich um rund 8.000 Menschen. Manche wurden auf dem Boot einer Küstenwache übers Meer aus der Gefahrenzone gebracht. Andere fuhren mit dem Mietwagen, oder in Bussen weiter nach Osten, kamen in anderen Hotels und in einer umfunktionierten Sporthalle auf Feldbetten unter.
Es sei angsteinflößend gewesen, berichtet ein britischer Tourist: „Wir konnten die Flammen oberhalb des Dorfes in den Hügeln sehen. Die Feuerwehrleute haben gesagt, dass wir hier weg müssen.“
„Ein Trauma. Das erste Mal, dass so etwas in meinem Leben passiert. Aber wir sind dankbar, dass wir jetzt in Sicherheit sind“, sagt eine Touristin. „Es war wirklich sehr gut organisiert“, lobt ein Tourist die Einsatzkräfte.
Jetzt laufen erste Reparaturen an Strom- und Straßennetz – und es wird weiter gelöscht. Immer wieder facht der Wind die Glutnester an, Bäume und niedrige Vegetation sind verkohlt. Etwas weiter im Westen musste der bei Touristen beliebte Palmenstrand Preveli evakuiert werden.
Brandursache noch unklar
Was das Feuer verursacht hat, ist noch unklar. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis wendet sich mit einem Appell an die Bevölkerung, mahnt zu extremer Vorsicht: „Vor uns liegen noch schwierige Tage und ein traditionell schwieriger Monat, der August. Ich möchte wirklich alle unsere Mitbürger um äußerste Vorsicht bitten. Leider gibt es auch heute noch, während wir hier sprechen, viele Brandausbrüche aufgrund grober Fahrlässigkeit.“
Auf der Insel Paros führte offenbar der Brand auf einer Mülldeponie diese Woche zu einem großen Feuer, mehrere Ortschaften mussten evakuiert werden. Immer wieder flammt es dort auf. Gute Nachrichten gibt es dagegen von der Insel Lesbos: Nahe der Stadt Plomari konnte ein Brand in Oliven- und Pinienbäumen gestoppt werden, trotz des starken Windes.
Griechenland hat vorgesorgt
Griechenland hat in den letzten Jahren – auch nach traumatischen Erfahrungen mit vielen Toten – aufgerüstet gegen die Waldbrände. Mehr als 18.000 Einsatzkräfte stehen in der Waldbrandsaison zur Verfügung; dazu kommen 85 staatliche Löschflugzeuge und Hubschrauber. Mit über 100 Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, suchen Einsatzteams aus der Luft nach möglichen Brandherden. Zuletzt wurden vier eigene Satelliten in den Orbit geschickt, ebenfalls mit Wärmebildkameras. Das Ziel ist, das Feuer möglichst schnell im Keim ersticken.
Die Erkenntnis dieser Tage ist aber auch: Wenn die Bedingungen für Waldbrände ideal sind, hilft selbst die beste Vorbereitung nur bedingt.

