Weltwirtschaftskrise wie 1929?Trump hat recht – nur anders, als er denkt

Der US-Präsident sieht sich als Retter vor einer neuen Großen Depression. Historisch ist das zwar fragwürdig. Doch die Gegenwart erinnert tatsächlich an die „Roaring Twenties“.
Donald Trump inszeniert sich als Retter: Durch die vorläufige Einigung mit dem Iran habe er eine weltweite Wirtschaftskrise verhindert. Diese Aussage ist allein schon deshalb bemerkenswert, weil der US-Präsident maßgeblich zur Energiekrise beigetragen hat, die er nun gelöst haben will. Der Iran hatte die für die Ölversorgung wichtige Straße von Hormus als Reaktion auf die von Trump angeordneten Angriffe auf das Land blockiert.
Er wolle nicht wie Herbert Hoover sein, der zur Zeit des Börsencrashs im Oktober 1929 US-Präsident war, sagte Trump. Dem Kurssturz folgte die auch Große Depression genannte Weltwirtschaftskrise. Die Analogie zu Hoover mag für Trump naheliegend sein, historisch trifft sie aber nicht zu.
Die Weltwirtschaftskrise war nicht das Ergebnis eines einzelnen geopolitischen Schocks, sondern entstand aus dem Wirtschafts- und Finanzsystem selbst. Ihre Ursachen lagen in einer toxischen Mischung aus spekulativer Aktienblase, Kredit- und Bankenkrisen sowie der deflationären Logik des Goldstandards. Verstärkt wurde sie durch Protektionismus, etwa durch Zölle, und restriktive Geldpolitik. Der Börsencrash war eher das Startsignal als die Ursache der Wirtschaftskrise mit ihrer deflationären Abwärtsspirale.
Die Dynamik im Iran-Konflikt ist eine andere. Ein externer geopolitischer Schock durch den plötzlichen Rückgang des Ölangebots hat zu steigenden Energiepreisen geführt. Die Folgen des Kriegs wirken vor allem inflationär. Hinzu kommt: Anders als in den 1920er- und 1930er-Jahren verfügen Staaten und Zentralbanken heute über zahlreiche Instrumente, um wirtschaftliche Schocks abzufedern und eine Abwärtsspirale zu verhindern.
„Sie zertrümmerten Dinge und Lebewesen“
So schief Trumps also Hoover-Vergleich ist: Trump misst seinen politischen Erfolg an steigenden Aktienmärkten und folgt damit einer Logik, die es auch in den späten 1920er gab. „Alles, was ich weiß, ist, dass jedes Mal, wenn wir über die Möglichkeit von Frieden sprachen, der Aktienmarkt wie eine Rakete in die Höhe schoss“, sagte Trump. „Jedes Mal, wenn wir etwas Negatives sagten, wie zum Beispiel ‚Wisst ihr was, wir werden uns nicht einigen können‘, ging er sehr stark zurück.“
Trumps Verweis auf 1929 lenkt den Blick auf eine tatsächliche Parallele zu den „Roaring Twenties“: ein gesellschaftliches Klima, das der Großen Depression vorausging.
Das hat F. Scott Fitzgerald in „The Great Gatsby“ beschrieben. Der Roman handelt von einer Welt, in der sich Macht und Reichtum von Verantwortung entkoppelt haben. Fitzgerald zeigte einen Typus von Menschen, der heute von Trump, seinem Umfeld und von Tech-Milliardären verkörpert wird – eine privilegierte Elite, die sich nicht um die Folgen ihrer Handlungen schert.
„Sie waren gleichgültige Menschen“, schrieb Fitzgerald. „Sie zertrümmerten Dinge und Lebewesen und zogen sich dann in ihr Geld oder ihre grenzenlose Gleichgültigkeit zurück, oder was immer es war, das sie zusammenhielt, und überließen es anderen, den von ihnen angerichteten Schaden zu beseitigen.“
