Bei der Fußball-WM 1994 scheitert die amerikanische Mannschaft im Achtelfinale an Brasilien. Die Truppe der USA ist damals voller bunter Hunde. Der bunteste: Alexis Lalas. Mittlerweile zeigt er eine andere Seite.
Das Magazin „The Athletic“ hat die Schnauze voll. Alexi Lalas sei einer der unerträglichsten Analysten in der Geschichte des amerikanischen Sportfernsehens, schreibt der Autor Andrew Marchand. Und entschuldigt sich. Nicht bei Lalas. Nicht für seine Meinung. Nur für seine Wortwahl. Er wollte nur mal den Ton treffen, den Lalas als Experte bei Fox Sports setzt. Lalas ist laut, provokant, beleidigend. Unerträglich halt. Wie Donald Trump.
Von dem ehemaligen Fußball-Rock’n’Roller ist nichts mehr übriggeblieben. Nicht die rote Mähne, nicht der rote Bart. Lalas ist optisch nicht mehr der gefeierte Freigeist der wilden US-Truppe, die 1994 Weltmeister im eigenen Land werden sollte, dazu aber nie in der Lage war.
Lalas war ein Typ, ein hünenhafter Verteidiger. Einer, der es über das kollektive Gedächtnis bis ins Jahr 2026 geschafft hat. Tony Meola kennt man noch, Tom Dooley, Joe-Max Moore oder Eric Wynalda. Aber vor dem geistigen Auge taucht immer wieder Lalas auf. Typ Revoluzzer. Ein Rockstar, der selbst ehrliche Musik machte, mehrere Alben aufnahm.
USA-Fans träumen nach fulminantem Sieg vom WM-Titel
„Full-kit wanker“
In einer Sportart, die den Amerikanern völlig fremd war, wurde Lalas zur Ikone. Bis heute steht er im Ruf, einer der besten Verteidiger der Nationalmannschaftsgeschichte zu sein. Auch wenn er sich in seiner Vereinskarriere nur einmal kurz und wenig erfolgreich aus den USA herausgetraut hat. Und natürlich bietet sich so jemand an, 32 Jahre später den Geist der WM in die amerikanischen Wohnzimmer zu transportieren. Er tut das gemeinsam mit Zlatan Ibrahimovic und Thierry Henry. Zwei Bad Boys und ein Gentleman.

Wer 32 Jahre lang in einer Lalas-Blackbox gelebt hat, der staunt. Der Glam-Rock-Fan kleidet sich wie ein „Elder Statesman“, trägt das Haar akkurat kurz -und benimmt sich wie Trump. Er ist ein stolzer Wähler, ein glühender Anhänger. Das amerikanische Nachrichtenportal thedailybeast.com nannte ihn im vergangenen Jahr den „MAGA-Soccer-Star“. Dass er damit nicht überall gut ankommt, könnte ihm offenbar kaum egaler sein. Beim Trump-nahen Sender Fox hat er seinen Platz sicher. Offenbar so sicher, dass er die Grenzen des guten Tons sprengt. Er ist ein Mann der „hot takes“, der polarisierenden, provokanten Meinung. Und mehr noch: Er beleidigt. Wie Trump.
Ein skurriler WM-Moment von Lalas ging viral. Völlig unverblümt nannte er den Moderator und Comedian James Corden in einer Live-Sendung einen „full-kit wanker“. Das ist ein im Vereinigten Königreich verbreitetes Schimpfwort, um einen Erwachsenen zu verspotten, der in der Öffentlichkeit die komplette Sportkleidung eines Teams trägt, obwohl er nicht aktiv spielt. Lalas bellte seine Meinung in die Welt, nachdem ein Werbeclip für Cordens neue Late-Night-Show FIFA World Cup on FOX After Hours with James Corden gezeigt wurde, in dem der Moderator in voller US-Nationalmannschafts-Trainingskleidung zu sehen war.
Henry ist fassungslos
Der mit am Expertentisch stehende Henry war fassungslos und fragte nach, ob Lalas das wirklich gesagt habe. Ibrahimovic, selbst ein Meister der Provokation, lächelte ungläubig vor sich hin. Moderatorin Rebecca Lowe versuchte die Situation zu retten, indem sie scherzte, dass es ein „Glück“ sei, dass man sich im amerikanischen Fernsehen befände, da das „W-Wort“ im britischen Fernsehen ein absolutes Tabu ist. Lalas selbst versuchte, die Aussage zu relativieren, und sagte, er habe damit lediglich gemeint, Corden sei „komplett angezogen und bereit loszulegen“. Auch so ein Trump-Move, die Dinge einfach in die eigene Richtung umzudeuten.
Lalas ist zweifacher Botschafter. Nicht erst während der WM. Für Trump. Für den Fußball. Den ordnet er aber der großen Sache, der Sache des Präsidenten und dessen MAGA-Bewegung unter. Er sieht das Spiel ohnehin bereits an der Seite des Präsidenten, der spätestens mit der WM-Auslosung den Fußball aus den Händen von FIFA-Boss Gianni Infantino riss. Und der für Lalas der „Soccer“-Präsident ist. Ein Mann, der „soft power“ besser verstehe als jeder andere auf der Welt. Mehrheitsfähig dürfte Lalas damit nicht sein. Als Christian Pulisic im November 2024 nach einem Tor den „Trump-Dance“ aufführte, befand Lalas: Alles kalkuliert, „er wusste genau, was er tut.“
Im September des vergangenen Jahres schrieb er, der sich selbst politisch rechts verortet, via X: „Ja, ich unterstütze Trump und finde es gut, was er zur Sicherung unserer Grenzen und zur Bewältigung der illegalen Einwanderung getan hat. Dennoch erkenne ich, dass dadurch ein negatives Bild entsteht und es Auswirkungen auf potenzielle WM-Besucher geben könnte.“
Natürlich wiege das, was er langfristig für gut für sein Land halte, schwerer als etwaige Bedenken hinsichtlich der kurzfristigen Auswirkungen auf die WM. Er halte es jedoch für wichtig, schrieb er in dem langen Post bei X, „einem negativen Image entgegenzuwirken – mit der klaren Botschaft: Wer die Einreisebestimmungen einhält, die Sicherheitsüberprüfung besteht, legal einreist und unsere Gesetze respektiert wird einen wunderbaren, unvergesslichen und sicheren Sommerurlaub während der WM 2026 erleben.“ Zu Trump, erzählt Lalas, habe er gesagt: „Wir tragen die Verantwortung für das Gelingen der WM, lasst es uns nicht vermasseln.“
Tränen bei der US-Hymne
Das Image der USA in vielen Teilen der Welt ist längst ramponiert. Auch wegen der undurchsichtigen Einreise-Regelungen für etwa den Iran und den somalischen Schiedsrichter Omar Artan. Das Image von Lalas auch. Bei großen Teilen der Zuschauer, die auf andere TV-Angebote ausweichen. Und bei den augenscheinlich genervten Expertenkollegen, die ihn unter anderem tüchtig in den Senkel stellten, als er die schwache erste Halbzeit der französischen Nationalmannschaft gegen den Senegal „arrogant“ nannte.
Seine Analysen sind manchmal schräg, manchmal trump’esk pompös. Nach dem Auftaktsieg der US-Mannschaft gegen Paraguay posaunte er: „Das war die beste erste Halbzeit einer Männer-Nationalmannschaft auf WM-Ebene jemals. Komplette Dominanz. Es geht nicht besser.“ Zumindest aus deutscher Sicht gibt es da ein Spiel, das dieser These nicht standhalten wird: Das 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale 2014.
USA überrollen Paraguay zum WM-Auftakt

Eine lächerliche, die 96-jährige WM-Geschichte ignorierende These, um mal einen Lalas-Ton zu setzen. Die höchst umstrittenen verpflichtenden Trinkpausen, die vor allem zum Geldverdienen genutzt werden (und nur selten zwingend nötig wären), wertet als er „Win-win-Situation“, viele Anhänger für diese Theorie findet er damit nicht. Egal, Hauptsache Aufmerksamkeit.
Und schon vor der Auftaktpartie hatte Lalas für einen viralen Moment gesorgt. Dieses Mal nicht als Protagonist. Expertenkollege Henry verriet, dass der einstige Fußball-Revoluzzer bei der Nationalhymne geweint habe. Das habe ihn, Henry, sehr berührt. Lalas, ein emotionaler Patriot. Trump gefällt das.
Verwendete Quellen: ntv.de, tno
