Wo steckt der Nachfolger?Ayatollah Ali Chamenei im Iran beerdigt
Schon am ersten Tag des Iran-Kriegs wird das geistliche Oberhaupt des Landes getötet. Doch jetzt erst wird Ajatollah Ali Chamenei nach gigantischen Trauerveranstaltungen beigesetzt. Dabei fehlt aber ausgerechnet sein Sohn und Nachfolger.
Nach einer Woche landesweiter Trauerfeiern ist das getötete geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt worden. Wie die iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtet, fand die Beisetzung am Schrein des Imam Reza statt.
Sein Leichnam wurde bereits am Donnerstag langsam auf einem Lastwagen durch die überfüllten Straßen von Maschhad in Richtung der vergoldeten Kuppel des Schreins gefahren. Die Beisetzung ist der Höhepunkt einer Woche voller Trauerveranstaltungen sowohl im Iran als auch im Irak, zu deren Teilnahme die geistlichen Führer der Islamischen Republik Tausende von Menschen aufgerufen hatten.
Chamenei und vier weitere Familienmitglieder waren am ersten Tag des Krieges, dem 28. Februar, bei einem US-Luftangriff ums Leben gekommen. Die Beisetzung markiert das Ende der 37-jährigen Herrschaft Ali Chameneis. Sein Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei trat bei der Beisetzung jedoch nicht öffentlich in Erscheinung. Er war Anfang März zum neuen obersten Führer ernannt worden, wurde jedoch seit Beginn des Krieges nicht mehr gesehen. Insidern zufolge erlitt er bei dem Angriff, der seinen Vater tötete, schwere Verletzungen. Sein Gesicht sei entstellt und er habe Verletzungen an einem oder beiden Beinen erlitten.
Ein vorläufiges Abkommen zwischen den USA und dem Iran und die darauf folgenden Friedensgespräche waren zunächst wegen der Trauerfeierlichkeiten für eine Woche ausgesetzt worden. Es kam jedoch kurz vor der Beisetzung des getöteten geistlichen Oberhaupts erneut zu Auseinandersetzungen zwischen den Kriegsparteien.
„Technische Gespräche laufen weiter“
Trotz der jüngsten militärischen Eskalation gehen die Bemühungen um eine Beilegung der Feindseligkeiten weiter. „Die Vereinigten Staaten setzen sich weiterhin für eine Lösung ein, und die technischen Gespräche laufen weiter“, sagte ein US-Regierungsbeamter. Katar, Pakistan und andere regionale Vermittler bemühen sich nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ darum, die Spannungen abzubauen und die Verhandlungen über ein Atomabkommen wiederzubeleben.
In den vergangenen Tagen hatte das US-Militär mehrere Angriffswellen gegen Ziele im Iran geflogen. Begründet wurde dies mit Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, für die die USA Teheran verantwortlich machten. Der Iran reagierte mit eigenen Angriffen. Dabei gerieten auch Kuwait, Bahrain und Jordanien, die wichtige US-Militärbasen beherbergen, wieder unter Beschuss.
Das Verhalten der iranischen Führung stelle einen Verstoß „inakzeptablen Ausmaßes“ gegen das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen dar, sagte der US-Beamte der dpa. Das Abkommen sollte eine 60-tägige Verhandlungsphase ermöglichen und den Weg zu einer dauerhaften Beilegung des Konflikts ebnen.
