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Zehntausende zurückgekehrt: Mindestens 67 Tote bei Migranten-Ansturm auf Ceuta

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 1, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Zehntausende zurückgekehrtMindestens 67 Tote bei Migranten-Ansturm auf Ceuta

Hunderte Migranten aus Marokko hatten versucht, schwimmend zur spanischen Exklave Ceuta zu gelangen. (Foto: action press)

Zehntausende Menschen stürmen die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika – mindestens 67 kommen bei dem Versuch ums Leben. Inzwischen hat sich die Situation vor Ort laut dem spanischen Innenminister beruhigt. Doch in der EU geht die Debatte erst richtig los.

Mindestens 67 Migranten sind nach Angaben der spanischen Regierung bei dem Versuch ums Leben gekommen, in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika zu gelangen. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska sprach bei einer Pressekonferenz in Ceuta von „traurigen, dramatischen Ereignissen“. Nach weniger als 48 Stunden sei nun in der spanischen Exklave „eine Rückkehr zur Normalität im Gange“, fügte er hinzu.

Das Innenministerium in Madrid geht von insgesamt 50.000 Menschen aus, die seit Wochenbeginn auf dem Land- oder Seeweg in das an Marokko grenzende Ceuta gelangt waren. Die Regionalregierung der Exklave nennt dagegen rund 60.000 Ankömmlinge. Mittlerweile sind nach Angaben des spanischen Innenministeriums „fast die Gesamtheit“ der Ankömmlinge nach Marokko zurückgekehrt. Die spanische Regierung bezifferte die Zahl der Rückkehrer auf 48.000.

Die Ereignisse hatten in der EU eine Debatte über Migration und Grenzkontrollen ausgelöst. Experten der EU-Mitgliedstaaten wollen sich noch am heutigen Samstag in einer Krisensitzung über die Entwicklungen der vergangenen Tage austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte. Es wird nicht erwartet, dass die Öffentlichkeit nach den Gesprächen über Inhalte informiert wird.

Am Montag kommen die Botschafter der EU-Staaten zusammen, um die Entwicklungen zu bewerten und die weitere Koordinierung zu erleichtern. Neben den Ankünften in Ceuta der letzten Tage und der Zahl der nach Marokko zurückgekehrten Menschen werde es heute auch um die Unterstützung der EU für Spanien und die diplomatischen Bemühungen mit Marokko gehen, sagte der Sprecher.

„Keine einzige Person“ erreicht EU-Festland

EU-Migrationskommissar Magnus Brunner versicherte nach einem Telefonat mit Spaniens Außenminister José Manuel Albares: „Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.“ Nach Albares Angaben kehrten nahezu alle der mindestens 50.000 Menschen, die nach Ceuta gelangt waren, nach Marokko zurück. Beim Überqueren der Grenze übers Meer kamen mindestens 67 Menschen ums Leben, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die lokale Vertretung des spanischen Innenministeriums.

Trotz fehlender Aussichten auf Aufnahme oder Weiterreise versuchten Medienberichten zufolge am Freitagabend Hunderte Menschen, in die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu gelangen. Insbesondere mit Blick auf Ceuta war dies aber eine erhebliche Entspannung der Lage. Spanische Soldaten verhinderten den Zugang vom Meer zum Strand. In den vergangenen Tagen hatten sich viele Menschen schwimmend Zugang zu Ceuta verschafft.

In der Exklave Melilla kontrollierten in der Nacht zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil den Grenzverlauf. Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den dortigen Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von „mehreren Versuchen“. Am Abend war es an der Grenze zwischen Marokko und Melilla laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE zu Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten.

Spaniens Regierungschef warnt EU vor Spaltung

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu spalten. „Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig“, schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht. Italien hat nach Angaben der rechten Regierung in Rom das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU gegenüber Spanien vorübergehend ausgesetzt. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien, ließ aber zugleich die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze verstärken. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker.

Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. In der Nacht auf Freitag hatten Tausende Migranten in Ceuta auf den Straßen übernachtet.

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP

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