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Startseite»Politik»25 Jahre Miniatur Wunderland: „In ganz vielen Menschen schlummern verrückteste Ideen“
Politik

25 Jahre Miniatur Wunderland: „In ganz vielen Menschen schlummern verrückteste Ideen“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 17, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Interview

Stand: 17.08.2026 • 15:00 Uhr

Seit 25 Jahren gibt es das Miniatur Wunderland in Hamburg – eine der beliebtesten Touristen-Attraktionen Deutschlands. Doch der Weg dahin sei „wirklich steinig“ gewesen, erzählt Mitgründer Frederik Braun im Interview.

Die Formel-1-Rennstrecke in Monaco, Rio de Janeiro oder der Vesuv als ausbrechender Vulkan – all das ist in der Hamburger Speicherstadt im Miniatur Wunderland nachgebaut. Jährlich lockt es mehr als eine Millionen Touristen aus aller Welt an. Dabei gab es zu Beginn viele Zweifel, von denen sich die beiden Gründer Frederik und Gerrit Braun nicht haben beirren lassen. Im August feiern sie 25-jähriges Jubiläum.

ARD-Finanzredaktion: Wenn heute rund 1,5 Millionen Menschen jährlich das Miniatur Wunderland besuchen, da kann man sich kaum vorstellen, dass am Anfang viele gesagt haben, das wird doch sowieso nichts. Aber es gab Gegenwind. Was für Sprüche mussten Sie sich da anhören?

Frederik Braun: Ja, das war verrückt. Es ist ja genau 25 Jahre her, da haben wir eröffnet. Und das Jahr war eigentlich dadurch geprägt, dass jeder gesagt hat: Ist eine nette Idee, aber … Das ist so typisch deutsch, dass ein „aber“ viel prägnanter und viel wichtiger ist.

Man sucht immer das Haar in der Suppe. Ich sage mal, 99 Prozent haben nicht daran geglaubt. Da waren so Sprüche wie: „Gib mir doch das Geld, da ist es besser aufgehoben“ oder „Schmeiß‘ es in den Fleet, dann ist es ja sowieso weg“. Das war für mich ganz schön hart zu ertragen, weil ich ja fest daran geglaubt habe.

ARD-Finanzredaktion: Was hat sie denn trotzdem überzeugt, weiterzumachen und zu sagen, wir ziehen es durch?

Braun: Es gab die eine oder andere schlaflose Nacht auf dem Weg zur Eröffnung, klar. Aber am nächsten Morgen war es wieder ganz deutlich für mich sichtbar, das wird was. Und wenn du dann einen Bruder hast, der auch daran glaubt, dann ist das eine unglaubliche Rückendeckung. Auch wenn er anfänglich sicher noch ein bisschen skeptisch war.

Aber letztendlich hatte ich diese Vision im Kopf. Ich hatte die Bilder im Kopf. Ich wusste, dass es nicht diese klassische Modelleisenbahn werden soll, wo einfach Züge im Kreis fahren. Das ist so typisch das alte, verstaubte deutsche Hobby. Ich hatte ja die Bilder im Kopf, dass es eine Lichtsteuerung geben soll, dass fahrende Autos da sein sollten. Dass es eine Welt in klein geben soll, in die alle eintauchen können. Aber der Weg dahin, der war wirklich steinig.

Ohne Enthusiasmus geht es nicht

ARD-Finanzredaktion: Was war denn am Ende wichtiger? War es wirklich ein Businessplan mit vielen Analysen und Berechnungen oder einfach die feste Überzeugung von dieser Idee?

Braun: Ich glaube, mein Bruder Gerrit und ich haben das Gen, Menschen mitreißen zu können. Das ist mir auch damals wirklich gut gelungen. Hätte das nicht geklappt, dann hätten wir auch nicht 20 so tolle Menschen gleich zum Start gehabt, die mitgebaut haben. Es ist vor allem dieses Eintauchen in eine teilweise heile Welt und dass die Menschen hier glücklich sind.

Aber wenn man ein Unternehmen gründet und nicht enthusiastisch ist, nicht begeistert und selbst überzeugt ist von der Idee, dann sollte man es lassen. Man muss da richtig für brennen und andere Menschen anstecken. Das geht nicht, wenn man ganz leise und still sagt: Ich habe eine gute Idee. Deswegen ist es ganz wichtig: Wenn ich innerlich überzeugt bin, muss ich das auch nach außen tragen.

Zur Person

Frederik Braun wurde 1967 in Hamburg geboren. Nach der Mittleren Reife machte er eine Ausbildung zum Bürokaufmann, später betrieb er eine Diskothek und gehörte zu den Gründern einer Musikproduktions-Firma. 2001 eröffnete Braun gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Gerrit das Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt, das inzwischen von anfangs 300 Quadratmetern Modellfläche auf über 1600 Quadratmeter angewachsen ist.

ARD-Finanzredaktion: Enthusiasmus ist wichtig, reicht wahrscheinlich am Ende trotzdem nicht aus. Es braucht auch eine gewisse unternehmerische Raffinesse, wenn Sie jetzt auf diese 25 Jahre zurückblicken. Welche unternehmerische Entscheidung war denn die wichtigste für den späteren Erfolg?

Braun: Das ist wahnsinnig schwer. Aber meine allererste Idee war, ich möchte eine riesengroße Modelleisenbahn bauen. Da war ziemlich schnell auf dem Weg zur Verwirklichung klar, das ist ein Hobby für eine sehr kleine Gruppe in Deutschland. Und diese Entscheidung, es nicht Modelleisenbahn zu nennen, sondern Miniatur Wunderland, eine Welt in klein, also weg von der klassischen Modelleisenbahn, war für uns intern, glaube ich, die wichtigste Entscheidung. Dass wir gesagt haben, wir stellen gar nicht die Modelleisenbahn so sehr in den Vordergrund.

Aber was ich glaube, heute noch viel wichtiger ist: Die Art und Weise, wie unser Team hier baut. Die können machen, was sie wollen. Wir sagen erst hinterher, ob etwas schlecht war und was man noch überarbeiten möchte. Und das ist ja das Problem in Deutschland: Es wird alles komplett ins kleinste Detail durchgeplant, während man in Amerika einfach loslegt und etwas ausprobiert, das Auto zum Fahren bringt und dann schaut, wie man es noch verbessert.

In Deutschland muss es am Anfang perfekt sein. Und das machen wir hier nicht. Wir lassen die Menschen bauen, wir lassen sie ihre Fantasie ausleben. Die bauen auch manchmal sehr verrückte Details, wo wir auch sagen: Das ist schon zu hart, das muss wieder weg. Aber sie machen zu lassen – ich glaube, das ist wirklich ein Grund unseres Erfolges.

„Wir haben einfach losgelegt“

ARD-Finanzredaktion: Viele Freizeitattraktionen erleben einen Hype und irgendwann kommen immer weniger Menschen. Sie dagegen wachsen seit 25 Jahren. Wie lässt sich denn aus einer Freizeitattraktion ein wirklich dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell machen?

Braun: Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich habe das nicht studiert, wir haben einfach losgelegt. Wir hatten auch am Anfang Angst, dass so nach zwei Jahren der Peak erreicht ist. Das größte Gut, was wir hier haben, ist die Mund-zu-Mund-Propaganda. Die meisten Menschen, die hier rausgehen, kommen begeistert wieder zurück. Und wenn du es schaffst, auch nach zehn, zwanzig und jetzt 25 Jahren dieses Niveau zu halten, dass die Menschen rausgehen und sagen, wir sind begeistert, dann ist das eine Sicherheit für die Zukunft.

ARD-Finanzredaktion: Ihre Geschichte klingt so ein bisschen wie das Gegenteil von dem, was man heute oft über Deutschland hört. Zu wenig Risikokapital, zu wenig Offenheit für ungewöhnliche Ideen. Sehen Sie das so? Fehlt uns das momentan in Deutschland?

Braun: Aus meiner Sicht ja. Aber es ist ganz pauschal und einfach aus der Unternehmersicht zu sagen, weil das Banker ja entscheiden müssen, dahinter ist eine Verantwortung, da gibt es Richtlinien. Und diese Richtlinien sind so hart geworden, dass für verrückte Ideen, die nicht auf dem Papier klar definierbar sind, nicht mehr so viel Spielraum da ist. Das finde ich natürlich ganz schade, weil ich glaube, dass in ganz vielen Menschen verrückteste Ideen schlummern. Natürlich müssen die dann auch erst mal geprüft werden, aber ich glaube, in Deutschland fehlt am Ende so ein bisschen der Mut, so etwas zu verwirklichen. Im Vordergrund steht die Angst, dass Geld verloren geht.

Das Gespräch führte Emal Atif, ARD-Finanzredaktion, für die Sendung „Update Wirtschaft“ bei tagesschau24. Es wurde für die schriftliche Fassung angepasst.

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Dr. Heinrich Krämer
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