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Startseite»Politik»250 Jahre USA: Eine verpasste Chance für ein gespaltenes Land?
Politik

250 Jahre USA: Eine verpasste Chance für ein gespaltenes Land?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 4, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.07.2026 • 12:37 Uhr

250 Jahre Unabhängigkeitserklärung – das könnte Anlass sein für Feiern, die die USA wieder zusammenführen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Ein Streit um Baumaßnahmen überschattet den Jahrestag – und die Selbstdarstellung Trumps.

Anne Schneider

Als die Vereinigten Staaten 1976 ihren 200. Geburtstag begingen, sollten die Feierlichkeiten das Land nach Vietnamkrieg und Watergate wieder zusammenbringen. Es gab Bürgerfeste im ganzen Land, Paraden, Nachbarschaftsveranstaltungen und ein überparteiliches Bekenntnis zur US-amerikanischen Demokratie. Auch zum 250. Jubiläum gibt es solche lokalen Feiern, Ausstellungen und Gemeinschaftsprojekte in allen Bundesstaaten. Doch die nationalen Schlagzeilen werden vor allem von Washington bestimmt.

Rund um den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 2026 wird in der Hauptstadt mit gewaltigen Feuerwerken, Militärkapellen, Flugshows und einer zweiwöchigen „Great American State Fair“ auf der National Mall gefeiert, der parkähnlichen Grünfläche mitten in Washington zwischen Kapitol und Lincoln Memorial. Was als amerikanische Leistungsschau gedacht war, wirkt eher kulissenhaft zusammengestückelt.

Entlang der Mall stehen provisorische Pavillons, gestaltet mit aufgemalten Säulenfassaden. Darin präsentieren sich Bundesstaaten, Ministerien und Organisationen, wie etwa die konservative Mütterbewegung Moms for America. Dazwischen dreht sich ein Riesenrad, auf einer Arena finden Rodeovorführungen statt, neben einem kleineren Modell des von US-Präsident Donald Trump für Washington geplanten Triumphbogens.

Die „Great American State Fair“ lädt Besucher zur Feier des Jahrestags auf die Mall im Zentrum vom Washington. Kritiker meinen, dass die Veranstaltung nicht den großen Geist früherer Jahrestage atme.

Trump verschiebt den Fokus

Das ist alles Geschmacksache – Kritiker sehen darin aber vor allem eine verpasste Chance. Denn ursprünglich war das Jubiläum als nationales Erinnerungsprojekt gedacht, das die Geschichte der Vereinigten Staaten in ihrer ganzen Breite erzählen und ein gespaltenes Land zumindest für einen Moment zusammenführen sollte. Doch jetzt dominieren das Bild der Feierlichkeiten vor allem die Veranstaltungen in Washington und die Debatten um Donald Trumps Rolle dabei.

Bereits 2016 hatte der US-Kongress die parteiübergreifende Kommission America250 in Leben gerufen. Ihre Aufgabe: die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der USA zu koordinieren. Der ursprüngliche Ansatz von America250 war vergleichsweise dezentral angelegt: Im Mittelpunkt standen lokale Projekte, Bildungsprogramme, Festivals und Bürgerinitiativen im ganzen Land.

Mit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus verschob sich der Schwerpunkt der öffentlichen Jubiläumsfeiern jedoch nach Washington. Per Dekret schuf Trump Anfang 2025 die Initiative Freedom 250. Die ist jetzt für die öffentlichkeitswirksamen Großveranstaltungen in der Hauptstadt zuständig.

America250 existiert zwar weiter, aber Trumps Innenministerium hat der Organisation statt der bewilligten 100 Millionen Dollar nur rund 25 Millionen Dollar ausgezahlt. Gleichzeitig flossen mindestens 68 Millionen an Freedom 250 – wodurch sich die größten und sichtbarsten Veranstaltungen nach Washington verlagert haben.

Eher grün als blau: Auch nach der millionenschweren Renovierung bleiben Algen ein Problem im Reflecting Pool.

Reparaturfall Reflecting Pool

Besonders sichtbar wird dieser Konflikt am Reflecting Pool, dem großen Wasserbecken zwischen Lincoln Memorial und Washington Monument. Hier hielt Martin Luther King 1963 seine Rede „I Have a dream“, hier fanden Proteste gegen den Vietnamkrieg und große nationale Gedenkveranstaltungen statt.

Für das Jubiläum wurde die Anlage für Millionen Dollar renoviert und mit einer neuen dunkelblauen Beschichtung versehen.

Doch ausgerechnet dieses Prestigeprojekt geriet kurz vor den Feiern in Schwierigkeiten. Wenige Tage nach Abschluss der Arbeiten verfärbte sich der Pool durch starken Algenbefall großflächig grün. Reinigungstrupps mussten anrücken, weitere Reparaturen wurden angekündigt.

Die Trump-Regierung macht teilweise Vandalismus und Sabotage verantwortlich, Kritiker verweisen dagegen auf bekannte technische Probleme und die generelle Anfälligkeit des Beckens für Algenbildung: Das Becken ist nicht sonderlich tief, das Wasser bewegt sich darin nur langsam, es liegt in der prallen Sonne und die Enten tun ein Übriges.

Aber für viele Beobachter ist der Reflecting Pool so zum Sinnbild des gesamten Jubiläums geworden: viel Aufwand für die Inszenierung, wenig Raum für eine gemeinsame nationale Erzählung.

Im August 1963 hielt Martin Luther King an der Mall seine berühmte Rede, die mit dem Zitat „I have a dream“ in die Geschichte einging. Auch andere Kundgebungen trugen zu dem ikonischen Image des Reflecting Pools bei.

Einer steht im Mittelpunkt

Trump selbst nutzt das Jubiläum, um seine Vorstellung von Amerika in Szene zu setzen: also nationale Stärke und viel Patriotismus – mit ihm selbst als Mittelpunkt der Feierlichkeiten. Seine Rede wird als Höhepunkt des offiziellen Programms am 4. Juli angekündigt. Und die soll laut Trump besonders lang werden.

Bei vorhergesagten Temperaturen von mehr als 40 Grad an diesem Tag könnte das auch als Zumutung verstanden werden. Denn Sonnenschirme oder ähnliches existieren auf dem Gelände nicht. Und die meisten Besucher werden auf das anschließende Feuerwerk warten, das natürlich wiederum als das größte angekündigt ist, das es jemals in der US-Geschichte gab.

Immer wieder mussten Arbeiter in den Pool steigen, um ihn von Algen zu säubern – rein blau blieb er dennoch nicht, da die sommerliche Hitze das Algenwachstum fördert.

Opposition erinnert an den Geist der Unabhängigkeit

Doch auch Trumps Gegner mobilisieren. Unter dem Motto „No Kings“ organisieren Bürgerrechtsgruppen, Aktivisten und Trump-Kritiker Demonstrationen rund um den 4. Juli. Ihre Botschaft: Die amerikanische Revolution sei ein Aufstand gegen monarchische Herrschaft gewesen. Deshalb müsse die Unabhängigkeitserklärung heute als Mahnung gegen Machtkonzentration und für demokratische Institutionen verstanden werden.

Beide Lager beanspruchen damit das Erbe von 1776 für sich, allerdings mit gegensätzlichen Schlussfolgerungen. Umfragen zeigen, dass die meisten US-Amerikaner den 4. Juli trotzdem weiterhin feiern wollen. Als Familienfest mit Barbecue, Paraden und Feuerwerk.

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