500 PS starker FranzosePeugeot schickt den RCZ Vision ins Rennen, um die Marke zu boosten

Wie kann Peugeot wieder emotionaler werden, und das auch noch mit Elektromobilität? Der RCZ Vision bietet sich an. Er spielt mit der jüngeren Vergangenheit der Marke und geizt weder mit Leistung noch Technik. ntv.de hat sich die Studie angesehen.
Auf den ersten Blick wirkt das Concept Peugeot RCZ Vision banal. Kritiker könnten jetzt spotten, es sei ein Abklatsch vom Abklatsch. Schließlich zielte das Vorbild der Studie, nämlich der von 2010 bis 2015 gebaute RCZ, mit seinem Design ganz klar auf die Audi-TT-Klientel mit mehr oder weniger abgekupferter Optik. Böse formuliert.
Und der Vision? Nimmt eben genau diese Designsprache wieder auf, aber verfeinert sie. Und so wirkt das Concept-Car denkbar modern mit der filigranen Dachlinie sowie den illuminierten Elementen im Heckbereich. Großzügige Glasflächen sind gemeinsam mit dem „Bubble-Roof“ (analog zum früheren Serien-Vorbild) wirkungsvoller Blickfänger, und der gekonnte Einsatz von Sicken verleiht dem schicken Coupé eine muskulöse Note.
Die ist indes nicht nur angetäuscht, wenn man sich mit den technischen Daten beschäftigt. Immerhin ist die Rede von einem 500 PS starken Elektromotor. Oha. Potente Mischbereifung – 21-Zöller vorn sowie 22-Zoll-Räder an der Hinterachse – untermauern die performante Ausrichtung des RCZ Vision. Der sieht nicht nur schnell aus, sondern ist es ganz bestimmt auch mit dieser Ausrüstung.
Doch das ist gar nicht die einzige Nachricht, die für Staunen sorgt, wenn man einmal schaut, was Peugeot hier ankündigt. Denn gespeist werden soll das Triebwerk von einer Feststoffbatterie mit einer Dicke von bloß 110 Millimetern im Kontext mit 1000-Volt-Bordnetzspannung. Peugeot arbeitet hier mit dem US-amerikanischen Unternehmen Factorial Energy zusammen.
Bei der Ladezeit wird der Hersteller vollmundig, wirft einmal zehn Minuten von 10 bis 80 Prozent State of Charge in die Runde. Wow. Und das Ganze basiert auf der STLA-One-Plattform – schon spannend, wie wandelbar dieses Chassis ist. Ob dieser Peugeot tatsächlich so in die Serie gehen könnte, ist die eine Sache. Dass technische Elemente aber in andere Serienmodelle Einzug halten dürften, ist die andere Sache und überhaupt nicht unwahrscheinlich.
Steer-by-Wire kommt
So findet sich das sogenannte Hypersquare-Lenkrad inklusive der Steer-by-Wire-Technologie natürlich wieder in dieser Konzeptstudie. Und das ist schließlich für den nächsten Peugeot-Kleinwagen angekündigt. Darüber hinaus gibt der Vision einen Vorgeschmack darauf, wie bei Peugeot in mittlerer Zukunft womöglich Cockpits aussehen könnten. Statt Kombiinstrument findet sich eine transparente Glasscheibe oberhalb des Lenkrads mit allen wichtigen Informationen. Das sieht cool, futuristisch und solide aus – wäre aber nicht zu abgehoben, um als denkbar für die Serie durchzugehen.
Und dennoch verhindert der futuristische Einschlag in keiner Weise das Comeback der physischen Taste. Sie sitzt nicht nur am Steuerelement selbst, sondern auch in der Mittelkonsole, flankiert von massiv-metallisch aussehenden Drehreglern – diese bestehen übrigens aus Aluminium und betonen die Wertigkeit.
Trotz aller Emotionalität verfolgt das Coupé einen praxistauglichen Ansatz. Viersitzigkeit könnte den alltäglichen Umgang mit dem französischen Schönling einfacher machen. Und man kann die Rücksitzlehnen umklappen, um das Kofferraumvolumen zu vergrößern. So kapituliert der Sportwagen keineswegs vor der einen oder anderen Transportaufgabe.
Zudem ist Effizienz ein großes Thema. So nennt der Hersteller einen Verbrauch von nur 11,5 kWh je 100 Kilometer in der gemittelten WLTP-Disziplin. Homologiert ist das freilich noch nicht, aber die Zielrichtung ist klar. So ergibt sich eine Reichweite von 600 Kilometern bei einem relativ kleinen und leichten Akku.
Nun dürfte der Konzern auswerten, wie sehr das Concept Anklang gefunden hat – nicht zuletzt auf dem Pariser Salon 2026, wo die Öffentlichkeit die Kreation sehen konnte. In jedem Fall zeigt das Concept, wohin die Reise geht. Und gerade die Batterietechnik lässt aufhorchen und beweist, dass der Multimarkenkonzern am Thema Laden arbeitet. Denn hier hat er definitiv Aufholbedarf. Und Peugeot dürfte ruhig mal wieder einen schönen Imageträger im Portfolio haben, wie das früher schließlich der Fall war. Genau so etwas fehlt dem Label nämlich aktuell. Insofern darf man hoffen, dass diese Lücke mittelfristig wieder geschlossen wird.
