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Deutscher Keeper mittendrin: Titel-Sensation naht: Hearts schockieren die Glasgow-Giganten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 7, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Deutscher Keeper mittendrinTitel-Sensation naht: Hearts schockieren die Glasgow-Giganten

07.05.2026, 20:10 Uhr

Von Emmanuel Schneider
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Hearts of Midlothian erschüttert den schottischen Fußball. (Foto: REUTERS)

Eine 41 Jahre lange Serie in Schottland könnte schon bald enden. Außenseiter Heart of Midlothian schickt sich an, die schottischen Giganten Celtic und Rangers zu entthronen. Hauptrollen spielen auch ein Ex-Keeper der Bundesliga und der Investor.

Wer wird eigentlich schottischer Meister? Seit 41 Jahren hieß darauf immer die Antwort: Celtic FC oder Rangers FC. Die beiden Platzhirsche, die Dominatoren aus dem Norden der Insel. Sie haben den schottischen Ligafußball eigentlich sowas von im Griff. Beide liefern sich ein eifriges Duell um die Ehre des Rekordchampions. Sowohl Celtic als auch die Rangers stehen bei absurden 55 Meistertiteln.  

Das naturgegebene Gesetz der Glasgower Meisterschaft wackelt 2026 aber gewaltig. In diesem Jahr durchkreuzt ein Klub aus der Hauptstadt die zur Tradition gewordenen Titelpläne des Duos. Heart of Midlothian aus Edinburgh steht drei Spieltage vor Ende in der Meisterrunde an der Tabellenspitze der Premiership. Das ist mindestens eine kleine Sensation. Den ersten Giganten aus Glasgow haben sie vor wenigen Tagen im heimischen Tynecastle Park eigenmächtig aus dem Meisterrennen gekegelt. Mit 2:1 schickte Heart of Midlothian die Rangers mit ihrem deutschen Trainer Danny Röhl am vergangenen Wochenende quasi ins Titel-Aus. Der Rückstand beträgt sieben Zähler.

Showdown im Celtic Park am letzten Spieltag

Einzig verbliebener Konkurrent ist nun noch Titelverteidiger Celtic, der drei Punkte hinter den Hearts liegt. Die Meisterschaft haben sie in Edinburgh also in der eigenen Hand. Es bahnt sich sogar ein ultimativer Showdown am 16. Mai an. Denn am letzten Spieltag reist Midlothian zum großen Gegner nach Glasgow in den Celtic Park. Womöglich fällt dann im direkten Duell die Entscheidung. Dann könnte auch eine alte Rechnung beglichen werden. Am letzten Spieltag 85/86 entriss Celtic den Hearts noch den Titel und wurde dank der besseren Tordifferenz Meister. Pluspunkt für den Underdog 2026: Das Torverhältnis ist um fünf Tore besser. Theoretisch würde dann sogar eine knappe Niederlage reichen. Falls Celtic vorher patzt, könnte die Sensation aber sogar schon vorher feststehen. „Darauf verlassen wir uns sicherlich nicht, wir wollen auch jedes Match gewinnen“, erklärte der österreichische Defensivspieler Michael Steinwender der „Kronen“-Zeitung.

An den kommenden Spieltagen treffen die Hearts noch auf Motherwell und Falkirk. Brenzliger wird’s für Celtic. Ausgerechnet jetzt müssen die Grün-Weißen im Old Firm gegen die Rangers ran. Die Lage spitzt sich zu. Was noch für die Hearts spricht: Gegen die beiden Glasgow-Giganten sah Midlothian in dieser Saison richtig gut aus. Nur im vorletzten Duell gegen die Rangers kassierten sie eine Niederlage, ansonsten blieben die Hearts in sechs Duellen ungeschlagen.

Stellt sich die Frage: Wie haben sie das angestellt?

Der routinierte Trainer Derek McInnes hat aus reichlich No-Names eine schlagkräftige, robuste und defensiv stabile Mannschaft zusammengestellt. Im Tor steht ein alter Bekannter der Bundesliga. Alexander Schwolow, einst in Diensten des SC Freiburg, Hertha BSC, Schalke und Union Berlin, ist seit dieser Saison der neue Stammkeeper. In 30 Pflichtspielen blieb er 14 Mal ohne Gegentor und steuerte damit einen großen Teil zum Erfolg bei.

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Alexander Schwolow ist der große Rückhalt der Hearts. (Foto: IMAGO/Focus Images)

Hearts profitieren von sagenumwobener Software

Midlothian steht aber auch für smarte Investitionen und Transfers. Hier kommt nun die Firma des Investors Tony Bloom ins Spiel: Jamestown Analytics. Der Datendienstleister und seine sagenumwobene Software ist berüchtigt und unterstützt Teams mit vielen Daten rund um Transfers. Datengetriebene Spielerprofile sollen das traditionelle Scouting ersetzen.

Dieses Unternehmen hat in der Vergangenheit für viel Furore gesorgt, weil damit arbeitende Teams wie Brighton, Union Saint-Gilloise oder Como überraschend sehr erfolgreich waren und die datenbasierten Transfers dabei eine Rolle gespielt haben. Es fällt dann schnell der „Moneyball“-Vergleich. Der gleichnamige Film über das Baseball-Team der Oakland Athletics mit Brad Pitt beleuchtete diese Art von Teambuilding schon vor Jahren und gab ihr einen Namen.

Diese Form des Investments ist wohl auch notwendig: Der Klub verfügt nicht über die Finanzmacht von Celtic und Rangers, die Hearts müssen klug am Transfermarkt agieren. Spieler bestenfalls entwickeln und gewinnbringend verkaufen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist Mittelstürmer Claudio Braga. Der Portugiese kam vor dieser Saison aus der zweiten Liga Norwegens nach Schottland. Aus 520.000 Euro Ablöse sind nun sechs Millionen Euro Marktwert erwachsen. Über 1000 Prozent Steigerung. Das hat Gründe. Braga schlug voll ein und erzielte 14 Tore und insgesamt 19 Scorer in der Premiership.

Sturm-Kollege Lawrence Shankland steuerte 13 Treffer (17 Torbeteiligungen) bei. Nach einer längeren Oberschenkelverletzung hat sich der Kapitän eindrucksvoll zurückgekämpft. Auch Mittelfeldmotor Cammy Devlin und Linksaußen Alexandros Kyziridis stehen für den soliden Erfolg der Hearts.

„Von außen betrachtet liegt es nahe, den Erfolg der Hearts auf Tony Blooms Rekrutierungsmodell – Jamestown Analytics – zurückzuführen, doch das wäre irreführend“, sagte Schottland-Experte Euan Robertson zu transfermarkt.de. „In Wahrheit ist es noch viel zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen darüber zu ziehen, wie erfolgreich dieses Modell umgesetzt werden wird.“ Bislang haben die Hearts demnach das Modell erst bei drei Transfers angewendet.

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Investor Tony Bloom hat auch in Edinburgh Erfolg. (Foto: IMAGO/Shutterstock)

Natürlich hoffe der Klub, den bemerkenswerten Erfolg Brightons nachzuahmen, „indem man Spieler identifiziert, fördert und mit beträchtlichem Gewinn verkauft“, so Robertson. „Das wird für den langfristigen Erfolg der Hearts entscheidend sein, um die Lücke zu den Old-Firm-Teams dauerhaft zu verkleinern.“

Interessant: Bloom sicherte sich 2025 als Investor für rund 11,5 Millionen Euro 29 Prozent der stimmrechtslosen Aktien und einen Sitz im Vorstand. Die Mehrheit des Klubs bleibt aber in Händen der Fans. Die Foundation of Hearts ist ein Zusammenschluss von Fans und hält mit 75,1 Prozent der Stimmrechte, kontrolliert damit den Klub.

Das Traditionsteam aus der Hauptstadt profitiert indes auch von der doppelten Schwächephase von Celtic und den Rangers.  In dieser Saison kommen die in der Vergangenheit gut geölten Maschinen nicht richtig ins Rollen. Viel auf und ab, wenig Beständigkeit. Celtic tauschte schon zweimal den Trainer aus. Inzwischen ist der alte Haudegen Martin O‘Neill wieder an der Seitenlinie. Auch die Rangers wechselten schon durch. Dort ist inzwischen der deutsche Coach Röhl Cheftrainer. Doch auch der ehemalige DFB-Assistenzcoach konnte die jüngste 1:2-Pleite gegen die Hearts nicht verhindern.

Brutal starke Heimserie der Hearts begeistert

„Wir haben dort weitergemacht, wo wir Woche für Woche aufhören. Purer Wille, der jeden hier ansteckt“, erklärte Innenverteidiger Michael Steinwender die Midlothian-Mentalität. Die Stimmung im Heimstadion erreichte neue Sphären, schwärmt der Österreicher. „Geisteskrank, wie die Leute abgehen. Einzigartig.“ Der Tynecastle Park ist zu einem für die Gegner unüberwindbaren Bollwerk geworden. Zuhause ist das Team eine Macht, hat keine Partie verloren (13 Siege, vier Remis).

Wenn es so weitergeht, werden die Hearts Geschichte schreiben. Der letzte Meister, der nicht aus Glasgow kam, war 1985 der FC Aberdeen mit Trainer Alex Ferguson. Die erste Meisterschaft wäre es nicht für die Hearts, diese ist aber schon eine ganze Weile her. Zuletzt holte der 1874 gegründete Verein 1960 den Titel. 2006 und 2012 gewannen sie den Pokal. Zwischendurch ging es sogar runter in die 2. Liga, dann sofort wieder rauf. Die Fans sind mit Tränen und Triumphen bestens vertraut. Eine wilde Reise. Die sie nun ganz nach oben gespült hat.

Investor Bloom hatte bei seinem Einstieg 2025 angekündigt, dass man die Vorherrschaft der Glasgower Klubs durchbrechen werde. Davon sei er „fest überzeugt“. Und weiter: „Wenn wir in den kommenden zehn Jahren nicht den Titel gewinnen, wäre ich sehr enttäuscht“. Statt zehn Jahre brauchen er und das Team vielleicht sogar nur eines.

Quelle: ntv.de

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