Er ist Naturforscher, Moderator und britischer Nationalheld. Und vielleicht gibt es niemanden sonst, der so viel vom Planeten Erde bereist und gesehen hat. Heute wird Sir David Attenborough 100 Jahre alt.
Mit seiner Stimme sind Millionen von Briten aufgewachsen: mit Sir David Attenborough, der seit 1954 die entferntesten Winkel der Erde und noch so wilde und scheue Tiere auf den heimischen Fernsehbildschirm bringt. Heute wird er 100 Jahre alt. An mehr als 100 Natur- und Tierdokumentarfilmen war Attenborough bis heute beteiligt. Und ist es immer noch: Vergangenes Jahr, mit 99 Jahren, ging er als ältester Emmy-Gewinner in die Geschichte ein. Über die zahlreichen Auszeichnungen, Preise und Ehrendoktorwürden lässt sich leicht der Überblick verlieren.
Und dass ein Wikipedia-Eintrag einmal sämtliche Organismen auflisten würde, die nach Attenborough benannt sind – nämlich rund 50 – hätte sich der Brite wohl nicht träumen lassen, als die BBC 1952 seine Bewerbung auf einen Job im Radio ablehnte. Drei Wochen später sei ein Brief gekommen, in dem stand: „Wir probieren etwas Neues. Viele halten nicht viel davon, es heißt Fernsehen. Nach deiner Bewerbung zu urteilen, bist du der Richtige, um das mit uns auf die Beine zu stellen“, erinnert Attenborough sich.
Keine Berührungsängste: Attenborough während seines Besuchs im Taronga Zoo in Sydney 2003.
Aus geplanter Radio- wurde eine Fernsehkarriere
Er arbeitete sich hoch in die Chefetage der BBC und als Moderator vor die Kamera – für Sendungen, die sich um Naturkunde drehten, weil er in Cambridge Zoologie studiert hatte. Sein wohl ikonischster TV-Moment ereignete sich 1979, in den Bergen von Ruanda, als eine Gruppe Gorillas den Briten in ihr Herz schloss und ganz nah an sich heranließ.
Er habe eine ganz schöne Grimasse gezogen, hieß es später in einer Talkshow, als zwei Affenbabys auf ihm herumturnten: „Es ist schwer, vor der Kamera über den entgegensetzbaren Daumen und die Evolution der Affen zu reden, wenn zwei Babyaffen dir gerade die Schuhe ausziehen.“
Mit seiner ruhigen und respektvollen Art definierte der damals 51-Jährige Tierfilme neu. Und brachte sich mitunter in gefährliche Situationen, etwa, als ein Nashorn in der Savanne es auf seinen Geländewagen abgesehen hatte:
Es hob den Landrover mit den Hörnern an und schüttelte ihn. Das Nashorn zog sich zurück. Und dann: Bumm. Fast hätte es das Auto zerstört. Ich dachte nur: Hoffentlich haben die Autobauer die Schrauben festgezogen.
Tierliebe sprang auf die Familie über
Die Liebe zu Tieren breitete sich schließlich auf die ganze Familie aus. Ehefrau Jane Attenborough half einmal, einen verwaisten Gibbon-Affen aufzuziehen. Sie habe dem Äffchen eine Tragehilfe gebastelt, so dass er ständig bei ihr war, erzählt Attenborough. „Er sprach mit ihr in Gibbon-Sprache, in Lauten. Wenn sie zum Beispiel ans Telefon ging und Sammy dann ‚uäh, örks‘ machte, wusste sie nie, ob sie sagen sollte: ‚Entschuldigung, ich habe einen Gibbon auf der Schulter.'“
47 Jahre waren David und Jane verheiratet. Als sie 2004 verstarb, sagt Attenborough heute, sei er froh gewesen, sich mit Arbeit ablenken zu können. „Ich habe großes Glück, dass ich immer weiter arbeiten kann. Hoffentlich lasse ich nicht nach. Aber ich habe immer genug zu tun.“
Tierliebe vermitteln: Hier posiert Attenborough für seine damals dreijährige Tochter Susan mit einem Gelbhaubenkakadu.
Einsatz für Klima- und Tierschutz
Im Laufe der Jahre äußerte Attenborough sich immer politischer zu Klimawandel, Umweltschutz und Artensterben. Letzten Sommer etwa im Kinofilm „Ocean“ über die Folgen industrieller Fischerei. Auch vor Appellen an die Politik selbst im Angesicht des Klimawandels, scheut Attenborough nicht: „Das ist das größte Problem, mit dem die Menschheit je konfrontiert war. Bitte setzen Sie sich damit auseinander.“
Attenboroughs Botschaft ist jedoch stets ohne Fatalismus, immer voller Hoffnung, aber ernst. Sein Appell an die Zuschauer: „Wenn ihr ein bescheideneres Leben führen könnt, verschwendet nichts. Seht diese Welt als etwas Kostbares an, eure Zeit, die Natur. All diese Dinge müssen geschätzt werden. Die Welt ist keine Obstschale, aus der wir nehmen können, was wir wollen. Wir sind ein Teil von ihr. Und wenn wir sie zerstören, zerstören wir auch uns.“
