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Stuttgart ist Deutschlands Homeoffice-Hauptstadt | tagesschau.de

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 08.05.2026 • 12:43 Uhr

Bei 38 Prozent aller Stuttgarter Jobanzeigen ist Arbeiten von zu Hause explizit als Option genannt – und damit fast doppelt so häufig wie im Bundesschnitt. Warum ist das so?

Laura Cloppenburg

Tobias Faißt

Für viele Menschen steht Stuttgart für die Automobilindustrie und den Maschinenbau. Jobs in der Fabrik also, die schlecht von zu Hause aus erledigt werden können. Und trotzdem liegt die Schwabenmetropole bundesweit auf Platz eins, was die Stellenausschreibungen mit Homeoffice-Option angeht. 38 Prozent der Jobs werden in Stuttgart mit dieser Möglichkeit angeboten, zeigt der Jobmonitor der Bertelsmann-Stiftung.

„Darüber war ich auch überrascht“, sagt Verena Mayer. Seit der Pandemie dürfen die Mitarbeitenden ihrer Marketingagentur in Stuttgart völlig frei entscheiden, wann sie zu Hause arbeiten wollen und wann nicht. Selbst Workation, also Arbeiten im Ausland, ist drin.

Ein Präsenz-Tag, ein fixer Homeoffice-Tag

„Wir leben die höchstmögliche Freiheit und Flexibilität“, sagt Mayer. Nur dienstags müssen alle kommen. Da ist Teamtag, an dem alle 30 Mitarbeitenden in die Agentur kommen. Und auch an den sonstigen Tagen ist rund die Hälfte da, berichtet die Agenturleiterin.

Workations werden mit der Teamleitung abgestimmt. „Einfach mal sagen: ‚Ciao, ich bin dann mal weg‘ – das macht keiner.“ Das Team reguliere sich selbst. Nur ein Tag habe sich als fixer Homeoffice-Tag etabliert: der Freitag. Frühstart in ein angenehmes Wochenende? Nein, sagt Mayer. „Die meisten nutzen den Freitag, um Dinge zu erledigen, die unter der Woche liegen geblieben sind.“ Aus Sicht der Stuttgarterin führt am mobilen Arbeiten für Unternehmen schon lange kein Weg mehr vorbei.

„Gekommen, um zu bleiben“

Bundesweit ist der Homeoffice-Anteil laut der Bertelsmann-Studie konstant geblieben. Seit 2024 liegt die Quote bei 20 Prozent, und das, obwohl die Wirtschaft kriselt. „Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Studienleiter Gunvald Herdin.

Besonders auffällig: Es bleibt vor allem in Großstädten mit 28,8 Prozent eine Möglichkeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Auf dünn besiedeltem Land steht eine Quote von 11,7 Prozent. Und: Homeoffice ist eher in akademischen und männerdominierten Berufen eine Option. 35 Prozent der Akademiker dürfen im Homeoffice arbeiten.

Starke Unterschiede

„In 22 Prozent der frauendominierten Berufe mit Studium wird Remote-Arbeiten angeboten, bei Männern ist der Anteil mit knapp 46 Prozent mehr als doppelt so hoch.“ Vor allem IT-Berufe finden mehr und mehr zu Hause statt: Sieben der Top-10-Homeoffice-Jobs kommen aus diesem Bereich.

Die Studie zeigt also ein starkes Gefälle zwischen Stadt und Land, Frau und Mann, Studium und Ausbildung. Dabei biete Homeoffice für alle Arbeitnehmer Chancen. „Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend. Für Alleinerziehende gilt das in besonderem Maße, weil zeitraubende Arbeitswege wegfallen”, sagt Michaela Hermann von der Bertelsmann-Stiftung.

Homeoffice mit Potential ohne Ende?

Klar ist jedoch, dass nicht alle Jobs daheim gemacht werden können. Wer ein Auto zusammenschraubt, stellt sich die Teile nicht ins Wohnzimmer. Doch selbst bei geeigneten Stellen gibt es eine Grenze, was die Produktivität angeht. Laut einer Untersuchung des Fraunhofer Instituts in Stuttgart steigern bis zu drei Tage Homeoffice die Produktivität. Danach fällt sie. „Die Präsenzzeit ermöglicht wichtige informelle und fachliche Kontakte“, so Arbeitsforscherin Josephine Hofmann.

Stichwort Teamtag in der Agentur von Verena Mayer: „Unsere Kreativbranche lebt natürlich vom Austausch.“ Der Hauptgrund, warum sie persönlich ungern im Homeoffice arbeitet. Aber für viele qualifizierte Kräfte gehöre diese Option mittlerweile dazu, wenn es darum geht, sich für ein Unternehmen zu entscheiden. „Wir spüren das bei manchen unserer Kunden, die ihre Mitarbeiter zurück ins Büro holen. Da haben einige innerlich schon gekündigt“, sagt Mayer.

Flexibilität statt Druck

„Mit Druck geht es einfach nicht“, steht für die Agenturleiterin fest. Mayer hat seit der Pandemie auf das flexible Arbeitsmodell umgestellt und ist mit der Produktivität ihrer Agentur mehr als zufrieden.

Sie kann nur vermuten, warum die Autostadt Stuttgart beim Homeoffice an der Spitze steht: „Die Unternehmen suchen nach Fachkräften. Anders sind die wohl kaum noch zu bekommen.“ Eines zeigt die hohe Homeoffice-Quote auch noch: Stuttgart hat sich längst von der Auto- und Maschinenbaustadt weiterentwickelt. Mittlerweile arbeiten hier viele Kreative und Programmierer – und das eben häufig im Homeoffice.

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