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Die von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene „Hondius“ hat Teneriffa erreicht. Wie läuft nun die Evakuierung des Schiffes? Und wie wird das Risiko durch das Virus eingeschätzt? Die wichtigsten Fragen auf einen Blick.
Wie läuft die Evakuierung ab?
Nach der Ankunft der „Hondius“ im Hafen von Granadilla werden alle Passagiere und ein Teil der Crew von Bord gebracht. Zuvor sollen sie noch an Bord medizinisch untersucht werden, ob akute Krankheitssymptome festzustellen sind. Anschließend werden Gäste und Mannschaftsmitglieder mit Beibooten an Land gebracht. Die Passagiere dürfen lediglich leichtes Handgepäck mitnehmen. Während der Evakuierung tragen Personal und Passagiere FFP2-Schutzmasken, wie ARD-Korrespondentin Julia Macher berichtet.
Vom Hafen aus geht es in speziell ausgestatteten Militärfahrzeugen zum zehn Minuten entfernten Flughafen, wo bereits die Charterflüge und die Militärmaschinen warten, die die Passagiere zurück in ihre Heimatländer bringen. Die Passagiere sollen sofort an Bord der Maschinen gebracht werden, ohne vorherige Abfertigung auf dem Flughafen. Nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde WHO sollen alle Flüge am Sonntag und Montag starten, da später eine Schlechtwetterfront aufzieht. Die meisten Menschen an Bord stammen aus EU-Ländern, Großbritannien und den USA. Auch mehrere Deutsche sind darunter.
Wie viele Passagiere sind noch auf dem Schiff?
Wie ARD-Korrespondentin Macher weiter berichtet, befinden sich derzeit noch 86 Gäste an Bord der „Hondius“, hinzu kommt die Crew des Schiffes. Ein Teil der Reisenden hatte die „Hondius“ bereits während eines Zwischenstopps an der Insel St. Helena verlassen. Laut WHO und auch nach Angaben von Oceanwide Expeditions, dem Betreiber der „Hondius“ wiesen zuletzt keine Personen an Bord noch Krankheitssymptome auf.
Wie viele Infektionen mit dem Hantavirus sind bekannt?
Die WHO spricht von sechs bestätigten Hantavirus-Fällen und zwei Verdachtsfällen. Drei der Betroffenen starben mutmaßlich infolge der Ansteckung. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.
Die „Hondius“ hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb an Bord ein Niederländer, seine Ehefrau verließ das Schiff bei dem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Die deutsche Passagierin verstarb am 3. Mai. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.
Wie wird das Risiko infolge des Ausbruchs an Bord eingeschätzt?
Gesundheitsbehörden schätzen das Risiko einer weiteren Verbreitung des Hantavirus als gering ein. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. „Das ist nicht ein neues Covid“, betonte er. Zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei. Allerdings werden alle Passagiere und Crewmitglieder nach Ankunft in ihren Heimatländern wohl in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist. Bis dahin gelten die Passagiere als „Hochrisikokontakte“.
Auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC führt an, dass der bei den infizierten Personen nachgewiesene Andes-Typ des Hantavirus nicht leicht übertragbar sei. Auch wenn dieser Typus der einzige des Virus ist, der auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Doch laut ECDC sei es „unwahrscheinlich, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung“ kommt. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung sei „sehr gering“.
Was passiert mit dem Schiff?
Sobald die Menschen von Bord gebracht worden sind, soll die „Hondius“ mit einem Teil der Crew ihre Fahrt sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst dort soll der Leichnam einer an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes und des an Bord verbliebenen Gepäcks wird in den Niederlanden vorgenommen.
