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Heftige Kritik an Trump und FIFA: Human Rights Watch: „Diese WM wird eine Katastrophe“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 11, 2026Keine Kommentare10 Minuten Lesezeit
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Heftige Kritik an Trump und FIFA Human Rights Watch: „Diese WM wird eine Katastrophe“

10.05.2026, 19:44 Uhr

Interview: David Bedürftig
FIFA-World-Cup-WM-Weltmeisterschaft-Fussball-2026-Official-Draw-US-President-Donald-Trump-receives-the-FIFA-Peace-Prize-from-FIFA-President-Gianni-Infantino-at-the-official-draw-for-the-2026-FIFA-World-Cup-at-the-John-F-Kennedy-Center-for-the-Performing-Arts-on-December-5-2025-in-Washington-D-C-The-2026-FIFA-World-Cup-will-take-place-between-June-11-and-July-19-with-the-participation-of-48-national-teams-and-the-matches-will-be-played-in-the-United-States-Mexico-and-Canada-This-will-be-the-first-time-the-international-sporting-event-will-be-hosted-by-three-countries
Der FIFA-Friedenspreis für Donald Trump gefiel Human Rights Watch überhaupt nicht. (Foto: IMAGO/Brazil Photo Press)

In 30 Tagen beginnt die WM in den USA, Mexiko und Kanada und der Ausblick von Human Rights Watch auf das Turnier fällt übel aus. Im Interview mit ntv.de spricht die im Bereich „Global Initiatives“ zuständige Direktorin Minky Worden von einer „Menschenrechtskatastrophe“, kritisiert eine weitverbreitete Angst vor Donald Trump – und wirft der FIFA vor, Bammel vor einem bestimmten Wort zu haben.

ntv.de: Frau Worden, in 30 Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. Dazu hat Human Rights Watch einen neuen Bericht veröffentlicht mit dem Titel: „Das Turnier beginnt in einer Atmosphäre der Angst“.

Minky Worden: Ja, denn diese WM wird eine Katastrophe. Auch wenn der Fußball an sich ein Erfolg werden dürfte.

Wie meinen Sie das?

Diese Weltmeisterschaft ist historisch. Sie ist die größte aller Zeiten und wurde bei der Vergabe als die inklusivste angepriesen. Sie hätte auch wirklich die inklusivste werden sollen, allein schon, weil sie von drei vernünftigen, demokratischen Ländern ausgerichtet wird und nicht von einem repressiven Regime wie in Russland oder einem Emirat wie in Katar. Doch stattdessen ist die WM von unglaublich viel Unsicherheit umgeben, obwohl die drei Gastgeberländer seit 2018 Zeit zum Planen hatten.

Demokratische Ausrichter bedeuten nicht unbedingt besser geschützte Menschenrechte bei dem Turnier?

Die WM sollte einen Bruch mit der jüngeren Vergangenheit darstellen und sollte auch die erste Weltmeisterschaft sein, die von einem Menschenrechtsrahmen geleitet wird, den alle Beteiligten unterschreiben. Es sollte also wirklich eine Wende stattfinden.

Aber ich kann definitiv sagen, dass die WM zwar immer noch die größte sein mag, aber sie wird nicht die beste in Bezug auf die Menschenrechte werden. Momentan sieht es eher danach aus, dass das Turnier eine potenzielle Menschenrechtskatastrophe wird.

Können Sie konkreter werden?

Ein konkretes Beispiel sind die 16 WM-Städte, in denen eigentlich Maßnahmen zum Schutz der Menschenrechte ergriffen werden sollten. Sogenannte Menschenrechtsaktionspläne wurden im Rahmen der Turniervergabe von der FIFA als erste ihrer Art vorgeschrieben. Vom Vorgehen gegen Menschenhandel über faire Lieferketten bis hin zur Einstellung von Arbeitskräften in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften, ohne Arbeits- und Lohnkonflikte. Die Ausrichterstädte sollten bei den Aktionsplänen mit den lokalen Interessengruppen zusammenarbeiten, um deren Anliegen zu berücksichtigen, denn bei diesen Großveranstaltungen wird die Last sonst nur auf die lokale Gemeinschaft abgewälzt.

Und was ist passiert?

Ursprünglich sollten die Pläne im März 2025 fertig sein, dann im August 2025, und dann jetzt im April. Doch nur vier von 16 Städten haben bisher Aktionspläne veröffentlicht. Und diese sind nicht besonders gut und gehen auf keine der Sicherheitsrisiken ein, die Human Rights Watch im Zusammenhang mit der Menschenrechtslage sieht.

Die Idee war, dass die Weltmeisterschaft gemeinsam mit der lokalen Gemeinschaft stattfindet. Man wollte Vorteile für die lokale Wirtschaft, Gemeinschaft und Infrastruktur. Das geschieht jetzt nicht, weil die Verantwortlichen Angst hatten, mit den lokalen Interessengruppen in Kontakt zu treten. Die lokalen Interessengruppen sind genau die Menschen, die die Trump-Regierung verhaften und abschieben will.

Wovor genau haben die WM-Städte Angst?

Die Ausrichterstädte nehmen das Wort „ICE“, die Einwanderungs- und Zollbehörde der USA, nicht in den Mund und haben Angst, dass das Gleiche passiert wie in Los Angeles, wo Donald Trump und seine Nationalgarde tagelange Proteste und Gewalt verursachten. Keine dieser Städte will diesen Albtraum erleben. Selbst die kanadische Stadt Toronto hat keinen Aktionsplan erstellt, weil sie Bammel hat, von der Trump-Regierung auf irgendeine ungerechte Weise bestraft zu werden.

Welche Risiken birgt das für die WM?

Das größte Risiko nach unserer Auffassung ist das Versagen der FIFA und der Ausrichterstädte im Umgang mit der Bedrohung durch die ICE-Behörde, die bei der WM die Durchsetzung der Sicherheitsmaßnahmen tragen könnte. ICE, eine Art paramilitärische Polizei, betreibt eine brutale, menschenverachtende Politik, selbst bei Menschen, die das Recht haben, in den Vereinigten Staaten zu bleiben. Sie missbraucht ihre Befugnisse und hat unter anderem im Januar in der Stadt Minneapolis US-amerikanische Demonstranten getötet.

ICE steht also nicht für die Einhaltung von Regeln und Rechtsstaatlichkeit oder den Schutz von Zivilisten. Stattdessen stehen die Agenten für außergerichtliche Razzien, die gegen internationale Menschenrechte verstoßen.

Was fordern Sie?

ICE-Einsätze müssen unbedingt verhindert werden. Es handelt sich hierbei um Risiken, die der FIFA schon lange bekannt sind, die sie aber nicht angegangen ist, weil auch innerhalb der FIFA niemand das Wort „ICE“ in den Mund nimmt. Das alles liegt also an diesem einen Mann im Weißen Haus, der sich übrigens selbst zum Anführer der Weltmeisterschaft gemacht hat. Er hat sich selbst und Vizepräsident JD Vance zur WM-Taskforce des Weißen Hauses ernannt. Hier wurde ein Gremium geschaffen, das eine weitere Möglichkeit bietet, Trump zu verherrlichen. Selbst Wladimir Putin und der Emir von Katar haben das bei den Turnieren 2018 und 2022 nicht gemacht. Und zwar, weil es völlig wahnsinnig ist.

In einer normalen Welt gäbe es als Taskforce ein praktisches, behördenübergreifendes Gremium, das bei der WM Risiken identifiziert und Probleme löst. Stattdessen haben wir nun ein einseitiges Gremium, das bei der Weltmeisterschaft nicht liefern wird und was sogar der Grund dafür ist, dass diese Weltmeisterschaft nicht funktionieren wird und warum die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft nicht vorankommen.

Wie wird Donald Trump seine Rolle bei der WM ausspielen?

Das Risiko ist hier die Umfunktionierung der WM zur Waffe. Es geht in den USA in eine ähnliche Richtung wie bei Wladimir Putin und der Weltmeisterschaft 2018 und den Olympischen Winterspielen 2014. Auch er hatte die Nationalmannschaft für den nationalen Ruhm Russlands eingesetzt. Die beiden Events haben nicht dazu beigetragen, die wachsende Unterdrückung in Russland zu vermindern oder auch nur zu verschleiern und zu verbergen, einschließlich der Unterdrückung von LGBT-Personen.

Ein bekanntes Playbook.

Bei solch einer Instrumentalisierung handelt es sich um eine Strategie für Autokraten und Diktatoren. Und Donald Trump kann so etwas besonders gut. Er hat sich mit MMA-Kämpfern und Wrestlern zusammengetan und die Eishockeynationalmannschaft – nicht die der Frauen – zu seiner „State of the Union“-Ansprache geholt, damit sie ihre glänzenden Goldmedaillen zeigen. Er erinnert oft an die WM und die Olympischen Spiele in Los Angeles und sagt, die Tatsache, dass diese Veranstaltungen in den USA sind, zeige, dass das Land ein sei. Das ist Teil der „MAGA-isierung“ des Sports – und das ist sehr gefährlich.

Wo genau liegt die Gefahr?

Man sieht gut, wie sich Trumps Kulturkrieg bei der WM abspielt. Etwa bei den fehlenden Menschenrechtsmaßnahmen der Ausrichterstädte. Sie sollten eigentlich den Schutz von Minderheiten und schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen, einschließlich LGBT-Personen, gewährleisten. Aber von den vier veröffentlichten Aktionsplänen erwähnt in den USA nur der von Atlanta LGBT-Rechte.

Doch bei der Klub-WM im vergangenen Sommer musste eines der Spiele wegen homophober Gesänge rund um das Stadion in Atlanta unterbrochen werden. Das ist also ein echtes Risiko. Man muss eine Atmosphäre schaffen, die deutlich macht: Homophobie hat keine Chance in den Stadien. Aber die FIFA tut nichts und leistet bei der Bewertung des Risikos homophober Vorfälle sehr schlechte Arbeit. Auch was Rassismus angeht, gibt es keine Maßnahmen und Aktionspläne, es wird nirgends der systemische Rassismus in den USA erwähnt, der ein sehr großes Problem ist.

Trump nutzt die WM als ein großes Mittel zum Zweck?

Ein sehr erfolgreiches Mittel zum Zweck. Ich denke da etwa auch an FBI-Direktor Kash Patel, der sich bei den Winterspielen mit der Eishockeynationalmannschaft in der Umkleidekabine besäuft und eine Goldmedaille um den Hals trägt. Eine klare Politisierung und Militarisierung des Sports. Und dann zogen sie auch noch über das Frauenteam her, das war inakzeptabel.

Auch die Spieler und Trainer bei der WM wollen nicht instrumentalisiert werden. Wie die Juventus-Profis, die von Trump bei der Klub-WM bei einer Pressekonferenz hingestellt und als Waffen benutzt wurden. Das ist nicht richtig und gibt ihnen nicht mal die Chance, nein zu sagen. Der springende Punkt dabei ist, dass auch FIFA-Präsident Gianni Infantino die Spieler politischem Druck aussetzt, der völlig inakzeptabel ist. Pressekonferenzen im Weißen Haus mit stummgeschalteten Spielern, das ist eine totale Katastrophe für die Profis.

Wie bewerten Sie die Arbeit der FIFA im Vorfeld der WM?

Die FIFA hat auf einer so unvorstellbaren Ebene versagt. Hätte sie nur die Hälfte ihrer Verpflichtungen umgesetzt, wäre es für uns heute schwieriger mit der Kritik. Auch der FIFA-Friedenspreis spielt hier natürlich rein. Hierbei handelt es sich um eine Form der Korruption. Das ist eine erfundene Sache, um einem Mann zu schmeicheln, der nicht für Frieden, sondern für die gewaltsame Unterdrückung der Amerikaner, Bombardierungen außerhalb des Staatsgebiets und Kriege im Ausland steht.

Erklären Sie den Punkt mit der Korruption.

Noch bevor der Friedenspreisgewinner bekannt gegeben wurde, haben wir beim Weltverband angefragt: Wer sind die Jurymitglieder? Was sind die Kriterien? Wer sind die Nominierten? Und wie läuft der Prozess ab? Wir bekamen darauf keine Antwort, denn es gab keine Namen, es gab keine Kriterien und es gab keine Juroren. Die FIFA mit Gianni Infantino an der Spitze geht davon aus, dass eine Trump-Anbiederung auf die unglaublichste und peinlichste Art und Weise, die man sich vorstellen kann, der einzige Weg für eine erfolgreiche WM ist. Ich halte das für ein völlig falsches Verständnis. Das ist keine WM, die es wert ist, gefeiert zu werden. Der einzige Weg, mit Menschenrechtsverletzungen umzugehen, sind klare Systeme. Nicht eine Mann-zu-Mann-Regelung. Das funktioniert nicht und ist schlecht für den Fußball.

Die FIFA betont immer wieder, sich verstärkt für Menschenrechte einzusetzen.

Es gibt gute Leute innerhalb des FIFA-Systems, die versuchen, das Menschenrechtsframework umzusetzen. Aber sie scheitern. Sie scheitern, weil an der Spitze ein FIFA-Friedenspreis sitzt. Der Grund, warum dieser so verwerflich war, ist, dass Infantino zu Trump sagte: „Ich überreiche Ihnen diesen Preis im Namen der 5 Milliarden Fans.“ Aber Sie und ich wurden nicht gefragt. Das kann er so nicht sagen. Infantino erzählte eine gigantische Lüge und stellte die Ansichten von Milliarden Fans falsch dar. Fußball ist nicht Gianni Infantinos Sport, den er an Donald Trump übergeben kann.

Wird sich durch die WM etwas ändern in Sachen Menschenrechte im Fußball?

Es gibt allen Grund zu der Annahme, dass es nach dieser Weltmeisterschaft zu einem grundlegenden Wandel innerhalb der FIFA über die nächsten Jahre kommen könnte. Wie damals, als die Korruption innerhalb des Weltverbandes aufgedeckt wurde, was zur Verhaftung von Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter samt der Hälfte des FIFA-Exekutivkomitees führte.

Ich glaube ebenfalls, dass die Strategie des Sportswashing für Autokraten oft nach hinten losgeht. Sie hat etwa in Katar der Welt gezeigt, dass das Emirat ein System der modernen Tyrannei hat und Stadien in der Wüste mit dem Blut der Arbeitsmigranten baute. Auch Russland und China waren mit ihren Olympischen Spielen nur zu Hause erfolgreich, aber nicht auf der Weltbühne. Bei der kommenden WM ist die Strategie Trumps vollkommen sichtbar und es ist klar, dass auch sie schiefgehen wird. Der Versuch der USA, Sportswashing zu betreiben, könnte noch mehr Aufmerksamkeit darauf lenken, wie sehr die Rechtsstaatlichkeit in den USA untergraben ist. Als etwa JD Vance sagte, die ICE-Behörde würde bei den Winterspielen 2026 vor Ort sein, löste das viele Proteste dagegen aus, auch von Athleten

Millionen Fans werden trotz all dieser Themen in die USA zur WM reisen. Was wird passieren?

Einen Monat vor der Weltmeisterschaft hat niemand eine Ahnung, was passieren wird. Da man kein effektives System für Menschenrechte und keine Aktionspläne hat, sondern nur den einen Mann im Weißen Haus, könnte alles Mögliche passieren.

Ein Ratschlag an die Fans?

Trump gibt vor, für Frieden zu stehen, obwohl das nicht der Fall ist. Der Fußball muss endlich davon ablassen, auf diese Weise politisiert zu werden, und stattdessen ein Menschenrechts-Rahmenwerk schaffen, das er tatsächlich umsetzt. Und man darf nicht vergessen, dass Fußball für die Fans da ist. Ich halte das für sehr wichtig. Sie sind nicht hilflos. Nichts zwingt sie dazu, angesichts der MAGA-isierung ihres Sports zu schweigen.

Viele tragen in den Staaten bereits ein beliebtes T-Shirt mit der Aufschrift „Fuck ICE“, was auch bei den Spielen auftauchen dürfte. Aber die Shirts müssen wohl vor dem Betreten der Stadien ausgezogen werden, denn sie zeigen eine politische Botschaft. Das Gleiche gilt für Regenbogen-Shirts. Aber was ist zum Beispiel mit MAGA-Hüten? Die dürften eigentlich auch nicht getragen werden, aber werden wahrscheinlich erlaubt, weil alles von Donald Trump abhängt.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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