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Startseite»Politik»Eurovision Song Contest: Zwischen Boykott und möglichem Comeback
Politik

Eurovision Song Contest: Zwischen Boykott und möglichem Comeback

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 13, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.05.2026 • 16:27 Uhr

Die Teilnahme Israels hat Slowenien dazu bewogen, den diesjährigen ESC zu boykottieren. Auch Ungarn und Bosnien-Herzegowina sind beim Songcontest nicht dabei – aus anderen Gründen.

Oliver Soos

Slowenien ist eines von fünf Ländern, die den diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC) wegen der Teilnahme Israels boykottieren. Natalija Gorščak ist die Vorstandsvorsitzende des slowenischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie bezeichnet Israel als „Aggressorstaat“, obwohl dem Gazakrieg ein Angriff der Hamas vorausgegangen war.

Als öffentlich-rechtlicher Sender müsse man den Standpunkt vertreten, dass Aggressorstaaten „nichts beim ESC zu suchen haben“, sagt Gorščak. „Es geht um das, was im Gazastreifen passiert ist und um den Libanon, der ja auch Ziel von israelischem Beschuss ist.“

Vorwurf der Einmischung von Israels Regierung

Den Einwand, dass beim ESC weder die israelische Regierung, noch das israelische Militär teilnehme, sondern nur der unabhängige öffentlich-rechtliche Rundfunk, weist Gorščak zurück: „Die israelische Regierung hat in dieser Woche einen Tweet bei X veröffentlicht und geschrieben, dass Israel teilnimmt.“

Auch als die Teilnahme Israels durch die Europäische Rundfunkunion EBU bestätigt wurde, habe die israelische Regierung reagiert, so die Vorstandsvorsitzende. „Dagegen hält sich unsere slowenische Regierung wirklich heraus. Sie hat sich nie zu unserem Boykott geäußert. Wir sind ein wirklich unabhängiger öffentlich-rechtlicher Rundfunk“, sagt Natalija Gorščak.

ESC wird nicht ausgestrahlt

Slowenien verzichtet nicht nur auf seine ESC-Teilnahme. Die Veranstaltung wird auch nicht im slowenischen Fernsehen gezeigt. Stattdessen wird eine Sendereihe mit dem Titel „Stimmen Palästinas“ ausgestrahlt. „Es geht um Fragen des Zusammenlebens in Gaza und im Westjordanland“, erklärt Gorščak.

Sie betont jedoch auch, dass jedes Jahr während der Holocaust-Gedenkwoche, Sendungen zum Thema Holocaust ausgestrahlt würden. „Unser ESC-Boykott richtet sich nicht gegen das israelische Volk, sondern gegen die Politik des israelischen Staates“, betont die Chefin des slowenischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Ambivalente Reaktionen in der Bevölkerung

In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana gibt es überwiegend Verständnis für diese Haltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eine Passantin sagt: „Ich finde, dass kein Land, in dem Menschen sterben, teilnehmen sollte. Tut mir leid, aber es muss erst Frieden geben.“ Ein junger Mann stimmt ihr zu: „Ich finde es völlig in Ordnung, dass wir nicht teilnehmen, wenn wir nicht damit einverstanden sind, wie sich Israel im Nahen Osten verhält. Die Moral sollte an erster Stelle stehen.“

Eine junge Frau hingegen ist sich nicht so sicher, was sie vom Boykott halten soll: „So viele Länder haben sich entschieden teilzunehmen. Das hätten wir vielleicht auch tun sollen. Wir haben den ESC immer geschaut und wir werden ihn auch dieses Mal auf irgendeiner Plattform anschauen, aber es wird schon komisch sein ohne Slowenien.“

ESC-Comeback in Ungarn?

Ungarn ist schon seit sechs Jahren nicht mehr beim ESC dabei – aber aus anderen Gründen. Die staatliche ungarische Medienholding, die bis zur Parlamentswahl vor einem Monat von der rechtspopulistischen Orban-Regierung kontrolliert wurde, sprach damals von „fachlichen Gründen“.

Andere regierungsnahe Medien bezeichneten den ESC als „zu schwul“. Der Chefredakteur der Wochenzeitung Demokrata, Andras Bencsik, gilt als einer der wichtigsten Fidesz-Propagandisten. Er sagte damals, der ESC sei zu einer „homosexuellen Flotten-Demonstration verkommen.“

„Ich finde es gut, dass wir nicht mehr teilnehmen, das ist gut für unsere psychische Gesundheit“, so Bencsik damals. „Kreischende Transvestiten und bärtige Weiber wollten den guten Geschmack der Öffentlichkeit ruinieren.“

Mit dem neuen europafreundlichen ungarischen Regierungschef Peter Magyar könnte sich alles wieder ändern – zumindest klang es bislang so: „Lasst uns beim ESC antreten“, sagte Magyar. „Wenn das in die Zuständigkeit der Regierung fällt, werden wir antreten.“

Bosnien-Herzegowina fehlt Geld für den ESC

Bosnien-Herzegowina nimmt seit zehn Jahren nicht mehr am ESC teil. Das würde der öffentlich-rechtliche Rundfunk zwar gerne ändern, doch er kann sich die Teilnahme nicht leisten. Denn er streitet sich seit Jahren mit dem RTRS, dem Rundfunk der Republika Srpska, dem serbisch-dominierten Landesteil von Bosnien-Herzegowina, um Geld.

Dieser verstoße seit 2017 gegen das Gesetz, sagt Lajla Babović, Mitglied der Direktion des bosnischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. „Der RTRS darf nur 25 Prozent der in Bosnien eingezogenen Rundfunkgebühren behalten. Den Rest muss er dem Rundfunk des Gesamtstaats Bosnien-Herzegowina zuführen.“ Doch das passiere nicht, so Babović: „Der RTRS schuldet dem Rundfunk Bosnien Herzegowinas umgerechnet 52 bis 53 Millionen Euro.“

Babović klingt ziemlich frustriert, wenn sie erzählt, warum Bosnien-Herzegowina nicht dabei sein kann. Ihre slowenische Kollegin klingt hingegen fest entschlossen, dass es so richtig sei. Und bei Ungarn kann es gut sein, dass es im kommenden Jahr ein ESC-Comeback geben wird.

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