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Startseite»Politik»Katholikentag: Wie kann die Kirche relevant bleiben?
Politik

Katholikentag: Wie kann die Kirche relevant bleiben?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 13, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.05.2026 • 14:52 Uhr

Beim Katholikentag will eine kleiner werdende Kirche als politische Stimme hörbar bleiben. Im Mittelpunkt stehen Demokratie, soziale Fragen und der Reformkurs. Dämpfer kamen zuletzt vom Vatikan.

Von Christian Wölfel, BR

Beim 104. Deutsche Katholikentag in Würzburg unter dem Motto „Hab Mut, steh auf“ trifft eine Kirche im Schrumpfmodus auf eine Gesellschaft in Dauerkrise. Gerade deshalb ist die Botschaft des größten Treffens katholischer Laien in Deutschland nach innen wie nach außen gerichtet: Ermutigung für eine Demokratie unter Druck – und Aufforderung an eine verunsicherte Kirche, sich nicht in sich selbst zu verkriechen.

Gerade Gastgeber Bischof Franz Jung weiß, wie begrenzt der Einfluss der Kirche inzwischen ist. Für ihn ist klar, dass ein Katholikentag angesichts kontinuierlich sinkender Mitgliederzahlen weniger starke Akzente setzen kann als früher. Trotzdem sei es entscheidend, „in der Gesellschaft als Kirche Gesicht zu zeigen“ – und sich den Fragen der Menschen zu stellen.

„In Kontakt mit den Menschen kommen“

Was das konkret heißt, will Jung in seinem Bistum mit dem Projekt „Sozialraumorientierung“ zeigen. Kirche dürfe nicht bei sich selbst stehen bleiben. „Kirche ist nicht nur Gottesdienst feiern im eigenen engen Raum, sondern Kirche muss in den Kontakt mit den Menschen, mit den Nöten ihrer Umgebung kommen.“ Gerade jetzt, wo Gemeinden kleiner werden und die Gefahr bestehe, „dass man so schön verkernt, also sich nur noch um die eigenen Belange dreht“, brauche es eine neu eingeübte „Außenperspektive“.

Diese Sichtweise spiegelt sich auch in einem bisher einmaligen Projekt auf einem Katholikentag: der Demokratiekirche. Sie wird nicht allein vom Bistum Würzburg organisiert. Die Kirche hat bewusst die Kooperation mit der Jugendbildungsstätte Unterfranken gesucht – einem Player der Zivilgesellschaft. Mit Workshops und Mitmach-Formaten soll gezeigt werden, wie Kirche zur Stärkung der Demokratie beitragen kann.

Steinmeier bei Eröffnung, Merz diskutiert

Dass diese unter Druck steht, betont auch die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp. Sie erhofft sich, dass von Würzburg eine starke Stimme ausgeht. Für Aufmerksamkeit sorgen jedenfalls prominente Gäste aus der Politik.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt zur Eröffnung und wird am Donnerstag ein eigenes Podium zu Demokratie und Ehrenamt bestreiten. Am Freitag will Bundeskanzler Friedrich Merz mit Jugendlichen über Zukunftsfragen diskutieren. Außerdem werden weitere Bundesministerinnen und -minister sowie Prominente aus Gesellschaft und Kultur erwartet, etwa Klimaaktivistin Luisa Neubauer oder Entertainer Harald Schmidt.

Angespanntes Verhältnis zum Vatikan

Aus dem Vatikan reist Kurienkardinal Mario Grech an, dort verantwortlich für den Reformprozess der Weltsynode. Doch ausgerechnet bei der Frage nach Veränderungen in der Kirche ist die Stimmung zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und der Zentrale in Rom in den vergangenen Wochen merklich angespannter geworden. Grund ist der Streit um formalisierte Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, aber auch für wiederverheiratete Geschiedene.

Unter Papst Franziskus wurden solche Segnungen zwar grundsätzlich erlaubt, sollten aber ohne große Liturgie stattfinden, eher „nebenbei“. In Deutschland haben Bischöfe und Laienvertreter dagegen eine eigene Handreichung mit Vorschlägen für gestaltete Feiern entwickelt. Das kommt in Rom nicht gut an, wie zuletzt auch Papst Leo XIV. auf seinem Rückflug von seiner Afrikareise deutlich gemacht hat.

Weiterer Dämpfer für Reform-Befürworter

Bereits am Dienstag gab es einen weiteren Dämpfer für die Hoffnungen reformfreudiger Katholikinnen und Katholiken. Eigentlich sollte im November ein neues Gremium starten, die sogenannte Synodalkonferenz. In ihr wollen Bischöfe und Laien künftig dauerhaft über zentrale Fragen beraten.

Doch die dafür nötige Satzung hat der Vatikan noch nicht anerkannt. Daher muss das erste Treffen abgesagt werden, wie der ZdK-Vizepräsident Christian Gärtner in Würzburg sagte. Es brauche also wieder einmal Geduld mit Rom. Mit Blick auf weitere Reformen legt Gärtner der Spitze der Weltkirche das Motto des Katholikentags ans Herz: „Habt Mut, steht auf.“

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Dr. Heinrich Krämer
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