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Dreamteam Engelke und Pastewka: „Man sollte nicht immer dem ersten Impuls folgen“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 14, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Dreamteam Engelke und Pastewka„Man sollte nicht immer dem ersten Impuls folgen“

14.05.2026, 16:35 Uhr Interview: Nicole Ankelmann
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Anke Engelke und Bastian Pastewka bei der Premiere von „Glennkill: Ein Schafskrimi“ in Berlin. (Foto: picture alliance / Eventpress)

In der deutschen Comedy gelten Anke Engelke und Bastian Pastewka als absolute Koryphäen. Kann man dann auch noch beide gemeinsam für ein Projekt begeistern, ist das quasi der Hauptgewinn. Jetzt leihen sie in der animierten Krimi-Komödie „Glennkill: Ein Schafskrimi“ zwei wolligen Protagonisten ihre Stimme. Im Interview mit ntv.de sprechen die zwei über die Besonderheiten der Synchronarbeit und welche wichtige Botschaft sie für sich aus dem Film ziehen.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie gehört haben, dass „Glennkill“ verfilmt wurde? Kannten Sie das Buch von 2005?

Anke Engelke: Wir kannten das Buch nicht, aber ich kann wohl für uns beide sprechen: Wir waren sofort interessiert – auch als wir hörten, dass der jeweils andere mitmacht – und haben dann den kompletten Film im englischen Original gesehen. Es hilft sehr, wenn man weiß, wie die Geschichte ist, was die Figuren denken, fühlen, tun. Das fürs Synchronisieren übersetzte Dialogbuch allein reicht da nicht. Man muss so einen Film konzentriert sehen und verstehen. Wir waren beide sofort begeistert.

Was macht für Sie „Ihre“ beiden Schafe – Lily und Mopple – so besonders?

Bastian Pastewka: Lily und Mopple sind Herdenschafe und die können in unserem Film erstaunlicherweise sprechen. Lily – das ist die Rolle von Julia Louis-Dreyfus im Original, Anke Engelke auf Deutsch – ist die Mutigste. Sie will einen seltsamen Mordfall aufklären, aber auch verstehen, wer sie ist. Und Mopple, im Original gesprochen von Chris O’Dowd, ist das gemütliche Schaf. Aber er hat einen Vorteil: sein Gedächtnis ist scharf. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die schnell vergessen und am nächsten Morgen denken: „Ach, was für ein schöner neuer Tag“, ist ihm klar, dass zu jeder Zeit Ungemach drohen kann. Mopple hat Erfahrungswerte. Er kann damit punkten und zur Vorsicht raten.

Ist das Vergessen auf Knopfdruck etwas, worum Sie die Film-Schafe beneiden? Es wäre im Leben doch manches Mal hilfreich, wenn man das könnte.

Engelke: Ja, bestimmt bei Liebeskummer oder einem Gespräch, das falsch gelaufen ist. Oder auch bei einer Entscheidung, die falsch getroffen wurde. Wir leben alle vorwärts, geradeaus, verstehen allerdings vieles erst über beim Blick in den Rückspiegel, in der Rückschau. Und in meinem Fall muss ich sagen: Die Dinge, die ich im ersten Moment hätte vergessen wollen – nach einem Tag oder einer Woche – waren im Rückblick entscheidend für meine Weiterentwicklung. Ich möchte das meiste nicht missen. Manchmal werde ich mit beruflichen Dingen konfrontiert wie „Die Late Night war doch ein Flop“ oder mit einzelnen Auftritten, Entscheidungen. Doch alles war wichtig, alles war richtig. Ich könnte jetzt nicht zehn Dinge aufzählen, die ich gern vergessen würde.

Und wirklich helfen würde das sowieso nur, wenn alle anderen die Sachen ebenfalls vergessen.

Pastewka: Genau, das ist der entscheidende Punkt. Nur weil man selbst etwas wegpacken kann, heißt das nicht, dass die anderen es auch vergessen. Und einem selbst geht es ja auch nicht besser. Man ist schließlich der Mensch, der man ist, weil man Erfahrungen gemacht hat, gute wie schlechte. Und wir reden jetzt nur über unseren Alltag. Bei Menschen, die wirklich harte Schicksale erlebt haben – Krankheit, Krieg, Traumata -, ist das natürlich noch einmal etwas ganz anderes. Die müssen mit solchen Erfahrungen ihr Leben lang umgehen.

Hat sich durch die Arbeit an „Glennkill“ Ihr Blick auf Schafe oder generell der Umgang mit Tieren verändert?

Engelke: Die Frage ist berechtigt. Man stellt sie sich ja nicht nur nach so einem Film, sondern auch nach Reportagen oder Gesprächen über das Thema. Wie lebt man richtig? Am Ende muss das jeder für sich selbst entscheiden, es ist eine sehr individuelle Frage. Doch gerade in diesem Land werden Veränderungen oft als Verzicht verstanden. Ich sehe das anders: Wenn ich etwas verstehe und mein Verhalten daraufhin ändere, dann ist das für mich ein Gewinn, kein Verzicht. Aber vielleicht habe ich auch einfach Glück mit meinem Charakter, weil ich Veränderungen nicht schlimm finde.

Pastewka: Und der Verzicht ist oft ein Verzicht auf Dinge, die uns eigentlich nicht guttun. Wenn wir das mal verstehen würden, wäre schon viel gewonnen. Nehmen wir Zigaretten oder Alkohol – Dinge, die uns früher mal als „cool“ verkauft wurden. Und trotzdem ist es immer noch so, dass Alkohol direkt irgendwo angeboten und man schief angeschaut wird, wenn man ihn ablehnt. Das wird besser, aber es ist noch nicht perfekt. Und man sieht, wie sich Dinge verändern können: Früher hatten beispielsweise viele Kinder Aquarien, aber nach „Findet Nemo“ wollten sie ihre Fische „befreien“. Vielleicht kann auch „Glennkill“ so ein kleiner Impuls sein.

Sie zwei sind ein sehr eingespieltes Team. Ist das bei einem Synchron-Job hilfreich – oder steht es Ihnen auch schon mal im Weg?

Engelke: Das Verrückte ist: Wir standen nicht einmal zusammen im Studio. Beim Synchronisieren ist es technisch sinnvoller, wenn jede Stimme einzeln aufgenommen wird. Früher war das anders, da standen mehrere Leute gleichzeitig zusammen am Mikrofon. Das passiert heute nur in Ausnahmefällen, oder – so wie bei uns – zum Spaß für ein paar lustige Fotos und Clips.

Ist das nicht auch ein bisschen traurig?

Engelke: Es ist auf jeden Fall effizienter so. Und wenn wir Spaß haben wollen, treffen wir uns eben privat. Wir möchten ungern die Zeit anderer verplempern.

Pastewka: Mir fällt Synchronschauspielen nicht leicht. Ich beneide die Naturtalente. Manche Profis hören das Original und treffen den Take sofort perfekt. Die schauen kurz drauf – und es stimmt. Beneidenswert.

In „Glennkill“ geht es um Gemeinschaft, Freundschaft, Ausgrenzung und auch um den Tod. Was ist für Sie die wichtigste Botschaft des Films?

Engelke: Genauer hinzuschauen und nicht dem ersten Impuls zu folgen, zum Beispiel. Also, jemanden nicht vorschnell auszuschließen oder Dinge einfach so weiterzumachen, wie man es immer getan hat. Manchmal lohnt sich der zweite Blick – auch auf das Winterlamm: Warum wird es ausgeschlossen? Lass uns noch mal hinschauen. Fragen stellen und auch die eigenen Entscheidungen hinterfragen. Das finde ich eine sehr sind doch gute und interessante Überraschungen in einem Film, der Krimi und Komödie zugleich ist.

Pastewka: Dem schließe ich mich vollkommen an.

Mit Anke Engelke und Bastian Pastewka sprach Nicole Ankelmann

„Glennkill: Ein Schafskrimi“ läuft ab sofort in den deutschen Kinos.

Quelle: ntv.de

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