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Startseite»Nachrichten»Einfallstor Hafen: Wie Zollbeamte Drogen auf die Spur kommen
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Einfallstor Hafen: Wie Zollbeamte Drogen auf die Spur kommen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 16, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Einfallstor HafenWie Zollbeamte Drogen auf die Spur kommen

Zollbeamte kontrollieren auf dem Gelände des Container-Terminals Bremerhaven den Inhalt von importierten Containern. (Foto: Sina Schuldt/dpa)

Zwischen Bananen, unter doppelten Böden oder in präparierter Ware: Wie Kriminelle Drogen nach Deutschland schmuggeln – und der Zoll ihnen auf die Schliche kommt.

Was verbirgt sich in den Containern: Wirklich nur Medikamente oder doch Kokain? Lia schnüffelt an einer silberfarbenen Metallbox, mit der Luft aus dem Inneren der Container abgesaugt wird. Plötzlich verharrt die Hündin wie eingefroren – und schlägt so Alarm.

Diesmal waren es nur zwei Wattepads mit Spuren von Kokain, die ein Zoll-Mitarbeiter als Test in die Metallbox gepackt hat. Doch oft stoßen die Einsatzkräfte tatsächlich auf Kokain oder Marihuana. „Der Hafen ist ein Einfallstor für den Drogenschmuggel nach Europa“, sagt Volker von Maurich vom Hauptzollamt Bremen.

Rund eine Tonne Kokain stellt der Bremerhavener Zoll Jahr für Jahr im Hafen sicher – mal auch deutlich weniger, mal dafür mehr. „Das war vor 2017 eine undenkbar hohe Menge und ist jetzt fast schon zur Normalität geworden“, sagt von Maurich. Inzwischen werde deutlich mehr Kokain produziert und mit Schiffen hierher geschmuggelt.

PRODUKTION-10-04-2026-Bremen-Bremerhaven-Ein-Rauschgiftspuerhund-des-Zolls-kontrolliert-die-abgesaugte-Luft-aus-einem-Container-auf-dem-Gelaende-vom-Container-Terminal-Bremerhaven
Ein Rauschgiftspürhund des Zolls kontrolliert die abgesaugte Luft aus einem Container. (Foto: Sina Schuldt/dpa)

Etwa 70 Prozent des Kokains in Europa kommt nach Schätzungen in den Häfen an. Versteckt in der Kühlung von Containern, zwischen Bananen oder in Hohlräumen von Schiffen unterhalb der Wasserlinie. Das weiße Pulver wird so aus Südamerika – insbesondere aus Ländern wie Kolumbien, Peru oder Brasilien – bis nach Antwerpen, Rotterdam, Hamburg oder Bremerhaven transportiert.

Wie die Beamten die Container auswählen

Wie viele Drogen tatsächlich über die Häfen nach Europa kommen, weiß niemand so genau. Die Einsatzkräfte können nur Stichproben machen. Noch bevor die Schiffe im Hafen festmachen, wählen sie besonders verdächtige Container aus. „Wir schauen uns an: Wo kommt der Container her?“, erklärt von Maurich. Ins Visier geraten vor allem Waren aus Südamerika.

Nach welchen Kriterien der Zoll am Ende entscheidet, verrät er nicht. Nur so viel: Die Auswahl der Container basiert auf Vorschlägen eines technischen Systems und auf der Erfahrung der Beamten. Bei aller Routine sei es wichtig, immer wieder zu variieren. „Es darf nicht zu eingefahren sein“, meint der Sprecher des Hauptzollamts Bremen. Ansonsten könnten die Kriminellen ihre Methoden darauf abstimmen. Manchmal bekommt der Zoll aber auch anonyme Tipps aus der Szene.

Wettrennen mit den Schmugglern

Wenn die Container im Hafen sind, muss es schnell gehen. Die Beamten liefern sich ein Wettrennen mit den Kriminellen, die den Drogen auf der Spur sind. „Es ist unsere Aufgabe, schneller zu sein“, sagt von Maurich. Mit Leiter, Akkuschrauber und Taschenlampe machen sich die Beamten ans Werk, schrauben die Abdeckung der Kühlung auf und suchen nach Kokain.

Dann brechen sie den Container mit einer Zange auf – doch auch hier nichts Verdächtiges. „Man muss manchmal schon lange suchen, um Erfolg zu haben“, räumt von Maurich ein. „Es kann tatsächlich sein, dass man monatelang nichts findet.“

Wo die Drogen versteckt sind

Die Kriminellen arbeiten mit unterschiedlichen Methoden. Kokain wird oft nach dem sogenannten Rip-on/Rip-off-Verfahren geschmuggelt: Drogenkartelle verstecken die Ware dafür direkt hinter der Tür eines Containers oder auf der Rückseite bei den Kühlaggregaten. So können Helfer – meist Mitarbeiter im Zielhafen – die Drogen schnell an sich nehmen.

Die Hafenarbeiter werden dafür gezielt von den Kartellen angesprochen. Der Zoll warnt davor, sich auf die kriminellen Machenschaften einzulassen. Beim ersten Mal gebe es viel Geld, doch dann haben die Kriminellen einen in der Hand. „Diese Täter sind ja nicht zimperlich“, betont von Maurich. „Sie wissen, wo jemand seine Schwachstelle hat. Und das kann auch im familiären Umfeld sein.“

Wenn die Drogen erst außerhalb des Hafengeländes abgeholt werden sollen, werden sie von den Kriminellen besser versteckt – etwa in einem doppelten Boden des Containers oder die Waren im Container werden entsprechend präpariert. So entdeckte der Zoll Bremerhaven vor ein paar Jahren mehr als eine Tonne Kokain in einem Hohlraum von Rigipsplatten.

Container werden geröntgt

Solche Verstecke sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Wenn der Zoll einen Verdacht hegt, wird der Container geröntgt. Dafür fährt ein spezieller Lastwagen mit einem ausgefahrenen Arm im Schritttempo am Container entlang. „Verglichen mit den Röntgenbildern beim Arzt ist die Strahlung deutlich höher und gesundheitsschädlich“, sagt ein Mitarbeiter der Abteilung.

Die Bilder ploppen wenige Sekunden später auf den Bildschirmen des Zolls auf und sind für Laien ähnlich kryptisch wie Röntgenaufnahmen beim Arzt. „Man muss auch ein bisschen Vorstellungskraft haben: Wie sieht eigentlich die Ware aus?“, meint der Zoll-Mitarbeiter.

PRODUKTION-10-04-2026-Bremen-Bremerhaven-Zollbeamte-zeigen-auf-einem-Bildschirm-eine-Aufnahme-die-mithilfe-einer-mobilen-Roentgenanlage-von-einem-Container-gemacht-wurde-um-dessen-Inhalt-zu-ueberpruefen-Auf-der-Aufnahme-ist-zu-sehen-dass-in-dem-Bananen-Container-Drogen-versteckt-wurden
Mithilfe einer mobilen Röntgenanlage werden Bilder von Containern angefertigt. Auf dieser Aufnahme ist zu sehen, dass in dem Bananen-Container Drogen versteckt wurden. (Foto: Sina Schuldt/dpa)

Das Team sucht nicht nur nach Drogen, sondern auch nach unversteuerten oder verbotenen Waren wie Waffen. Dabei kommen erstaunliche Funde zutage – etwa ein versteckter Panzer in einem privaten Umzugscontainer.

Wenn es brenzlig wird

Wenn die Beamten auf eine größere Menge Drogen stoßen, wird es brenzlig. „Wir wissen, dass wir beobachtet werden bei unserem Tun“, sagt von Maurich. Je größer der Fund ist, desto größer ist auch dessen Wert – und das Interesse der Kriminellen, die Ware wieder an sich zu reißen. Die Einsatzkräfte rufen dann sofort nach Verstärkung. „Klassischerweise sind die Kollegen mit einer Pistole ausgerüstet“, sagt der Sprecher. „Aber in solchen Einsatzlagen haben wir dann auch eine Maschinenpistole dabei.“

Die Ermittlungen übernimmt die Zollfahndung in Hamburg. Die sichergestellten Drogen seien ein wichtiges Beweismittel, sagt von Maurich. „Wenn das Verfahren beendet ist, dann wird das Betäubungsmittel vernichtet.“

Quelle: ntv.de, Mirjam Uhrich, dpa

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