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Politik

Warum Samsung ein historischer Generalstreik

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 20, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 20.05.2026 • 10:26 Uhr

Im Tarifstreit bei Samsung Electronics steht ein historischer Generalstreik bevor. Wenn 48.000 Beschäftigte die Arbeit niederlegen, könnte das sogar Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Dem südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung steht ein historischer Arbeitskampf ins Haus: Rund 48.000 gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter haben einen 18-tägigen Generalstreik angedroht. Der für morgen geplante Streik wäre der mit Abstand größte in der Konzerngeschichte.

Im Zentrum des Konflikts stehen Bonuszahlungen. Samsung Electronics hat im ersten Jahresquartal dank dem anhaltenden KI-Boom den höchsten Gewinn seit Unternehmensgründung erzielt. Der Betriebsgewinn für den Zeitraum Januar bis März beträgt 57,2 Billionen Won (umgerechnet knapp 33 Milliarden Euro) – in etwa das Achtfache des Vorjahreszeitraums. Fast 94 Prozent des Gesamtgewinns stammen aus der Halbleitersparte.

Gewinne gerecht verteilen?

Die Frage, die nun nicht nur innerhalb des Unternehmens, sondern auch in der südkoreanischen Öffentlichkeit hitzig debattiert wird: Wie sollen die Gewinne fair aufgeteilt werden? Die Gewerkschaft fordert, dass 15 Prozent des jährlichen Betriebsgewinns des Unternehmens als Boni ausgeschüttet werden – und zwar dauerhaft. Derzeit sind die Boni der Mitarbeiter auf 50 Prozent des Grundgehalts begrenzt.

Aufgrund der historisch hohen Profite handelt es sich um enorme Summen. Basierend auf einem prognostizierten Gewinn von etwa 300 Billionen Won für das Jahr 2026 (umgerechnet etwa 171 Milliarden Euro) würden die Gewerkschaftsforderungen einem durchschnittlichen Jahresbonus in Höhe von rund 350.000 Euro pro Mitarbeiter entsprechen. Die Summen würden allerdings nur an die Belegschaft der Halbleiter-Sparte fließen.

Schlichtung gescheitert

Samsung lehnt eine langfristige Festschreibung der Bonuszahlungen ab. Der Konzern argumentiert, dass die Halbleiterbranche starken Schwankungen unterliege und man sich aufgrund der zyklischen Volatilität nicht langfristig auf hohe Bonuszahlungen einlassen wolle. Ebenso betont das Management, dass man hohe Summen für Investitionen bereithalten müsse, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch würden hohe Boni an die Halbleiter-Belegschaft Spannungen mit anderen Konzernabteilungen erzeugen, die deutlich geringere Auszahlungen erhalten.

Bei den bisherigen Tarifverhandlungen gab es kaum Annäherung. Der staatliche Schlichter Park Su-keun äußerte am Morgen sein Bedauern über den Ausgang der Verhandlungen. Die beiden Parteien hätten ihre Differenzen bei zwei oder drei Themen nicht überwinden können, sagte er vor Journalisten, ohne weitere Details zu nennen.

Während mehrerer Verhandlungsrunden soll das Samsung-Management seinen Mitarbeitern Kompromissvorschläge unterbreitet haben, die jedoch deutlich unter den Kernforderungen der Gewerkschaft geblieben seien. Laut Medienberichten wäre Samsung dazu bereit, bis zu zehn Prozent seines Betriebsgewinns als Jahresboni auszuzahlen – jedoch nur für maximal drei Jahre und unter der Bedingung, dass die Halbleitersparte des Unternehmens bestimmte Gewinnschwellen überschreitet.

Folgen für die Weltwirtschaft

Ein Streik bei dem südkoreanischen Konzern würde die weltweiten Lieferengpässe bei Halbleitern verschärfen. Der Konzern ist der weltgrößte Anbieter von Speicherchips und ein wichtiger Auftragsfertiger. Die Zahl der Streikenden entspricht etwa 38 Prozent der Konzernbelegschaft in Südkorea. Die südkoreanische Zentralbank schätzt in einem internen Bericht, dass der Generalstreik bei Samsung das Wirtschaftswachstum des Landes für dieses Jahr um 0,5 Prozentpunkte ausbremsen könnte. Demzufolge würden sich die potenziellen Verluste auf rund 20 Milliarden US-Dollar belaufen, wie Südkoreas amtliche Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Auch die US-Handelskammer in Südkorea äußerte eine Warnung, in der es hieß, der Streik könne globale Lieferketten unterbrechen und Südkoreas Ruf als verlässlichen Technologie- und Produktionsstandort beschädigen. Tatsächlich gibt es bereits jetzt Engpässe bei der Chipproduktion, da die weltweite Nachfrage nach Halbleitern das Angebot deutlich übersteigt.

Nach einem Gerichtsurteil muss in einigen Werken jedoch eine Notbesetzung den 24-Stunden-Betrieb aufrechterhalten. Samsung zufolge sind hierfür etwa 7.100 Personen notwendig. Wegen der überragenden Bedeutung Samsungs für die südkoreanische Wirtschaft kann die Regierung in Seoul eine Zwangsschlichtung einleiten. Die Regierung sei offen für eine Wiederaufnahme des Schlichtungsverfahrens, sollten Samsung und die Gewerkschaft dies beantragen, hieß es.

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