Wegen der wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs hat die EU-Kommission ihre Wachstumsvorhersage für Deutschland deutlich gesenkt. Leichte Besserung ist Experten zufolge erst 2027 in Sicht – aber nur unter Bedingungen.
Wegen der hohen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs hat die Europäische Kommission ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland im Jahr 2026 halbiert. In ihrer am Donnerstag veröffentlichten Frühjahrsprognose erwartet die Brüsseler Behörde einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um lediglich 0,6 Prozent. Zudem erwartet die Behörde einen Anstieg der Inflation im Euroraum auf drei Prozent 2026.
Auch in der Europäischen Union insgesamt dürfte die Entwicklung schwächer verlaufen als gedacht. Hier senkte die EU-Kommission die Wachstumsprognose von 1,4 Prozent auf 1,1 Prozent. Für die 21 Staaten der Eurozone wurde sie auf 0,9 Prozent reduziert.
Anstieg der Energiepreise raubt Konjunktur den Schwung
Bis zum Kriegsbeginn Ende Februar sei man von einem moderaten Wachstum und einem Rückgang der Inflation ausgegangen, heißt es in der Mitteilung der Kommission. Wegen des starken Anstiegs der Energiepreise verliere die Wirtschaftstätigkeit an Schwung, die Inflation steige.
Die Wirtschaft der EU sei besonders anfällig für den durch den Konflikt im Nahen Osten verursachten Energieschock, heißt es in der Mitteilung. Seit Beginn des Iran-Kriegs kam es zu Preissprüngen etwa bei Öl und Gas. Grund ist die faktische Blockade der Straße von Hormus, die für die weltweite Energieversorgung wichtig ist.
Leichte Verbesserung ab 2027 in Sicht
Die Bundesregierung hatte ihre Erwartungen schon Ende April halbiert. Sie rechnet in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,5 Prozent. Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) senkte seine Prognose und erwartet nun noch ein Wachstum der deutschen Wirtschaft von 0,4 Prozent.
Eine leichte Verbesserung der Lage erwartet die EU-Kommission im Jahr 2027, sofern sich die Lage auf den Energiemärkten bis dahin entspanne.
