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USA: Satiriker Stephen Colbert lüftet Geheimnis um letzten Gast

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 22, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Schluss für „Late Show“US-Satiriker Colbert lüftet Geheimnis um letzten Gast

Der US-Comedian Stephen Colbert setzte Standards im Late-Night-Fernsehen. (Foto: CBS via Getty Images)

Er zählt zu den schärfsten Kritikern des US-Präsidenten Donald Trump – jetzt verschwindet er von der Bildfläche: Der US-Satiriker Stephen Colbert moderiert seine letzte Late-Night-Show. Als Stargast begrüßt er eine Musiklegende und lässt einen Seitenhieb gegen den Sender nicht aus.

Beatles-Legende Paul McCartney ist als Stargast in die letzte Ausgabe der US-Late-Night-Show von Stephen Colbert gekommen. Der 83-Jährige sagte zu dem Late-Night-Talker: „Ich war gerade in der Gegend. Ich hatte ein paar Besorgungen zu erledigen.“ Er plauderte mit Colbert über frühere Auftritte, dann wurde es ein stückweit politisch. McCartney sagte auf Colberts Frage, wie der Brite Amerika vor Jahrzehnten bei Auftritten wahrgenommen habe: „Als das Land der Freiheit, die größte Demokratie.“ Er schob nach – „hoffentlich ist es das immer noch.“

Für die Musik- und Fernsehgeschichte schloss sich mit McCartneys Auftritt ein Kreis: Er trat gemeinsam mit Jon Batiste – der von 2015 bis 2022 als Bandleader und musikalischer Leiter der „Late Show“ fungierte – mit dem Song „Hello, Goodbye“ auf. Der Auftritt fand in demselben Theater statt, in dem die Beatles 1964 ihr Debüt in der „Ed Sullivan Show“ gegeben hatten.

Colbert hatte die „Late Show“ 2015 von David Letterman übernommen, der sie 1993 gestartet hatte. Im vergangenen Sommer hatte der TV-Sender CBS überraschend angekündigt, die Show abzusetzen, offiziell aus „rein finanziellen Gründen“. Branchenkenner vermuten, dass der Sender aus Rücksicht auf US-Präsident Donald Trump gehandelt habe, der in der Sendung immer wieder scharf kritisiert wurde. So lässt Colbert auch einen Seitenhieb gegen den Sender nicht aus: Während der Show ließ der Satiriker seine Band lizenzierte Musik spielen. „Ich hoffe, das kostet CBS kein Geld“, sagt er scherzhaft – wohl wissend, dass der Sender nun mit einer hohen Summe zu rechnen hat.

Zu Beginn der Sendung betonte Colberg zudem: „Das ist kein Abschied, sondern ein ‚bis bald'“. Das Aus für die Show wurde zuvor jedoch als endgültig kommuniziert. Colberts Sendung ist mit durchschnittlich rund 2,5 Millionen Zuschauern zwar die beliebteste Late-Night-Show der USA. Wahr ist aber auch: Die US-Satiriker verlieren Publikum, viele junge Leute sind zu TikTok und Co. abgewandert.

Für Trump ist Colbert ein Dorn im Auge

Colbert ist einer der scharfzüngigsten Trump-Kritiker der USA. Wenn der 79-jährige Präsident im Oval Office einnickt, hüftsteif zur Hymne „Y.M.C.A“ tanzt oder Online-Netzwerke mit einem „Wasserfall paranoiden Wahnsinns“ (Colbert) flutet, ist das ein fruchtbares Feld für Satire. Trump hält selbst humorvolle Kritik allerdings für eine Art Majestätsbeleidigung. Für Colbert liegt deshalb nahe: Sein Arbeitgeber CBS hat die „Late Show“ gecancelt, um den Präsidenten zu besänftigen. Der CBS-Mutterkonzern Paramount stand unter Druck: Er brauchte die Zustimmung der US-Regierung, um seine acht Milliarden Dollar (rund 6,9 Milliarden Euro) schwere Fusion mit der Produktionsfirma Skydance durchzuziehen.

Offenbar vor demselben Hintergrund willigte CBS zudem ein, Trump im Rechtsstreit um ein Interview mit der demokratischen Vizepräsidentin Kamala Harris 16 Millionen Dollar zu zahlen. Trump hatte den Sender verklagt, weil seine Widersacherin Harris in dem zusammengeschnittenen Gespräch kurz vor der Präsidentschaftswahl 2024 angeblich zu positiv weggekommen sei. Colbert warf seinem Haussender „eine fette Bestechung“ Trumps vor. Drei Tage später wurde das Aus für die „Late Show“ bekannt. CBS bestreitet politische Motive und verweist auf Verluste von jährlich mindestens 40 Millionen Dollar.

„Ich finde es absolut fantastisch, dass Colbert rausgeworfen wird“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social und befeuerte damit die Spekulationen, er habe seine Hände im Spiel gehabt. Das Talent des Satirikers sei „noch geringer als seine Quoten“, ätzte der Präsident. Absurd findet Colbert Vorwürfe aus dem Trump-Lager, er sei ein „woker“ linker Satiriker. „Ich habe überhaupt kein Problem damit, dass Trump Republikaner ist“, sagte er kürzlich. „Mein Problem ist, dass Trump ein Narzisst ist, der nur in seinem eigenen Interesse handelt und dem es offenbar egal ist, ob die ganze Welt in Flammen aufgeht.“

Colbert gab auch Kollege Kimmel eine Bühne

Kurz vor Schluss hatte Colbert vier bekannte Satire-Kollegen zu Gast. Darunter Jimmy Kimmel, dessen seit 2003 laufende Show der Sender ABC im vergangenen September auf Eis legte, weil Kimmel das Trump-Lager nach dem Mord an dem Rechtsaußen-Influencer Charlie Kirk kritisiert hatte. Als Kimmel nach sechs Tagen weitermachen durfte, drohte der Präsident ABC mit einer Klage.

Vergangene Woche hatte Colbert zudem die Fernsehlegende David Letterman zu Gast. Der heute 79-Jährige moderierte die „Late Show“ von 1993 bis 2015 und inspirierte damit auch deutsche Formate. Als kleine Rache an CBS warfen Colbert und Letterman, der inzwischen einen weißen Rauschebart trägt, Einrichtungsstücke des Senders vom Dach des Ed-Sullivan-Theaters in New York, wo die Show aufgezeichnet wird.

Bekannt wurde Colbert ab 1997 als Mitarbeiter der „Daily Show“. Darauf folgte mit „The Colbert Report“ ab 2005 beim Sender Comedy Central seine eigene Sendung, bis er 2015 die „Late Show“ übernahm. Kurz nach seinem 62. Geburtstag am 13. Mai könnte sich Colbert nun zur Ruhe setzen oder ein anderes Format suchen, doch daran denkt er offenbar nicht. Er wolle mit seinem Sohn Peter lieber das Drehbuch eines neuen Herr-der-Ringe-Films schreiben, sagte er.

Vielleicht kandidiert Colbert 2028 aber auch selbst als US-Präsident, wie es sich einige Fans wünschen. Darüber flachste er kürzlich mit dem früheren Staatschef Barack Obama. In einem Seitenhieb gegen Trump sagte Obama, die Latte für das Präsidentenamt liege inzwischen nicht mehr so hoch. Colbert würde sich deshalb sicher „deutlich besser schlagen als andere Leute, die wir gesehen haben“.

Quelle: ntv.de, nbr/dpa/AFP

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