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Kampf ums All: Wie Satelliten zur Machtfrage werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 22, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.05.2026 • 11:07 Uhr

Ohne Satelliten läuft kaum noch etwas – weder im Alltag, noch im Krieg. Während die USA und China ihre Präsenz im All ausbauen, stört Russland Navigationssignale vor Europas Haustür. Deutschland versucht, aufzuholen und unabhängiger zu werden.

Von Jasmin Klofta, Constantin Scholz und Philipp Weimar

Lange war der Weltraum vor allem Bühne für spektakuläre Bilder: Raketenstarts, Mondlandung, Raumstationen. Heute helfen Satelliten bei Navigation, globaler Handel ist auf präzise Zeit- und Positionsdaten angewiesen, und selbst Stromnetze nutzen Signale zur Steuerung.

„Einen Tag ohne Satellitendienste würden wir sofort bemerken“, sagt Weltraumexpertin Juliana Süß von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Wer diese Infrastruktur kontrolliert, gewinnt Einfluss. Entsprechend investieren vor allem die großen Mächte in eigene Weltraumkapazitäten.

Stabile Zeitenlage

Neues Format für sicherheitspolitische Themen

Mit dem neuen Social‑Media‑Format STABILE ZEITENLAGE auf den tagesschau‑Kanälen bei YouTube und TikTok greift der NDR sicherheitspolitische Themen wie den Einsatz von KI in Konflikten auf. STABILE ZEITENLAGE arbeitet eng mit dem renommierten Podcast-Team „Streitkräfte & Strategien“ zusammen. Ziel ist es, Entwicklungen verständlich zu machen und Orientierung zu bieten, ohne die Risiken zu verharmlosen.

USA und China: Ausbau der Dominanz im All

An der Spitze stehen nach Einschätzung der Expertinnen und Experten die USA. „Wenn wir mal die Top 3 machen würden, dann sind die USA ganz klar ganz vorne“, sagt Süß. Historische Investitionen und eine starke militärische Abhängigkeit vom Weltraum hätten dazu geführt, dass die Vereinigten Staaten „immer noch ganz weit vorne“ seien. Dazu tragen tausende Satelliten privater Anbieter bei, etwa von Elon Musks SpaceX mit dem Starlink‑System.

Nun könnte SpaceX seine Rolle im Machtgefüge weiter ausbauen: Das Unternehmen bereitet den bislang größten Börsengang der Geschichte vor und könnte mit rund 1,75 Billionen Dollar bewertet werden. Beobachter rechnen damit, dass Elon Musk damit zum ersten Billionär der Welt aufsteigen könnte.

Entscheidend auch im Krieg

In aktuellen Konflikten, etwa gegen Iran, betonen US‑Militärs bereits die Rolle der Space Force: Weltraumüberlegenheit sei ein „entscheidender Faktor“, um gegnerische Fähigkeiten zu schwächen und eigene Streitkräfte zu schützen.

China hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv aufgeholt. „Da wurde eine sehr stabile Grundlage geschaffen, schon in den 90er Jahren“, sagt Süß. Seitdem wurden Infrastruktur, Ressourcen und Expertise im Raumfahrtsektor gezielt aufgebaut. Heute betreibt Peking eigene Navigationssysteme, Aufklärungssatelliten und mit Tiangong eine eigene Raumstation.

Teils spektakuläre Projekte – etwa die Idee eines riesigen „Weltraum‑Flugzeugträgers“ – werden im chinesischen Staatsfernsehen präsentiert. Fachleute bezweifeln, dass solche Systeme jemals realisiert werden, werten sie aber als Signal, dass China bereit ist, die USA auch im Orbit herauszufordern.

Trumps Goldener Schutzschild

Die USA selbst denken ebenfalls in großen Kategorien. Präsident Donald Trump hat den Bau eines „Golden Dome“ angekündigt – eines umfassenden Schutzschilds, der die Vereinigten Staaten nahezu unangreifbar machen soll, auch gegenüber Angriffen aus dem All. Vorbild ist Israels „Iron Dome“, der Raketenangriffe abwehrt.

Sicherheitsexperte Stefan Niemann, Host des Podcasts „Streitkräfte & Strategien“, hält den Traum von der vollständigen Unangreifbarkeit jedoch für unrealistisch. „Ein Land von dieser Größe mit fast hundertprozentiger Abfangquote wirksam abzuschirmen gegen so unterschiedliche Bedrohungen durch Interkontinentalraketen, durch Hyperschallwaffen, durch Marschflugkörper und durch Drohnen, das ist technisch extrem schwierig“, sagt er. Zudem würde ein solches System „Fantastillionen Dollar“ kosten und sei „kaum zu finanzieren“.

Gestörte Signale in der Ostsee

Russland hat vergleichsweise wenige Satelliten im All. Die russische Raumfahrt sei „auf einem absteigenden Ast“, bewertet Süß mit Blick auf die Entwicklung seit den 1990er-Jahren. Während die USA ihre Raumfahrtindustrie für private Investitionen öffneten und Unternehmen wie SpaceX groß wurden, blieb die russische Raumfahrt stark staatlich geprägt – mit wenig Raum für Innovation und neue Geschäftsmodelle.

Russland verfolge laut Süß eine Anti-Satelliten-Strategie. Das Land steht immer wieder im Verdacht, Satellitendaten zu manipulieren. Auswertungen von Flug- und Navigationsdaten zeigen, dass Störungen des globalen Navigationssatellitensystems (GNSS) in der Region rund um die russische Exklave Kaliningrad auffällig häufig auftreten.

Fachleute vermuten dort einen leistungsfähigen Störsender. In den vergangenen Jahren meldeten Schiffe und Flugzeuge in und über der Ostsee wiederholt Navigationsausfälle oder offenkundig falsche Positionsangaben. Russland weist eine Beteiligung zurück.

Weltraumwaffen und „Dual Use“

Sowohl Süß, als auch Niemann warnen davor, den Orbit nur als neutrale Infrastruktur zu betrachten. Störsender, manipulierbare Signale oder so genannte Servicer‑Satelliten mit Greifarmen schaffen ein Arsenal, das oft kaum sichtbar ist. Denn viele dieser Systeme sind „Dual Use“: Satelliten mit Roboterarmen können andere Satelliten warten oder auftanken, theoretisch aber auch greifen und beschädigen.

Manöver im All lassen sich selten eindeutig als zivile oder militärische Aktionen einordnen. Das erschwert internationale Regeln. Zwar verbietet der Weltraumvertrag von 1967 die Stationierung von Massenvernichtungswaffen im All. Konventionelle Waffen und Dual‑Use‑Systeme sind jedoch nicht klar geregelt.

Deutschlands neue Weltraumstrategie

Über Jahrzehnte war die Bundeswehr stark von US‑Weltraumfähigkeiten abhängig. Mit der ersten Weltraumsicherheitsstrategie hat Verteidigungsminister Boris Pistorius im Herbst 2025 einen Kurswechsel markiert.

Es gehe dabei aber nicht darum, eine „Weltraumstreitmacht wie in Star Wars Filmen“ aufzubauen, sagt Niemann. Vielmehr solle Deutschland Bedrohungen besser erkennen, Abschreckung und Resilienz stärken und die Abhängigkeit von den USA verringern. Dafür sind bis 2030 Investitionen von 35 Milliarden Euro geplant – etwa in zusätzliche Satelliten, Bodenstationen, Radarsysteme sowie in sogenannte Wächtersatelliten, die andere Objekte im All überwachen.

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