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Politik

US-Großbank JP Morgan geht auf deutschem Markt auf Kundenfang

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 22, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.05.2026 • 10:15 Uhr

Die US-Bank JP Morgan Chase will den deutschen Privatkundenmarkt aufmischen – mit dem Einstiegs-Angebot von vier Prozent Zinsen für Tagesgeld. Was dahinter steckt und davon zu halten ist.

Lilli Hiltscher

Neue Konkurrenz für Deutschlands Banken: Seit dem 20. Mai können deutsche Sparer bei der US-Großbank JP Morgan Chase ihr Geld anlegen. Zunächst gibt es bei der digitalen Privatkundenbank Chase nur ein Tagesgeldkonto, doch das Angebot soll Schritt für Schritt ausgebaut werden.

„Wir haben in Deutschland eine ausgeprägte Sparkultur mit viel ungenutztem Potenzial“, sagt Chase-Deutschlandchef Daniel Llano Manibardo, der zuvor für die Direktbank ING tätig war. „Wir verbinden das, was Kunden von einer Digitalbank erwarten, mit der Vertrauenswürdigkeit großer Banken“, so Llano Manibardo gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Capital.

Die Zielgruppe seien zunächst digitalaffine Menschen, die bereits über ein gewisses Vermögen verfügen und mit ihrer Bank unzufrieden sind. „Da sehen wir einen großen Markt“, so der Bankmanager

Befristetes Angebot

Für eben jene Kundengruppe dürfte sich das Angebot attraktiv anhören: Wer sich für ein Tagesgeldkonto bei Chase entscheidet, bekommt zunächst einen Zinssatz von vier Prozent – dieser gilt allerdings nur für die ersten vier Monate. Danach erhalten Bestandskunden aktuell zwei Prozent. Ziel sei, Kundinnen und Kunden dauerhaft ein attraktives Angebot zu bieten, so Llano Manibardo.

Der Tagesgeld-Vergleich des Geldratgebers Finanztip zeigt: Mit dem hohen Aktionszins hat Chase aktuell das höchste Angebot für Neukunden. „Konkurrenz belebt das Geschäft, es wäre mit Blick auf Verbraucherinnen und Verbraucher jedenfalls zu hoffen, dass ein solches Angebot einen Effekt auf andere Tageszinsangebote auf dem Markt hätte“, sagt Katharina Lawrence, Referentin für Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Hessen, auf Anfrage von tagesschau.de.

Vergleichbare Aktionsangebote liegen aktuell unter dem von Chase und sind kürzer. So bietet etwa Raisin derzeit 3,5 Prozent Zinsen aufs Tagesgeldkonto für drei Monate.

Auf Zusatzbedingungen achten

Für Bestandskunden sind die Zinsen in der Regel noch deutlich geringer. „Gerade klassische Anbieter wie Sparkassen oder Volksbanken zahlen auf Tagesgeld häufig deutlich niedrigere Zinsen“, sagt Timo Halbe, Geldanlage-Experte bei Finanztip. „Solche Lockzinsangebote lohnen sich vor allem für sogenannte ‚Zinsjäger‘, die bereit sind, nach Ablauf der Aktion erneut zu wechseln.“

Max Herbst, Leiter der Frankfurter Finanzberatung FMH, betont, dass es bei solchen Angeboten immer wichtig sei, „auch die Zusatzbedingungen, die man als Gegenleistung für die Tagesgeldzinsen akzeptieren muss, zu prüfen“.

Im Fall des Tagesgeldkontos von Chase seien solche Zusatzbedingungen wie die Pflicht zur Eröffnung eines Girokontos derzeit nicht gegeben. Das bewertet Fachmann Herbst positiv.

Bank muss sich in Deutschland erst beweisen

Allerdings betonen die Experten auch, dass sich Chase erst einmal am deutschen Markt etablieren müsse. Nach Einschätzung von Max Herbst erregt die US-Bank mit dem hohen Aktionszins zwar erstmal viel Aufmerksamkeit, sie müsse nun aber beweisen, „dass sie diese Anfragen sauber abarbeitet und etwas mehr bietet als einen hohen Aktionszins“.

Auch Timo Halbe erklärt: „Es bleibt abzuwarten, ob die Bank dauerhaft solche Spitzenzinsen bietet oder damit vor allem zum Start Kunden anlocken will.“

Denn der Zinssatz von zwei Prozent, den Kunden nach Ablauf der viermonatigen Frist erhalten, ist variabel. „Chase kann den Zins jederzeit anpassen“, so Halbe. Auch wenn er aktuell auf Höhe des Einlagenzinses der Europäischen Zentralbank liege, sei nicht sicher, wie lange das der Fall ist.

US-Amerikaner haben große Pläne

Aus Sicht der Experten wird deshalb auch die Qualität des Services entscheidend für den Erfolg der US-Bank werden. „Der deutsche Markt ist im Tagesgeldbereich sehr wettbewerbsintensiv. Entscheidend wird deshalb sein, wie attraktiv die Konditionen nach der Aktionsphase bleiben und wie zuverlässig Kontoeröffnung, Kundenservice und Abwicklung funktionieren“, sagt Timo Halbe.

Ähnlich sieht das auch Verbraucherschützerin Lawrence: „Für viele kommt es darauf an, ein Kreditinstitut zu finden, das zeigt, dass es über viele Jahre zuverlässig marktgerechte Angebote macht.“

Genau das will die US-Bank erreichen, sie hat in Deutschland große Pläne, wie Llano Manibardo der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte: „Ich sehe keinen Grund, warum Chase nicht zu einer der führenden Privatkundenbanken in Deutschland werden könnte, mit dem, was wir alles planen.“

Um dieses Ziel zu erreichen, soll die Angebotspalette von Chase bis zum Jahr 2028 ausgebaut werden. Geplant sind neben dem Tagesgeldkonto ein Girokonto mit Debitkarte, Wertpapierangebote und das Altersvorsorgedepot sowie Konsumentenkredite. Eine Kreditkarte ist zunächst nicht vorgesehen.

Lange Vorbereitung vor Markteintritt

Deutschland soll für das US-Institut in Europa der zweite wichtige Markt nach Großbritannien werden. Dort hat Chase eigenen Angaben zufolge seit 2021 mehr als drei Millionen Kundinnen und Kunden gewonnen. Wie viele Chase im ersten Jahr hierzulande erreichen will, erklärt Llano Manibardo aber nicht. Um sich auf dem deutschen Privatkundenmarkt langfristig zu etablieren, werde es „sicherlich Zeit brauchen, aber wir haben die Entschlossenheit, es zu erreichen“.

Schon mit dem Markteintritt hat sich das Institut Zeit gelassen, rund vier Jahre wurde er vorbereitet. Von den Erfahrungen in Großbritannien konnte die US-Bank nur bedingt profitieren – gegenüber dem Magazin Capital verwies der Chase-Deutschlandchef darauf, dass etwa die Regulatorik in der EU eine andere sei als in Großbritannien. Allerdings solle Deutschland Startpunkt für die weitere Expansion in andere europäische Länder werden.

Der deutsche Markt gilt als attraktiv: Ende 2025 summierte sich das Geldvermögen privater Haushalte nach Zahlen der Bundesbank auf den Rekordwert von rund 9.504 Milliarden Euro. Mehr als zwei Drittel davon (37,2 Prozent) sind Bargeld und Einlagen wie Tagesgeld. Erst im Juni 2025 war die spanische Großbank BBVA in Deutschland gestartet und hatte mit einem Zins-Lockangebot für Aufsehen gesorgt.

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