Freude über Neuers Pokal-AusfallNagelsmann verrät: Machte „emotional aufwühlende“ Zeit durch
Julian Nagelsmann gibt spezielle Einblicke in die Nominierung des WM-Kaders: Der Bundestrainer berichtet von schlaflosen Nächten und besonderen Beweggründen für die Auswahl seiner 26 WM-Fahrer. Dass Manuel Neuer für das Pokalfinale ausfällt, freut ihn.
Fußball-Bundestrainer Julian Nagelsmann erklärte, dass sein Schlaf nach der WM-Kadernominierung „besser als in der finalen Nacht davor“ gewesen sei. „Die zwei, drei Wochen vor der Nominierung sind schon sehr intensiv, weil du versuchst, möglichst allen gerecht zu werden. Das ist intensiv und auch emotional aufwühlend“, sagte er bei DFB.TV.
Zu den Reaktionen auf die Nominierung sagte der Bundestrainer, dass die Profis „ganz unterschiedlich“ und teilweise „total perplex“ reagiert hätten. „Nadiem [Amiri] war schon sehr besonders, weil er einen relativ späten Anruf bekommen hat und nicht mehr damit gerechnet hat, dass er dabei ist. Er hat extrem emotional reagiert“, sagte Nagelsmann. Auch Lennart Karl habe „super reagiert, der sich das vielleicht erträumt hat, aber nicht zwingend damit gerechnet hat.“
Nagelsmann ist außerdem froh über die Pause des angeschlagenen Nationaltorhüters Manuel Neuer im DFB-Pokalfinale. Aufgrund der „kleinen Blessur“ des Keepers von Bayern München sei es „besser“, dass er am Abend (20 Uhr/ARD und Sky und im Liveticker auf ntv.de) gegen den VfB Stuttgart nicht spielen werde. „Aus Nationalmannschaftssicht ist es gut, dass er noch ein paar Tage Ruhe bekommt und dann top vorbereitet bei uns starten kann.“
„Paar Tage Ruhe“ für Neuer sind gut
Der Bundestrainer berichtete von einer „sehr guten“ Kommunikation mit den Münchnern, bei denen Jonas Urbig als Vertreter im Tor stehen wird. „Wir haben zusammen überlegt, was die Chancen und das Risiko dieses Spiels sind“, sagte Nagelsmann am Freitagabend: „Wir hätten nichts davon, wenn er morgen ein sehr gutes Spiel macht – ob er den Titel holt oder nicht, das liegt am Rest der Mannschaft und dem VfB Stuttgart, und dann wäre er vielleicht nicht ganz fit für die Nationalmannschaft.“
DFB-Rückkehrer Neuer, der am Donnerstag für die WM in den USA, Mexiko und Kanada nominiert worden war, habe durch die Pause zwar „ein Spiel weniger Rhythmus“. Dies sei bei dessen Erfahrung aber „gar kein Problem“, sagte Nagelsmann, der sich für Neuer anstelle des Hoffenheimers Oliver Baumann als deutsche Nummer eins entschieden hatte: „So hat er nochmal ein paar Tage mehr Luft. Dann werden wir gemeinsam gut ins Turnier starten.“
Das DFB-Team beginnt am Mittwoch in Herzogenaurach die WM-Vorbereitung. Der 40-jährige Neuer hatte sich am vergangenen Samstag im Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln (5:1) verletzt und war in der 60. Minute angeschlagen ausgewechselt worden. Bereits dreimal in dieser Saison war der Keeper wegen eines Muskelfaserrisses in der Wade ausgefallen.
„Müssen eine Art Familie sein“
Derweil hängt für Nagelsmann der Erfolg der deutschen Nationalmannschaft bei der WM nicht allein von sportlichen Faktoren ab. Sein Team müsse „am Ende schon eine Art Familie sein. Jeder muss sich seiner Rolle bewusst sein. Jeder muss die Qualitäten haben, sich einzugliedern“, sagte der Bundestrainer. Bei der Auswahl seines 26er-Kaders habe zwar zunächst der Fokus auf Spielern gelegen, die „sportlich in der Lage sind, uns einen Mehrwert zu bieten“. Dazu sei aber „entscheidend, dass du auch ein bisschen guckst: Wie hat die Gruppe in den letzten zweieinhalb, drei Jahren funktioniert? Wer hat gut zusammengepasst?“, sagte Nagelsmann.
Der 38-Jährige legte bei der Kaderzusammenstellung nach eigener Aussage auch Kriterien abseits der sportlichen Qualität zugrunde. „Wer bleibt beim Abendessen auch mal ein bisschen länger sitzen und geht nicht direkt aufs Zimmer? Wer kann sich vielleicht auch unterhalten und entwickelt so ein Gen, für den Nebenmann alles zu geben?“, sagte Nagelsmann. Bei einer langen WM seien „Soft-Skill-Faktoren“ auch ein wichtiger Punkt, „damit die Gruppe gut zueinanderfindet und vielleicht den einen Tick mehr marschiert als die eine oder andere Nation“.
Nach dem Länderspiel am 31. Mai in Mainz gegen Finnland geht es in die USA, wo am 6. Juni in Chicago gegen den Co-Gastgeber die Generalprobe steigt. Gegner beim Turnierauftakt am 14. Juni in Houston ist Außenseiter Curacao. Danach geht es in Gruppe E noch gegen die Elfenbeinküste (20. Juni/Toronto) und Ecuador (25. Juni/East Rutherford).
