Putins „Wunderwaffe“ OreschnikUkraine meldet Einsatz russischer Hyperschallrakete in Kiew
Die Oreschnik erreicht eine Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und kann 5000 Kilometer weit fliegen. In Russland wird die Hyperschallrakete als „Wunderwaffe“ verkauft. Bei einem Großangriff schlägt sie erstmals in der ukrainischen Hauptstadt ein.
Die Befürchtungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj scheinen sich bewahrheitet zu haben: Ukrainische Medien berichten unter Berufung auf den Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Russland habe bei den schweren Luftangriffen auf Kiew in der vergangenen Nacht die Hyperschall-Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik eingesetzt. In Russland wird die Oreschnik als „Wunderwaffe“ oder „Superwaffe“ angepriesen.
Die auch in Belarus stationierte Hyperschallrakete kann sowohl konventionelle als auch atomare Sprengköpfe tragen. Ihre extrem hohe Geschwindigkeit von bis zu 12.000 Kilometern pro Stunde und ihre Reichweite von bis zu 5000 Kilometern machen sie zu einer potenziellen Gefahr für den gesamten europäischen Kontinent. Russland hatte die Rakete zuvor zweimal bei Luftangriffen auf die Ukraine eingesetzt: einmal in der Großstadt Dnipro im Südosten des Landes ohne Sprengköpfe und zuletzt im Januar in der Westukraine.
Auch der deutsche Sicherheitsexperte Nico Lange bestätigt den Einsatz der Hyperschallrakete. Ihm zufolge schlug sie im Kiewer Vorort Bila Tsirkwa ein – erneut mit einem leeren Test-Sprengkopf.
Schäden an mehr als 40 Gebäuden
Ukrainischen Angaben zufolge hat Russland die Ukraine in der vergangenen Nacht mit 90 Raketen und Marschflugkörpern sowie 600 Drohnen verschiedener Typen angegriffen. Die ukrainische Luftwaffe will 604 Ziele unschädlich gemacht haben, darunter 54 Raketen und Marschflugkörper und 549 Drohnen. Sie meldete Dutzende Einschläge russischer Flugobjekte.
Die schwersten Angriffe verübte Russland in der ukrainischen Hauptstadt. Dabei wurden nach Behördenangaben vier Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Zwei Personen starben direkt in Kiew, zwei weitere in der umliegenden Region, wie der dortige Gouverneur Mykola Kalaschnyk mitteilte. Zudem wurden in der Stadt 56 Menschen verletzt. 30 von ihnen, darunter zwei Kinder, werden in Krankenhäusern behandelt, wie Bürgermeister Vitali Klitschko am Morgen bei Telegram mitteilte.
Der Angriff beschädigte Wohngebäude, Büros und Schulen an mehr als 40 Orten der Hauptstadt. Unter anderem stürzte die Fassade eines fünfstöckigen Wohnhauses ein, zudem gab es Schäden am historischen Unabhängigkeitsplatz Maidan sowie im Foyer einer U-Bahn-Station.
„Schreckliche Nacht“
„Es war eine schreckliche Nacht für Kiew“, erklärte Bürgermeister Klitschko weiter. Nach dem Sonnenaufgang zog schwarzer Rauch über die Stadt. Reporter berichten von einem beißenden Geruch in der Luft. Etliche Anwohner wurden in den Luftschutzkellern einer Schule und eines Geschäftszentrums eingeschlossen, weil Trümmer die Eingänge blockierten.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sprach von einem „der größten Terrorangriffe auf Kiew“ seit Kriegsbeginn. Verletzte gab es auch in anderen ukrainischen Regionen: Die Region Tscherkassy meldete elf Verletzte und die Region Dnipropetrowsk sieben.
