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Startseite»Nachrichten»„Hatte lange in mir rumort“: Renate Künast findet Vater in NSDAP-Kartei
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„Hatte lange in mir rumort“: Renate Künast findet Vater in NSDAP-Kartei

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 25, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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„Hatte lange in mir rumort“Renate Künast findet Vater in NSDAP-Kartei

Künast war von 2001 bis 2005 Verbraucherschutzministerin. (Foto: picture alliance / HMB Media)

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in der Familie der Ex-Bundesministerin Renate Künast ein „Schweigekartell“, wie sie es nennt. In unlängst vom US-Nationalarchiv veröffentlichten NSDAP-Karteikarten wird sie fündig – im engsten Familienkreis.

Die frühere Bundesverbraucherschutz- und Landwirtschaftsministerin Renate Künast hat die NSDAP-Mitgliedschaft ihres Vaters bei der Suche in den digital aufbereiteten Mitgliederakten gefunden.

„Es hatte schon lange in mir rumort, ob einer meiner Vorfahren in der NSDAP gewesen ist. Aber Recherche ist nicht einfach. Ich habe den Namen meines Vaters, Willy Künast, eingegeben, sein Geburtsdatum, sein Jahrgang 1914. Es gab sofort einen Treffer. Er ist am 1. Mai 1933 in der Partei aufgenommen worden, also wenige Wochen nach der Machtübernahme“, sagte die Grünenpolitiker jetzt dem „Spiegel“, dessen Tool sie zur Recherche nutzte.

Das Recherechetool des „Spiegel“ fußt nach Angaben des Mediums auf Millionen von Karteikarten, die unlängst vom US-Nationalarchiv veröffentlicht wurden. Diese seien heruntergeladen, mit künstlicher Intelligenz ausgelesen und in eine Datenbank überführt worden. Auch direkt beim US-Nationalarchiv selbst kann recherchiert werden.

„Es war kein Schock, aber es hat mich schon getroffen und beschäftigt mich seitdem“, sagte Künast. „Wenn aus einer unbeantworteten Frage Gewissheit wird, geht das Nachdenken wieder los“, so die heute 70-jährige, die bis zum Frühjahr 2025 noch dem Bundestag angehörte.

Künast: „Mich beschäftigt das emotional“

Sie habe weitergesucht und auch noch seinen älteren Bruder gefunden, der 1937 eingetreten ist. „Mich beschäftigt das emotional, ich rede darüber mit meinem Mann, mit Freunden“, so Künast. „Nach dem Krieg war es auch bei uns wie in vielen Familien: Das war ein Schweigekartell“, so die Grüne weiter.

Der „Spiegel“ hatte nach der Veröffentlichung der Suchmaschine auf seiner Onlineseite mehrere Politikerinnen und Politiker angefragt, ob sie sich mit der möglichen NS-Vergangenheit ihrer Familien beschäftigen.

Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erklärte nun dem „Spiegel“: „Ich habe die Daten meiner Großeltern eingegeben und war erleichtert, dass es stimmt, was mir erzählt wurde: Niemand von meinen Großeltern war in der NSDAP.“

Lauterbach findet Großonkel in Kartei

Er habe allerdings auch seinen Großonkel in der Kartei gefunden. „Er war der Bruder meiner Großmutter und trat bereits im Mai 1932 in die NSDAP ein“, so Lauterbach, der heute SPD-Bundestagsabgeordneter ist. Sein Großonkel sei nach dem Krieg entnazifiziert worden und habe in Wuppertal eine Karriere bei der Polizei gemacht. „Er war ein überzeugter Nationalsozialist“, so Lauterbach über seinen Großonkel.

Der Bundestagsvizepräsident und frühere Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) erklärte gegenüber dem „Spiegel“: „Ich finde die Transparenz, die jetzt in Bezug auf die NSDAP-Mitgliedsakten entsteht, wichtig. Nicht, um nachgelagerte Scherbengerichte abzuhalten, aber um sich zu erinnern und um sich mit der Geschichte der eigenen Familie auseinanderzusetzen.“

Er habe bereits vor den jetzt zugänglichen Akten gewusst, dass „mein Großvater ein frühes NSDAP-Mitglied war und meine Mutter ein frühes Mitglied des Bundes Deutscher Mädel“. Der Linkenpolitiker erklärte weiter: „Ich habe die Geschichte meiner Familie immer offen thematisiert, weil damit auch meine eigenen Brüche zusammenhängen.“

Quelle: ntv.de, mpe

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