Boxverband lässt Kabayel hoffenWinkt Usyk jetzt ab, hat Deutschland den Schmeling-Nachfolger
Der deutsche Boxprofi Agit Kabayel muss lange warten, bis der Weltverband ihn offiziell zum Herausforderer von Schwergewichts-König Oleksandr Usyk macht. Jetzt ist er es – und könnte sogar ohne Faustschlag zum Nachfolger von Box-Ikone Max Schmeling werden.
Der Boxverband WBC hat Schwergewichts-Weltmeister Oleksandr Usyk verpflichtet, seinen Titel als nächstes gegen den Deutschen Agit Kabayel zu verteidigen. „Dieser Kampf wird angesetzt. Es ist eine Pflichtverteidigung für Usyk“, sagte WBC-Präsident Mauricio Sulaiman bei „Boxingscene“.
Kabayel reagierte via Instagram hocherfreut auf die Ansage des Verbandes. „Worte können nicht beschreiben, was mir das bedeutet. Seit ich mit dem Boxen angefangen habe, war es mein Traum, Weltmeister zu werden. Viele haben an mir gezweifelt, aber ich habe nie aufgehört, an mich zu glauben“, schrieb der 33-Jährige aus Wattenscheid. Usyk habe jetzt „30 Tage Zeit“, den Kampf anzunehmen, so Kabayel: „Wenn er das nicht tut, werde ich der vollwertige WBC-Weltmeister.“ Bei Sky Sports ließ Sulaiman allerdings offen, ob der WBC Kabayel automatisch zum Weltmeister erklärt, sofern Usyk einen anderen Kampf vorzieht. „Wir antizipieren nicht. Wir spekulieren nicht“, sagte der Mexikaner.
Saudischer Box-Mogul entscheidet
Kabayel ist seit seinem Sieg über den Chinesen Zhang Zhilei Anfang 2025 „Interims“-Champion des WBC und als solcher Nummer-1-Herausforderer von Weltmeister Usyk, der auch noch die Gürtel von WBA und IBF hält. Der Ukrainer hatte den Namen Kabayel danach aber stets gemieden, wenn es um künftige Gegner ging. Im Frühjahr gestattete der WBC Usyk eine „freiwillige Titelverteidigung“ gegen Kickbox-Idol Rico Verhoeven, betonte aber schon damals, der Sieger des Duells müsse den WBC-Titel danach gegen Kabayel verteidigen.
Usyk gewann den Kampf gegen den Außenseiter Verhoeven am vergangenen Wochenende an den Pyramiden von Gizeh durch Technischen K.o., tat sich dabei aber überraschend schwer. Im Anschluss kletterte Kabayel in den Ring und forderte den 39-Jährigen zu einem Duell in Deutschland heraus. Usyk sagte lapidar zu, verwies aber auf den saudischen Box-Mogul Turki Al-Sheikh, der den Kampf organisieren müsse. Vor der Show in Ägypten hatten Berichte die Runde gemacht, Al-Sheikh wolle Usyk von einem Kampf im Herbst in einem deutschen Stadion überzeugen. Nach dem überraschend ausgeglichenen Kampf an den Pyramiden von Gizeh äußerte der Strippenzieher aus Riad aber auch Interesse an einer Revanche zwischen Usyk und Verhoeven in den Niederlanden. „Turki Al-Sheikh hat das Scheckbuch“, sagte Kabaylels Manager Spencer Brown bei DAZN.
Sollte Usyk nicht gegen Kabayel antreten, müsste der WBC ihm den Gürtel abnehmen, sofern der Weltmeister diesen nicht aus freien Stücken niederlegt. Der Verband könnte den Boxprofi aus dem Ruhrpott dann am Grünen Tisch vom Interims- zum „regulären“ Weltmeister hochstufen. Deutschland hätte dann zum ersten Mal seit Max Schmeling (1930-1932) wieder einen Boxweltmeister im Schwergewicht.
