In der Bilanz der Deutschen Bahn standen zuletzt Milliardenverluste. Das könnte sich laut Konzernchefin Palla dieses Jahr ändern. Die Züge werden dagegen nicht pünktlicher – auch wegen der vielen Baustellen.
Nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren könnte die Deutsche Bahn nach den Worten von Konzernchefin Evelyn Palla 2026 zumindest wieder einen kleinen Gewinn erwirtschaften. „Wir bewegen uns Schritt für Schritt in Richtung der schwarzen Null im Jahr 2026“, sagte Palla am Montagabend in Berlin.
Für das vergangene Jahr stand noch ein Minus von 2,3 Milliarden Euro in der Bilanz des Staatskonzerns. Im Vorjahr waren es 1,8 Milliarden Euro gewesen.
Bessere Bahn-Infos dank KI?
„Unsere Sofortprogramme zeigen Wirkung“, sagte Palla. Die Managerin steht seit Herbst 2025 an der Spitze der Deutschen Bahn. Seitdem treibt sie deren Umbau voran. Unter anderem hat sie sich vorgenommen, den Kundenservice zu verbessern.
Insgesamt hat die Bahn drei Sofortprogramme auf den Weg gebracht – für mehr Sicherheit und Sauberkeit auf den Bahnhöfen, mehr Komfort im Fernverkehr und eine bessere Kundenkommunikation. Palla verwies darauf, dass 500 neue Sicherheitskräfte eingestellt worden seien. Für mehr Komfort in den ICEs seien zusätzlich 20 Millionen Euro in diesem Jahr eingeplant worden. Zudem gebe es mehr Reinigungspersonal.
Das dritte Sofortprogramm zur besseren Information von Reisenden soll vermutlich nächste Woche gemeinsam mit Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vorgestellt werden. Künstliche Intelligenz (KI) werde dabei eine wichtige Rolle spielen, sagte Palla.
Unpünktliche Züge
Weiterhin sind die Züge der Deutschen Bahn sehr unpünktlich. Im Mai erreichten nach internen Unternehmensdaten nur 61,3 Prozent der ICE- und Intercity-Züge ihr Ziel pünktlich, wie die SZ berichtet. Damit lag die Pünktlichkeitsquote unter den Werten der Vormonate März (62,1 Prozent) und April (64,4 Prozent). Für das gesamte Jahr 2026 hat sich der Konzern lediglich das Ziel von mehr als 60 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr gesetzt. Als verspätet gilt ein Zug nach Bahn-Definition erst ab einer Verzögerung von sechs Minuten. Zugausfälle werden in der Statistik nicht berücksichtigt.
Der bundeseigene Konzern kämpft seit Jahren mit dem Problem der Unpünktlichkeit, der Start ins laufende Jahr fiel dabei besonders schlecht aus. Begründet wurde dies mit der maroden Infrastruktur, den vielen Baustellen im Netz sowie dem strengen Winterwetter.
Der Bund hat ein Investitionsprogramm von 500 Milliarden Euro aufgelegt, von dem ein Großteil für den Ausbau des Schienennetzes verwendet wird. Palla sagte, auch die Bahn selbst investiere massiv, dieses Jahr seien mehr als 23 Milliarden Euro dafür eingeplant. Die vielen Baustellen bremsen die Züge aber auch aus. „Die Pünktlichkeit bleibt auch in 2026 unser größtes Sorgenkind.“
Neuer Wettbewerber aus Italien
Konkurrenz für die Deutsche Bahn kommt mit dem angekündigten Einstieg des italienischen Rivalen Italo, der ab 2028 den ICEs der Bahn Kunden abspenstig machen will. Palla rief die Politik auf, bei einem solchen Markteintritt auf klare Regeln zu achten.
Italo will zwar massiv investieren, im Gegenzug jedoch langfristige Sicherheit bei lukrativen Trassen haben. So planen die Italiener zunächst auf den Strecken München-Frankfurt-Köln-Dortmund im Stundentakt und München-Berlin-Hamburg alle zwei Stunden zu fahren. Diese Trassen, also Streckenabschnitte zu einer bestimmten Zeit, vergibt die DB-Tochter InfraGo unter Aufsicht der Bundesnetzagentur.
Das private Unternehmen Italo steht in seinem Heimatmarkt seit 2012 im Wettbewerb mit dem staatlichen italienischen Eisenbahnkonzern Ferrovie dello Stato Italiane (FS) und dessen Tochter Trenitalia. Als Konkurrent zu den Frecciarossa-Zügen von Trenitalia bietet Italo Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen italienischen Großstädten an.
Fallen DB-Verbindungen weg?
Die Deutsche Bahn hat davor gewarnt, dass Fernverkehrsfahrten in die Fläche wegfallen könnten, wenn lukrative Trassen an Konkurrenten gehen.
„Wettbewerb ist eben auch kein Selbstzweck, und wir müssen achtsam sein“, sagte Palla. „Wir müssen achtsam sein, dass diese Vorteile auch wirklich bei allen Menschen in Deutschland ankommen und nicht nur bei einigen wenigen. Bei einigen wenigen in den Metropolen, die heute bereits über ein sehr gutes Mobilitätsangebot verfügen.“
