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Nach dem Raumfahrtkonzern SpaceX hat nun auch das KI-Schwergewicht Anthropic einen Börsengang in den USA beantragt. Daneben wollen auch weitere namhafte Kandidaten aufs Parkett. Ein Überblick.
Das KI-Schwergewicht Anthropic hat zu Wochenbeginn seinen Börsengang in den USA beantragt. Die Wall Street rechnet für 2026 mit einem Rekordjahr für Neuemissionen.
Den Expertinnen und Experten der Bank Goldman Sachs zufolge könnten die Börsenkandidaten in diesem Jahr insgesamt 160 Milliarden Dollar einsammeln – so viel wie noch nie. Angetrieben wird die Entwicklung durch eine Vielzahl namhafter Konzerne in der Technologiebranche.
Anthropic reicht Antrag ein
Der Entwickler des KI-Chatbots Claude hat mit seinem vertraulichen Antrag die Weichen für einen mit Spannung erwarteten Börsengang gestellt. Der Schritt gilt an der Wall Street als Meilenstein für den Boom bei Künstlicher Intelligenz und als erster Test, ob die hohe Nachfrage der Investoren nach der Technologie auch an den Aktienmärkten anhält. Bei einem vertraulichen Antrag reicht ein Unternehmen die erforderlichen Unterlagen bei der Börsenaufsicht SEC ein, veröffentlicht diese aber erst kurz vor dem Debüt.
Anthropic wurde 2021 von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern gegründet. Der rasante Aufstieg des Unternehmens hatte Anfang des Jahres die Märkte aufgeschreckt und Kursverluste bei Software- und IT-Aktien ausgelöst. Anlegerinnen und Anleger befürchteten, dass die zunehmend autonomen KI-Werkzeuge, wie der Programmier-Assistent „Claude Code“, traditionelle Geschäftsmodelle umkrempeln könnten.
Einzelheiten zum Volumen oder den Bedingungen der Erstnotierung wurden zunächst nicht bekannt. Mit einer Bewertung von fast einer Billion Dollar würde Anthropic in die Spitzengruppe des US-Leitindex S&P 500 aufsteigen und sich in die Riege der wertvollsten Unternehmen der Welt einreihen.
Und das ist durchaus wahrscheinlich. Ende Mai hatte der Konzern 65 Milliarden Dollar eingesammelt, um der extrem wachsenden Nachfrage gerecht zu werden und die eigene Rechenkapazität massiv auszubauen. In der Finanzierungsrunde wurde er mit 965 Milliarden Dollar bewertet. Damit schob sich Anthropic vor seinen Rivalen OpenAI. Dessen Wert betrug zuletzt 852 Milliarden Dollar.
Rivale OpenAI bleibt gelassen
Auch der ChatGPT-Entwickler bereitet Insidern zufolge einen vertraulichen Antrag vor und strebt einen raschen Börsengang an, der bereits im September stattfinden könnte. Das Unternehmen arbeitet demnach mit Goldman Sachs und Morgan Stanley an einem ersten Entwurf für den Börsenprospekt, wie die Nachrichtenagentur Reuters im vergangenen Monat meldete.
OpenAI-Chef Sam Altman zeigte sich öffentlich jedoch zunächst unbeeindruckt vom Anthropic-Vorstoß. Er konzentriere sich nach dem Antrag des Konkurrenten nicht auf den Zeitpunkt eines eigenen Börsengangs, sagte er dem Sender CNBC. OpenAI werde an die Börse gehen, wenn es für das Unternehmen sinnvoll sei.
Analyst Gil Luria vom Finanzdienstleister D.A. Davidson erklärte dagegen, die beiden Konzerne lieferten sich ein Rennen um das Kapital an der Wall Street. Dem Analysten Harrison Rolfes von PitchBook zufolge hat sich Anthropic mit dem zeitlichen Vorsprung zwar einen Vorteil in der öffentlichen Wahrnehmung gesichert. OpenAI habe nun aber die Möglichkeit, die Reaktion der Investoren auf die Anthropic-Zahlen abzuwarten.
Der US-Bundesstaat Florida wirft der OpenAI unterdessen in einer Klage vor, die Nutzer ihrer Software ChatGPT zu gefährden. Der Chatbot sei eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit. In der Klageschrift wird auf Fälle verwiesen, in denen er eine tödliche Medikamentenkombination empfohlen und einen für tödliche Schüsse auf einem Universitätsgelände verantwortlichen Schützen vor dessen Tat beraten haben soll.
SpaceX-IPO bereits in der kommenden Woche
Das Raumfahrtunternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk, in dem inzwischen auch seine KI-Firma xAI aufgegangen ist, beantragte bereits im Mai offiziell seinen Börsengang – und könnte Mitte Juni den Gang aufs Parkett wagen. Es könnte die größte Neuemission der Geschichte werden: Wenn SpaceX wie erwartet 75 Milliarden Dollar erlöst, würde das Unternehmen den bisherigen Rekordhalter, den saudischen Ölkonzern Saudi Aramco, übertreffen.
Die Gesamtbewertung von SpaceX läge dann bei rund 1,75 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Alle 40 Unternehmen im deutschen Leitindex DAX waren Ende April zusammen rund 1,8 Billionen Dollar wert. Konzernchef Musk, der als reichster Mensch der Welt gilt, könnte zum ersten Billionär der Geschichte aufsteigen. Zu seinem Imperium gehört auch der Elektroautobauer Tesla, dessen Börsenwert bei etwa 1,5 Billionen Dollar liegt.
Die Werbetour bei Investoren (Roadshow) soll am 4. Juni beginnen, die Zeichnungsfrist für die Aktien könnte am 11. Juni starten, wie Reuters unter Berufung auf Insider berichtet. Nach dem Börsengang könnte SpaceX dann ungewöhnlich schnell in die internationalen MSCI-Börsenindizes aufgenommen werden. Bei sehr großen Unternehmen mache man Ausnahmen, sagte kürzlich der Chef des Indexanbieters MSCI, Henry Fernandez, der Welt am Sonntag. Er rechne mit einer Aufnahme innerhalb von zehn Tagen nach dem Börsendebüt.
Auch Databricks und Stripe mit möglichen Milliardenbewertungen
Als potenzielle große US-Börsenkandidaten im laufenden Jahr werden darüber hinaus das auf Datenanalyse spezialisierte Softwareunternehmen Databricks und der Zahlungsdienstleister Stripe gesehen. Beide Firmen haben bislang keinen offiziellen Antrag gestellt, mögliche IPOs 2026 gelten aber als realistisch.
Databricks bietet eine Plattform, die es möglich macht, komplexe Daten aus zu erfassen, zu analysieren und KI-Anwendungen daraus zu entwickeln. Im Februar hatte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde in Höhe von rund fünf Milliarden Dollar abgeschlossen – bei einer Bewertung von 134 Milliarden Dollar.
Stripe gilt als Rückgrat der digitalen Zahlungsinfrastruktur und wird von Startups sowie Tech-Giganten wie Amazon, Shopify und Uber genutzt. Die Bewertung wird aktuell auf rund 159 Milliarden Dollar geschätzt. Die Firma, die zu den wertvollsten Unternehmen der Fintech-Welt gehört, könnte jedoch auch einen Umweg gehen, um an die Börse kommen. So soll sie der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge Interesse an PayPal haben.
Alphabet plant Mega-Kapitalerhöhung für KI-Ausbau
Unternehmen gehen an die Börse, um sich neues Kapital zu beschaffen – für Investitionen oder Deckung ihrer Kosten. Wenn Konzerne schon dort gelistet sind, können sie neben der Kreditaufnahme oder der Ausgabe von Anleihen auch Kapitalerhöhungen durchführen, um an frisches Geld zu kommen. Das plant nun die Google-Konzernmutter Alphabet in einem noch nie gekannten Maße.
Für den Ausbau von KI-Rechenzentren will das Unternehmen für 80 Milliarden Dollar neue Aktien verkaufen. Dies kündigte der Konzern am Montagabend nach US-Börsenschluss an. Die Kapitalerhöhung dürfte damit eine der größten aller Zeiten sein. Im Zuge des Deals soll auch die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway von US-Investorenlegende Warren Buffett Papiere für zehn Milliarden Dollar übernehmen.
Alphabet-Chef Sundar Pichai hatte zuletzt in Aussicht gestellt, dass der Konzern dieses Jahr seine Investitionsausgaben in etwa verdoppeln will, um im Rennen um den Ausbau von KI-Infrastruktur vorn mitzuspielen. Derzeit liegt die anvisierte Spanne bei 180 bis 190 Milliarden Dollar, nach 91 Milliarden im Jahr 2025. Für 2027 hat Finanzchefin Anat Ashkenazi einen nochmals deutlichen Anstieg zum laufenden Jahr prophezeit.
Mit Informationen von Till Bücker, ARD-Finanzredaktion.
