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Politik

Britische Polizei unter Druck im Fall eines getöteten Studenten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 02.06.2026 • 21:12 Uhr

Ende 2025 stirbt ein britischer Student nach einem Messerangriff auf der Straße – im Beisein von Polizisten. Diese hatten Täter und Opfer verwechselt. Der Fall bewegt Großbritannien – und Rechte versuchen, die Tat politisch auszuschlachten.

Gabi Biesinger

Der Fall des 18-jährigen Studenten Henry Nowak bewegt die Briten. Er verblutete durch Messerstiche verletzt, weil die Polizei offenbar seine Stichverletzungen nicht erkannte und ihn zunächst als mutmaßlichen Angreifer in Handschellen legte. Der 23-jährige Täter Vickrum Digwa ist nun zu lebenslanger Haft verurteilt worden, er muss also mindestens 21 Jahre ins Gefängnis.

Nowak war im Dezember vergangenen Jahres in Southampton nach einer Partynacht auf dem Heimweg, als er von einem Mann mit fünf Messerstichen auf offener Straße verletzt wurde. Als die Polizei am Tatort eintraf, verwechselte sie zunächst Täter und Opfer, denn der Täter, der ein rituelles Sikh-Messer bei sich hatte, behauptete, von Nowak rassistisch angegriffen worden zu sein, er habe in Notwehr gehandelt.

Die Polizei legte dem Studenten Handschellen an und erkannte offenbar nicht, wie schwer er blutete, obwohl er wiederholt auf seine Verletzung hinwies und um Hilfe bat. Nowak wurde bewusstlos und starb.

In einem vor Gericht gezeigten Bodycam-Video ist zu sehen, wie Nowak nach dem Angriff am Boden liegend stirbt – während die Polizisten ihm nicht helfen, sondern ihm stattdessen Handschellen angelegt haben. Dabei ruft der Student mehrmals „I can’t breathe“ („Ich kann nicht atmen“).

Sogar Elon Musk schaltet sich ein

Der Tathergang wurde im Netz von rechten Agitatoren aufgegriffen mit dem Vorwurf, die Polizei sei Digwas Rassismusvorwürfen blind gefolgt und habe das weiße Opfer im Stich gelassen. Auf seiner Plattform X schaltete sich sogar US-Tech-Milliardär Elon Musk ein und schrieb: „Unfassbar. Ich bin gerne bereit, eine Klage wegen widerrechtlicher Tötung gegen diese widerlichen Ausgeburten von Strafverfolgern zu finanzieren.“

Nachdem Digwa vergangene Woche vor einem Gericht in Southampton des Mordes für schuldig befunden worden war und das Verfahren es zuließ, entschuldigte sich die Polizei öffentlich für den Vorfall. Die Beamten seien am Tatort und bereits im davor erfolgten Notruf „belogen“ worden.

Er bedauere zutiefst was passiert sei, sagte der stellvertretende Polizeichef Robert France, die Beamten hätten zunächst die Lage falsch eingeschätzt. Man habe die Angelegenheit selbst an die unabhängige Beschwerdestelle IOPC weitergeleitet, die den Vorgang nun untersucht.

Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte, es gebe „ernsthafte Fragen“ zu beantworten – darunter auch, wie „Rassismusvorwürfe die Entscheidungsfindung in jenem konkreten Fall beeinflusst oder in diese eingeflossen sind“. Mit Bezug auf die Bodycam-Aufnahmen sagte er zu Reportern: „Es ist unmöglich, sich diese Aufnahmen anzusehen und dabei nicht zu erkennen, dass diese Fragen unbedingt beantwortet werden müssen.“

Etliche Waffen im Haus der Familie des Täters

Digwa hatte die Tatwaffe, ein rituelles Sikh-Messer mit 21 Zentimeter langer Klinge, nach der Bluttat seiner Mutter gegeben. Die Polizei fand es später im Haus der Familie zusammen mit mehr als 20 weiteren Sikh-Waffen. Auch die Mutter wurde wegen Beihilfe zu einer Straftat schuldig gesprochen.

Richter William Mousley erklärte im Rahmen der Urteilsverkündung, Nowaks Verletzungen seien im Dunkeln nicht offensichtlich gewesen. Der Student habe zwar laut auf seine Stichwunden und Atemnot hingewiesen, doch hätte dies die Polizisten den Ernst der Lage nicht zwangsläufig erkennen lassen, so der Richter.

Er sei überzeugt davon, dass Nowak Digwa nicht rassistisch beleidigt habe. Stattdessen hätte Digwas Bluttat landesweit rassistische Spannungen geschürt, Sikhs würden sich um ihre Sicherheit sorgen. „Sie haben Schande über Ihre Familie und Ihre Religion gebracht“, so Richter Mousley zu dem Verurteilten.

Nach der Urteilsverkündung veröffentlichte Tommy Robinson, zentrale Figur der extremen Rechten, ein Videostatement, in dem er behauptet, es sei der Glaube an Diversität, der Henry Nowak getötet habe: Kaum gehe es um „Rassismus“, sei Henry der Täter.

Nowaks Vater forderte in einer Stellungnahme Aufklärung über die Fehler der Polizei. Doch seine Familie wolle nicht, dass Henrys Schicksal weiterhin genutzt werde, um Zwietracht oder Hass zu sähen: „Wir wollen, dass die Straßen sicherer werden und die britische Regierung Messerkriminalität endlich als nationalen Notfall begreift.“

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