Der US-Pharmakonzern Lilly halbiert seine geplante Investition in Alzey. Auch der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim stoppt geplante Investitionen in Deutschland. Als Grund nennen beide auch die Politik der Bundesregierung.
Vor dem Hintergrund der aktuellen Gesundheitspolitik in Deutschland plane Lilly, den noch ausstehenden Umfang des Projekts in Alzey um 50 Prozent zu reduzieren, heißt es in einer Mitteilung.
Konkret bedeute das: Bislang waren bis zu 1.000 Fachkräfte vorgesehen sowie weitere 1,5 Milliarden US-Dollar bis zur Fertigstellung der ursprünglich geplanten Anlage. Mit der Reduzierung entfalle ein erheblicher Teil dieser Stellen und Investitionen in Deutschland.
Standort in Alzey soll 2027 mit kleinerer Kapazität öffnen
Die Inbetriebnahme des Standorts mit reduzierter Kapazität sei weiterhin für 2027 geplant. Die Entscheidung über die Umsetzung der bisher geplanten Investitionen liege auf Eis. Sie orientiere sich daran, ob es künftig in Deutschland stabile und planbare wirtschaftliche Rahmenbedingungen gebe.
Lilly hatte 2023 angekündigt, 2,5 Milliarden US-Dollar in den Bau einer Hightech-Produktionsstätte zu investieren. In Alzey sei nun der Rohbau fast abgeschlossen und der Innenausbau fortgeschritten. 300 Lilly-Mitarbeitende seien eingestellt worden. Etwa 2.500 Menschen seien zudem über Projektpartner und Dienstleister auf der Großbaustelle tätig.
Weitere Hiobsbotschaft: Boehringer kürzt Investitionen
Auch der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim stoppt in Deutschland geplante Investitionen. Das Unternehmen bestätigte einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts. Boehringer wollte in den nächsten vier Jahren an deutschen Standorten für 900 Millionen Euro unter anderem neue Labore bauen. Als einen Grund für den Stopp nannte Boehringer die Sparpläne der Bundesregierung bei den Gesundheitsausgaben.
Die Sparpläne von Bundes-Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sehen unter anderem höhere Rabatte vor, die Arzneikonzerne den Krankenkassen künftig gewähren müssen.
Boehringer: Keine attraktiven Rahmenbedingungen im Inland
Die langen Entwicklungszyklen der Pharma-Branche verlangten Planbarkeit, sagte Boehringer-Deutschland-Chef Medard Sundmarkers dem Handelsblatt. Und die seien mit dem aktuellen Gesetzentwurf der Bundesregierung nicht mehr gegeben. Wenn in Europa keine attraktiven Rahmenbedingungen herrschten, stelle sich die Frage, wie viel Kapazitäten man dort für die lokalen Märkte brauche. Man müsse Schritt halten mit der Entwicklung in Asien und den USA. Der US-Markt ist der wichtigste für das Familienunternehmen aus Rheinhessen.
Landesregierung nimmt Kontakt zu Unternehmen auf
Die rheinland-pfälzische Landesregierung ist alarmiert und hat nach eigenen Angaben umgehend Kontakt mit den Unternehmen aufgenommen. Sie will im laufenden Gesetzgebungsverfahren in Berlin vermittelnd Einfluss nehmen.
