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Startseite»Politik»Regierung will Kreislaufwirtschaft mit Aktionsplan ankurbeln
Politik

Regierung will Kreislaufwirtschaft mit Aktionsplan ankurbeln

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 3, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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faq

Stand: 03.06.2026 • 14:46 Uhr

Mit einem neuen Programm will die Bundesregierung Recycling stärken und unabhängiger von Rohstoffimporten werden. Was bedeutet der Plan für Wirtschaft und Verbraucher und wie fallen die Reaktionen aus?

Dietrich Karl Mäurer

Die Bundesregierung hat ein Aktionsprogramm für die Kreislaufwirtschaft beschlossen. Es soll Recycling stärken, Rohstoffe sparen und die Wirtschaft umbauen. Mit dem Programm setzt Schwarz-Rot die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie um, die die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP bereits 2024 verabschiedet hatte.

Was soll erreicht werden?

Das Prinzip ist einfach: Ein Produkt wird nicht mehr weggeworfen. Man repariert es oder gewinnt die Rohstoffe zurück. So entsteht ein Rohstoffkreislauf. Das zeigt sich in vielen Bereichen. Alte Handys enthalten Metalle wie Gold oder Kobalt. Bauabfälle lassen sich als Grundstoff für neue Materialien einsetzen. Batterien aus Elektroautos liefern nach dem Recycling wieder Lithium oder Nickel.

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) betonte im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio, dass die Kreislaufwirtschaft Deutschland unabhängiger machen könne, Arbeitsplätze schaffe, die Umwelt schütze und langfristig Kosten senke. „Das ist so etwas wie eine eierlegende Wollmilchsau.“

Warum ist das für Deutschland wichtig?

Deutschland ist stark von Rohstoffimporten abhängig. Viele wichtige Materialien kommen aus wenigen Ländern. Das birgt Risiken für die Wirtschaft. Lieferketten können ausfallen und Preise stark steigen. Mit Recycling soll gegengesteuert werden: Wenn Rohstoffe im Land bleiben, sinkt die Abhängigkeit.

Wie funktioniert das Programm?

Das Aktionsprogramm setzt an mehreren Punkten an. Der Staat fördert Investitionen in Recycling und neue Technologien. Er stellt dafür in den kommenden Jahren rund 260 Millionen Euro bereit und baut Plattformen auf. Dort arbeiten Unternehmen, Behörden und Forschung zusammen, um neue Lösungen zu entwickeln.

Die Regierung setzt dabei auch auf Digitalisierung. So sollen Daten über Materialien verfügbar sein, damit sich Stoffe leichter wiederverwenden lassen. Ein wichtiger Hebel ist der Staat als Käufer. Behörden sollen stärker Produkte nutzen, die recycelte Materialien enthalten. Auch gebrauchte Möbel oder IT-Geräte sollen häufiger beschafft werden.

Was bedeutet das im Alltag?

Unternehmen müssen Produkte anders entwickeln. Sie sollen langlebig sein und sich leicht reparieren lassen. Recycling wird wichtiger. Firmen investieren in Anlagen, die Materialien zurückgewinnen. Für Verbraucher bedeutet das mehr Reparaturangebote und weniger Wegwerfprodukte. Gleichzeitig entstehen neue Märkte. Recycling wird zu einem eigenständigen Wirtschaftszweig.

Warum verzögerte sich das Programm?

Der Weg zum Aktionsprogramm war schwierig. Innerhalb der Bundesregierung gab es lange Konflikte, vor allem über die Rolle des Staates. Das Umweltministerium wollte erreichen, dass die öffentliche Hand stärker Recyclingprodukte bevorzugt. In der Koalition gab es dagegen Widerstand. Medienberichten zufolge hatten vor allem das Verkehrs- und das Wirtschaftsministerium Vorbehalte und warnten vor zusätzlicher Bürokratie.

Am Ende gab es einen Kompromiss. Viele Maßnahmen fallen weniger verbindlich aus als ursprünglich geplant. Das gilt besonders für die öffentliche Beschaffung als wichtigen Hebel. Statt klarer Pflichtvorgaben nennt das Programm häufig nur Ziele. Behörden sollen Fortschritte dokumentieren, müssen aber keine festen Quoten einhalten.

Wie reagieren Wirtschaftsvertreter?

Die Industrie bewertet das Programm kritisch, sieht aber zugleich große Potenziale. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) verweist darauf, dass Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Baustein für Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und mehr Unabhängigkeit von Rohstoffen sei. Nach einer Studie des Verbands könnte sich die Wertschöpfung in diesem Bereich bis 2045 mehr als verdoppeln.

Dagegen kritisiert der Verband, dass es zu wenig Anreize für Investitionen und Innovationen gebe und der Aufbau von Märkten für Recyclingrohstoffe nicht ausreichend unterstützt werde. Der stellvertretende BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch sagte zum Aktionsprogramm: „In Summe ist es nach wie vor zu unambitioniert.“

Auch die Autobranche begrüßt den Ansatz, verlangt aber mehr als reines Recycling. Die Bauwirtschaft sieht Fortschritte bei Recycling-Baustoffen, kritisiert aber, dass klare Regeln fehlen würden. Ohne weniger Bürokratie und mehr Rechtssicherheit bleibe der Einsatz von Recyclingmaterial im Alltag schwierig.

Was sagen Umweltverbände?

Umweltorganisationen halten den Ansatz für wichtig, sehen aber deutliche Lücken. Sie betonen, die Strategie könne ein Verbindungsglied zwischen Umwelt- und Wirtschaftspolitik sein. Dafür brauche es aber klare und verbindliche Vorgaben. Nach ihrer Einschätzung fehlen bislang feste Ziele und Quoten, die Investitionen absichern. Olaf Bandt, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sagt: „Da muss mehr kommen.“

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Dr. Heinrich Krämer
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