Weltweite Krisen, teure Flüge, Inflation: Viele Menschen in Deutschland müssen dieses Jahr beim Sommerurlaub besonders auf die Kosten achten. Wie gehen vor allem Familien damit um?
Nicht nur Lebensmittel, Tanken und die Kinderbetreuung sind deutlich teurer geworden – für Kay und Jennifer aus Koblenz kam noch eine unvorhergesehene Autoreparatur hinzu. Damit hätten sich die Urlaubspläne der vierköpfigen Familie zerschlagen, erzählt Kay: „Das bedeutet für uns, dass wir – obwohl wir in Vollzeit arbeiten gehen – mittlerweile an die Rücklagen ran müssen.“
Die beiden Töchter seien sehr traurig, dass sie in diesem Jahr nicht verreisen. Auch die Eltern hätten Urlaub dringend nötig, sagt Jennifer: „Einfach mal aus den vier Wänden raus und was anderes sehen. Das reicht schon. Da kann man die Sorgen vergessen und mal zur Ruhe kommen.“ Zu Hause habe sie nie wirklich frei, immer gebe es etwas zu tun.
Was die Reise im Schnitt kostet
Wie dieser Familie geht es offensichtlich vielen: Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der norisbank will ein Drittel der Deutschen dieses Jahr nicht in den Sommerurlaub fahren. Und davon sagt ein Drittel der Umfrage zufolge: Es fehle schlicht das Geld. Laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen haben die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich 1.600 Euro während ihrer Haupturlaubsreise ausgegeben.
International haben Airlines auf den drohenden Kerosinmangel reagiert und höhere Ticketpreise aufgerufen – insbesondere auf Strecken zwischen Asien, Afrika und Europa. Wer bis jetzt noch keinen Flug gebucht hat, für den könnte es deutlich teurer werden.
Entlastung für Flugreisende?
Immerhin – mit einem kleinen Preisnachlass dürfen Urlauberinnen und Urlauber demnächst kalkulieren: Die Steuern auf Flugtickets werden ab nächsten Monat sinken. Das hat der Bundestag im Mai beschlossen. Die Regierung hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Abgabe bei Flügen aus Deutschland zu senken.
Der Beschluss sieht vor, die Steuersätze für Kurz-, Mittel- und Langstrecken zwischen 2,50 Euro und 11,40 Euro je Fluggast zu senken. Ob die Airlines diesen Nachlass an die Passagiere weitergeben, ist aber fraglich – auch weil der Kerosinpreis zuletzt stark im Preis gestiegen ist.
Günstiger Urlaub im Faltcaravan
Gerade für größere Familien sind Flugreisen oft sowieso kaum noch eine Option. Häufig ist das Reiseziel dann in Deutschland oder einem Nachbarland. Wie bei Familie Lorenz aus Gering im Kreis Mayen-Koblenz – sie hat außerdem ihr Nachtlager immer dabei, um bei der Unterkunft zu sparen.
Vor zweieinhalb Jahren haben sie sich einen gebrauchten Faltcaravan für 1.800 Euro angeschafft. Der Autoanhänger lässt sich mit wenigen Handgriffen zu einem großen Zelt aufklappen. Darin sind zwei große Betten mit Lattenrost. Auch eine mobile Küche ist immer mit dabei.
So ausgerüstet, hat die sechsköpfige Familie schon sechs Campingurlaube und Kurztrips verbracht. Überwiegend in Deutschland, aber in diesen Sommerferien geht es in die Niederlande. „Das ist für uns die kostengünstigste Alternative, sodass wir jedes Jahr in Urlaub fahren können“, sagt die Mutter Kerstin Lorenz. Das koste sie für zehn Tage im Schnitt immer zwischen 650 und 750 Euro.
Beim Wohnmobil ist die Anschaffung teuer
Auch Peter und Angelika Neumann aus Kaiserslautern sind seit vielen Jahren leidenschaftliche Camper. Sie fahren mit ihrem Wohnmobil meist etwa 300 Kilometer am Tag, reservieren nichts im Voraus und suchen sich abends spontan einen Stell- oder Campingplatz. Insgesamt planen sie mehr als einen Monat Urlaub, bevorzugt ab Mai oder September. Die heißen Sommermonate überlassen sie denen, „die auf die Schulferien angewiesen sind“.
Diesen Sommer sind die Neumanns in der Bretagne: zuerst Saint-Malo, dann die rosa Granitküste, jetzt ein Campingplatz „mit Blick aufs Meer und Felsen“. Das Wohnmobil bleibt stehen, zum Einkaufen fahren sie mit ihren E-Bikes in den Ort. Peter Neumann rechnet für fünf bis sechs Wochen Urlaub mit weniger als 2.000 Euro inklusive aller laufenden Kosten.
Gleichzeitig betont er, dass das Wohnmobil teuer ist: „Dafür können Sie auch sieben bis acht Mal eine Woche Kreuzfahrt machen.“ Trotzdem ist Camping seit über 40 Jahren ihre liebste Urlaubsform, weil sie die Unabhängigkeit lieben: „Losfahren, bleiben, wo es schön ist, solange, wie es schön ist – und wenn es nicht klappt, weiterfahren.“
Gemeinsamer Urlaub mit Freunden
Familie Krahl aus Kaiserslautern hat noch einen ganz eigenen Tipp: Gemeinsam Urlaub machen. Sie fährt in diesem Sommer mit Freunden weg – insgesamt sind sie vier Erwachsene und drei Kinder.
Sie teilen sich ein Ferienhaus mit fünf Zimmern und Pool an der Mittelmeerküste in Spanien. Kosten: gut 3.600 Euro für zwei Wochen. „Zusammen geht das“, sagt Christiane Krahl. Alleine hätten sich die Familien das nicht leisten können.
