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Startseite»Politik»Gewitter können bei Pollen-Allergikern Asthma auslösen
Politik

Gewitter können bei Pollen-Allergikern Asthma auslösen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.06.2026 • 11:01 Uhr

Gewitter können für Menschen mit Pollenallergie und Asthma auch auf andere Art gefährlich werden: Sie können Asthmaanfälle auslösen. Forschende untersuchen, woran das liegen könnte.

Sommergewitter bringen Abkühlung. Für manche Menschen können sie aber gefährlich werden, zum Beispiel für Heuschnupfen-Betroffene oder Menschen mit Asthma.

In Melbourne, Australien, waren 2016 nach einem Gewitter die Kliniken völlig überlastet. Mehr als 9.000 Menschen mussten wegen pfeifender Atmung, Husten und Atemnot behandelt werden. Neun Menschen starben. Das gilt als bisher größtes bekanntes Ereignis von „Gewitter-Asthma“. So nennen Fachleute Asthma-Attacken, die auftreten, wenn eine hohe Konzentration von Gräserpollen und ein schweres Gewitter aufeinandertreffen. Weitere Fälle traten unter anderem auch in Großbritannien, Italien, Iran und Kanada auf.

Deutschland: Keine akute Gefahrenlage

Hierzulande treten solche schweren Gewitter bisher nur selten auf. Asthma-Anfälle, die sich darauf zurückführen lassen, sind nicht systematisch erfasst. Karl-Christian Bergmann, Allergologe und Lungenarzt am Institut für Allergieforschung der Charité in Berlin, berichtet von einzelnen Patientinnen und Patienten, die vor allem beim Beginn eines Gewitters oder kurz danach mit Symptomen in die Ambulanz kommen.

Die Klima- und Umweltwissenschaftlerin Annette Straub hat in einem Team an der Universität Augsburg zu „Gewitter-Asthma“ in Bayern geforscht. Dafür wurden Gesundheitsdaten, Daten zu Notarzteinsätzen, zu Klima und Allergenen, die über die Luft verbreitet werden, erkundet. Auch ihre Studienergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen Gewitter und Asthmaanfällen.

Ein Problem: „Gewitter-Asthma“ selbst ist keine Diagnose. In die wissenschaftliche Arbeit wurden also verschiedene Diagnosen einbezogen, „sowohl allergisches Asthma als auch schweres Asthma und verschiedene Diagnosen, die Atemnot auf verschiedene Arten beschreiben“.

Erklärungsansatz: Feuchtigkeit bringt Pollen zum Platzen

Warum Gewitter in den warmen Monaten bei Allergikerinnen und Allergikern Asthma auslösen können, ist noch nicht geklärt. Forschende vermuten, dass starke Böen große Mengen von Gräserpollen aufwirbeln. In der feuchten Luft quellen die Pollen auf, werden instabil und platzen. Dabei entstehen winzige allergieauslösende Teilchen, sogenannte Sub-Pollen-Partikel. Anders als die größeren Pollen dringen sie beim Einatmen bis tief in die Bronchien ein und lösen dort bei Allergikern Asthma-Symptome aus.

Studie: Elektrische Ladung lässt Pollen aufbrechen

Eine neue australische Laborstudie der Deakin University bringt einen weiteren Verdächtigen ins Spiel, der Pollen zum Platzen bringt: die elektrische Ladung im Gewitter selbst.

Das Forschungsteam brachte Gräserpollen in eine spezielle Versuchskammer und simulierte dort statische elektrische Felder, wie sie auch in Gewitterwolken auftreten können. Dabei zeigte sich: Schweben die Pollen in einem starken elektrischen Feld, besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit, steigt die Konzentration der Sub-Pollen-Partikel. Künstliche Mini-Blitze in der Kammer verstärkten diesen Effekt noch.

Jeroen Buters ist Toxikologe und Allergieforscher am Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) der Technischen Universität und des Helmholtz Zentrums München. Er misst selbst Pollenbelastungen und ist skeptisch, ob der Laborversuch realen Umweltbedingungen standhält: „Ich würde sehr gerne sehen, dass jemand die feinen Partikel, die da gefunden werden, auch in der Umwelt findet. Wir haben die kleinen Partikel in München sieben Jahre gesucht und nie gefunden“, erklärt er. „Nachteil ist: In München gewittert es während der Gräser-Pollen-Saison nicht so viel.“

Forschung unter realen Bedingungen notwendig

Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit: Bei Gewittern in freier Natur wirken viele Kräfte zusammen, die sich im Laborversuch kaum nachstellen lassen. Um das Risiko für „Gewitter-Asthma“ besser abschätzen zu können, müsste neben Gräserpollen auch untersucht werden, welche Rolle Luftschadstoffe wie Ozon, Stickoxide, aber auch Feinstaub oder Schimmelpilzsporen als Auslöser der Asthma-Symptome spielen.

Tipps für Allergiker bei Gewitter

Noch ist das Risiko für „Gewitter-Asthma“ in Deutschland gering. Mit dem Klimawandel könnten starke Gewitter aber zunehmen. Auch die Pollenflugsaison beginnt jetzt schon früher, sie dauert länger und fällt intensiver aus.

Allergieforschende raten Heuschnupfen-Patienten deswegen, nicht nur den Pollenflug im Blick zu haben, sondern auch die Gewitterlage. Bei Gewittern sollten Pollen-Allergiker in geschlossenen Räumen bleiben oder schon vorbeugend eine Hyposensibilisierung machen. Ziel dabei ist es, das Immunsystem durch regelmäßige Gabe des Allergens in langsam steigender Dosis schrittweise daran zu gewöhnen.

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