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Startseite»Nachrichten»Kiews Drohnenkampagne wirkt: Auf der Krim gerät Russland in Schwierigkeiten
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Kiews Drohnenkampagne wirkt: Auf der Krim gerät Russland in Schwierigkeiten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 12, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Kiews Drohnenkampagne wirktAuf der Krim gerät Russland in Schwierigkeiten

12.06.2026, 15:08 Uhr Von Denis Trubetskoy, Kiew
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Autos warten an einer Tankstelle in Sewastopol. Wie lang die Schlange ist, zeigt das Foto der staatlichen russischen Nachrichtenagentur nicht. (Foto: picture alliance / TASS)

Die Menschen auf der besetzten Krim bekommen Russlands Kriegsprobleme am eigenen Leib zu spüren: Die immer erfolgreichere Drohnenkampagne der Ukraine führt zu einer Versorgungskrise, die russische Truppen und die Zivilbevölkerung trifft. Der Kreml findet offenbar keinen Ausweg.

Die Bewohner der von Russland besetzten ukrainischen Krim machen gerade eine schwere Zeit durch. Viele verbringen den Alltag in Warteschlangen, sei es wegen Benzin oder Lebensmitteln. Die Versorgungslage auf der 2014 annektierten Halbinsel hat sich infolge der ukrainischen Luftangriffskampagne drastisch verschlechtert. Am Donnerstag kündigte Robert „Madjar“ Browdi, Kommandeur der Unbemannten Streitkräfte der Ukraine, sogar eine baldige Isolierung der Krim an. „Wir werden Bedingungen schaffen, die es Militärs und Mitarbeitern der Rüstungsindustrie extrem erschweren werden, sich auf der Krim und in den vorübergehend besetzten Gebieten aufzuhalten, und wir werden es ihnen unmöglich machen, die Zugangswege dorthin zu nutzen“, so der oberste Drohnen-Dirigent der Ukraine.

Seit Beginn der vollumfänglichen Invasion der Ukraine im Februar 2022 nutzt Russland die Krim als wichtigen Logistikhub ihrer Truppen im Süden der Ukraine. Seit aber die ukrainische Armee die Landwege zwischen der russischen Region Rostow über den besetzten ukrainischen Süden bis zur Krim mit Mittelstreckendrohnen attackiert, ist dort kein Lkw mehr sicher – trotz der Entfernung zur Front. Damit bekommen die russischen Truppen auf der Krim, im teilbesetzten Cherson nordwestlich der Krim und auch im teilweise besetzten Saporischschja ein Problem.

Wie ernstzunehmen Browdis Drohung ist, zeigte sich in dieser Woche: In der Nacht zu Donnerstag attackierte die Ukraine gleich drei wichtige Brücken, die die Halbinsel mit den besetzten Festlandgebieten verbindet. Allein beim Drohnenangriff auf die Brücke von Armiansk zwischen der Krim und Cherson wurden nach ukrainischen Angaben 50 russische Militärfahrzeuge zerstört. Die Brücke sei nun dauerhaft blockiert, gaben die Verteidigungskräfte an.

Sicht- und wahrnehmbares Erfolgszeichen der ukrainischen Luftangriffskampagne ist die sich verschärfende Treibstoffkrise auf der Krim. Nach der Annexion im März 2014 war die Region zunächst vom russischen Festland komplett abgeschnitten. Ihre Versorgung blieb auf die wetterabhängigen Fähren angewiesen, bis Moskau wenige Jahre später den Bau der 17 Kilometer langen Krim-Brücke über die Straße von Kertsch zu Ende brachte. Die war allerdings gerade in der Tourismussaison im Sommer oft überlastet. Nach der russischen Vollinvasion 2022 wurde die Brücke mehrfach zum Ziel ukrainischer Angriffe. Umso wichtiger war Russland die Schaffung der „Landbrücke“ über Mariupol, Berdjiansk und Melitopol. Die dortigen Straßen wurden nach dem Großangriff zur wichtigsten Versorgungsroute für die Krim und die von dort aus operierenden Truppen.

Wie zu Sowjetzeiten

Seit Ende Mai haben die russischen Besatzungsbehörden auf der Halbinsel den Benzinverkauf eingeschränkt. Zu Beginn der Krise ging es wild zur Sache: Wer rechtzeitig und mit ausreichend Geld an einer geöffneten Tankstelle sein konnte, kaufte so viel Treibstoff wie möglich. Mancherorts kam schon nach einer Stunde kein Tropfen mehr aus der Zapfsäule. Schließlich gab die Besatzerregierung ein spezielles Coupon-System aus, das vielen Krimbewohnern noch aus Sowjetzeiten vertraut ist: Nur wer einen Coupon vorweisen konnte, durfte sein Fahrzeug mit bis zu 20 Liter betanken. Das Befüllen von Kanistern war nicht erlaubt. Die Coupons gingen zudem vorrangig an die unterschiedlichen Behörden.

Die lokalen Besatzungsbehörden versuchten, die Bevölkerung mithilfe von Online-Karten zu informieren, welche Tankstellen jeweils überhaupt noch Treibstoff haben. So richtig funktioniert hat das aber nicht. Am 4. Juni vermeldete die Lokalregierung in Simferopol schließlich, dass der freie Verkauf der Coupons in absehbarer Zeit gar nicht stattfinden könne.

Die Hafenstadt Sewastopol, der Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte und formell eine eigene, von der Republik Krim unabhängige Region, geht seit dem 6. Juni einen anderen Weg: Im staatlichen Messengerdienst Max kann in der Theorie ein QR-Code generiert werden, der es erlaubt, die Verfügbarkeit des Benzins an den Tankstellen zu überprüfen und den Treibstoff gleich zu kaufen. Die Unterversorgung scheint allerdings so groß zu sein, dass die tägliche Benzinquote innerhalb von Sekunden ausverkauft wird. Das räumt auch die lokale Besatzungsverwaltung ein. Die Glücklichen, die trotz der widrigen Umstände an Benzin kommen, zahlen rund 25 Prozent mehr pro Liter als im russischen Durchschnitt.

Zum Tanken braucht es auf der Krim nun Geld und Geduld: Wladislaw aus dem Touristen-Hochburg Jalta investierte fast zwei Tage, um seine 20 Liter des AI-92-Benzins zu bekommen. „Wir haben darüber nachgedacht, auch in der Nacht im Auto zu bleiben“, erzählt er ntv.de. „Dann haben wir uns in der Schlange geeinigt, dass wir die Autos entsprechend mit Nummern kennzeichnen, damit es klar bleibt, wer als Nächster dran ist.“ Erst am folgenden Abend konnte das Auto getankt werden.

„Ich habe für mich eine neue Art von Glück entdeckt: nämlich einen vollen Tank“, scherzt auch ein Bewohner der Stadt Bachtschissaraj gegenüber der russischsprachigen Redaktion der BBC. Mit Scherzen wie diesen sind die sozialen Medien auf der Krim voll, während die Politisierung der Problematik eher vermieden wird. Zumal die Kommunikation oft über den staatlichen Messengerdienst Max abläuft, der wegen zahlreicher Sperrungen fast alternativlos ist. Hier liest der russische Geheimdienst mit. In den lokalen Chatgruppen, in denen die Krim-Bewohner einander bei der Suche nach Tankstellen und mit Tipps zur Verkehrslage aushelfen, sind trotzdem Sprit-Memes zu finden. „Es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre“, ist eine der häufigsten Reaktionen in den Kommentarspalten.

Weniger Lebensmittel, weniger Touristen

Die sich seit zwei Wochen beständig verschärfende Treibstoffkrise betrifft bei weitem nicht nur Autofahrer. Die Krim-Bewohner begannen auch haltbare Lebensmittel zu bunkern. Es kursieren zahlreiche Berichte über die Engpässe bei Zucker, Nudeln oder Salz – oder darüber, dass viele Geschäfte die Abgabe bestimmter Produkte pro Person begrenzen. Auch die lokale Wirtschaft der Krim ist von den Luftangriffen betroffen: Die ohnehin unter dem Krieg leidende Tourismusbranche verzeichnet weitere Einbrüche. Wie die russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ berichtet, wurden zwischen dem 24. Mai und 6. Juni rund 80 Prozent der Buchungen auf der Schwarzmeerhalbinsel storniert.

Der Besucherandrang hat seit 2022 ohnehin nachgelassen. Nun brechen auch noch die Beschäftigten der russischen Staatsunternehmen weg, die ihren Urlaub auf der Krim quasi angeordnet bekamen. Weil der Luftraum über die Halbinsel gesperrt ist, gelangten die meisten Urlauber zuletzt mit dem Auto auf die Krim. Zwar gibt es auch Eisenbahnverbindungen über die Krim-Brücke, doch die Züge werden wegen der immer häufigeren Luftalarme immer öfter aufgehalten. Und die Eisenbahnbrücke ist selbst auch potenzielles Ziel ukrainischer Angriffe. Wer jetzt noch mit dem Auto anreist, muss Bedenken haben, ob der eigene Pkw auf der Krim überhaupt aufgetankt werden kann. Zudem ist auch der öffentliche Nahverkehr auf der Krim von größeren Ausfällen betroffen.

Das größte Problem bleibt für Russland mit Bezug auf die Versorgung der Krim lautet, dass es aktuell keine wirklichen Lösungen für die Versorgungskrise gibt. Dabei hatten die Besatzungsverwaltungen ursprünglich versprochen, dass sich die Versorgung binnen eines Monats wieder stabilisiert. Moskau wird Treibstoff wieder verstärkt über die Krim-Brücke sowie mit den wetterabhängigen Fähren transportieren müssen, um nicht alles auf den Landweg zu konzentrieren. Doch auch die Fähren dürften ins Visier der ukrainischen Drohnenstreitkräfte geraten. Wenn nicht aus der Luft, dann mit Seedrohnen. Die militärisch Transporte zu bewachen, kann sich Russland nicht leisten, weil die Streitkräfte an der Front gebraucht werden. Und noch etwas bremst die Versorgung und treibt die Preise: Auch russische Versicherer wollen die Transporte immer weniger versichern – aus offensichtlichen Gründen.

Quelle: ntv.de

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