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Startseite»Politik»Kämpfe im Libanon: Antike Stätten in Tyros in Gefahr
Politik

Kämpfe im Libanon: Antike Stätten in Tyros in Gefahr

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 13, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 13.06.2026 • 03:46 Uhr

Fast 5000 Jahre – so lange ist die libanesische Hafenstadt Tyros schon besiedelt. Die antiken Stätten sind UNESCO-Welterbe. Doch wegen des Kriegs zwischen Israel und der Hisbollah wächst die Sorge, sie könnten zerstört werden.

Mustafa Nagdi ist schon vor Wochen aus Tyros vor den Angriffen der israelischen Armee geflohen. Nach Sidon, eine andere Hafenstadt, weiter nördlich im Libanon. In dieser Woche nun gab es einen offiziellen Evakuierungsaufruf für die gesamte Mittelmeerstadt Tyros, einschließlich der christlichen Viertel.

Die Begründung Israels: Kämpfer der pro-iranischen Hisbollah-Miliz sollen dort aktiv sein. Der Anfang fünfzigjährige Familienvater ist fassungslos: „Tyros ist eine Stadt des Zusammenlebens und des Tourismus. Sie war schon immer eine Stadt der Bürger und hat nichts mit dem zu tun, was sie militärische Basen nennen.“

Antike Stätten sollen besonders geschützt werden

Nagdi vermisst nicht nur seine Heimatstadt, sondern auch seine Arbeit. Viele Jahre bewachte er die antiken Stätten von Tyros – bis die Einschläge näher kamen und es zu gefährlich wurde. Jetzt sorgt sich der Stadtangestellte um die archäologischen Schätze aus der Römerzeit und anderer Epochen.

„Sie sind jede Stunde, jede Minute und jede Sekunde gefährdet, und wir können nichts dagegen tun“, sagt er. „Wir haben unser Bestes gegeben, aber letztendlich waren unsere Leben in Gefahr.“

Tyros droht zu einer Stadt zu werden, die nicht mehr bewohnbar ist. Dabei zählt sie den ältesten durchgehend besiedelten Städten der Welt und gehört in Teilen zum UNSECO-Welterbe. Die antiken Stätten stehen damit eigentlich unter besonderen Schutz in bewaffneten Konflikten. Verstöße können durch internationales Recht geahndet werden.

Die Ruinen eines römischen Bauwerks stehen seit rund 2.000 Jahren an dieser Stelle.

Durch einen israelischen Angriff auf Gebäude in der näheren Umgebung der Ruinen liegen Metallteile auf den Säulen und Kapitellen.

Vorwürfe der libanesischen Regierung

„Leider konnte noch nicht untersucht werden, ob die Bombardierungen in unmittelbarer Nähe der archäologischen Stätten aufgrund der Erschütterungen irgendwelche Schäden verursacht haben“, sagte Libanons Kulturminister Ghassan Salamé der ARD. Aber er habe schon Kontakt mit der UNESCO aufgenommen.

Er wirft Israel vor, das kulturelle Erbe Südlibanons zu vernichten: „Das ist ein Urbizid, der zeigt sich ganz klar durch die Zerstörung der Umwelt, antiker Gebäude, Krankenhäuser, kultureller Sehenswürdigkeiten, Moscheen und Kirchen. Das ist die systematische Zerstörung städtischer Strukturen.“

Hisbollah lehnt Waffenruhe ab

Zerstörte Dörfer im Süden, Hunderttausende Menschen, die in Richtung Norden fliehen. Im Libanon wächst die Sorge, dass Israel den Süden langfristig besetzen wird. Dass der Kampf gegen die pro-iranische Hisbollah, die immer wieder den Norden Israels angreift, nicht der einzige Antrieb ist.

Die libanesische Regierung, die nicht Kriegspartei ist, hält an einer Waffenruhe mit Israel fest. Die Hisbollah lehnt diese aber ab, solange der Süden des Landes besetzt ist. Libanons Armee soll – so die letzte Absprache – Gebiete schrittweise unter ihre Kontrolle nehmen. Doch sie ist die schwach und unterfinanziert.

Hoffnung auf baldige Rückkehr

Mohammed Nagdi, Wächter der antiken Stätten in Tyros, setzt trotzdem all seine Hoffnung darauf: „Wir hoffen, dass der Staat Sicherheit zurückbringt und wir zurückkehren können: Zu unserer Arbeit und zu unserem alten Leben.“

Erstmal stellt er sich mit seiner Familie aber auf ein Leben in Sidon ein. Und hofft, nicht noch einmal fliehen zu müssen.

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