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Startseite»Nachrichten»„Schmerzt jemanden wie mich“: Wer dem Bundespräsidenten jetzt aufs Dach steigen darf
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„Schmerzt jemanden wie mich“: Wer dem Bundespräsidenten jetzt aufs Dach steigen darf

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 13, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Schmerzt jemanden wie mich“Wer dem Bundespräsidenten jetzt aufs Dach steigen darf

13.06.2026, 16:29 Uhr Von Sabine Oelmann
Christian Awe x Bellevue_3 (c)Stefan Haehnel
Christian Awe kreiert ein 700 Quadratmeter großes Kunstwerk auf dem Dach des Schlosses Bellevue. (Foto: Stefan Haehnel)

Der Server ist unter den Anmeldungen kollabiert, denn bevor Schloss Bellevue für mehrere Jahre saniert wird, verwandelt sich der Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin in eine Galerie. Steinmeier bricht bei der Vorstellung der Werke eine Lanze für die Kunst und Christian Awe verrät ntv.de seine nie für möglich gehaltenen Träume.

„Demokratische Gesellschaften leben nun mal von unterschiedlichen Stimmen. Kunst macht unterschiedliche Erfahrungen, Prägungen und Lebensrealitäten sichtbar“, so Steinmeier in seinem bisherigen Amtssitz Schloss Bellevue. Kunst sei damit kein Luxus, sondern essenzieller Teil der demokratischen Debatte. Um zu zeigen, wie demokratisch er sein kann, öffnet er die Türen für die Bevölkerung, bevor sie – auch für ihn – für mehrjährige Sanierungsarbeiten verschlossen bleiben werden. Zuvor verwandelt die von der Akademie der Künste verwirklichte Ausstellung die bereits leer gefegten Räume in eine Art Pop-up-Galerie.

Dort sieht man dann unter anderem Steinmeier als Figur der Künstlerin Karin Sander aus dem 3D-Drucker, vor allem aber gebe die Öffnung den Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, vom Amtssitz des Bundespräsidenten vor dessen Schließung für mehrere Jahre Abschied zu nehmen. Die Ausstellung sei für ihn wichtig, weil die Bedeutung von Kunst und Kultur für die Gesellschaft inmitten der aktuellen schwierigen Debatten etwas in den Hintergrund zu geraten scheine, so Steinmeier.

Sanierungsarbeiten-im-Schloss-Bellevue-Abbau-des-Kunstwerks-von-Kuenstler-Gotthard-Graubner-im-Grossen-Saal-des-Schlosses-Bellevue-Deutschland-Berlin-am-5-Mai-2026-Restauratorin-Hana-Streicher-erlaeutert-Bundespraesident-Frank-Walter-Steinmeier-im-grossen-Festsaal-den-Abbau-des-Kunstwerks-Im-Zuge-der-ueber-600Millionen-Euro-teuren-grundlegenden-Sanierung-des-Amtssitzes-des-deutschen-Bundespraesidenten-werden-an-den-Wandflaechen-der-beiden-Stirnseiten-des-Grossen-Saales-zwei-grossformatige-Farbraumkoerper-Kissenbilder-des-Kuenstlers-Gotthard-Graubner-mit-dem-Titel-Begegnungen-1988-abgehaengt
Sanierungsarbeiten im Schloss Bellevue: Hier wird das Kunstwerk von Gotthard Graubner im Großen Saal abgebaut. Abbau von Kultur „schmerzt die Kulturschaffenden, aber das schmerzt auch jemanden wie mich, den Literatur, Theater, Film und vor allem Jazz sein Leben lang begleiten“, sagt Steinmeier. (Foto: IMAGO/Achille Abboud)

Nächtlicher Hilferuf

Von außen sieht man schon, dass alles anders ist: „Freiraum Kunst“ steht da in großen Lettern auf dem Dach des Bellevue, gestaltet von Christian Awe. „Da ich ja auch im Außenraum stark aktiv bin und man von mir weiß, dass es um Kraft, Dynamik, Lebensfreude, oftmals aber auch um sozialgesellschaftliche Themen geht, darf ich da mitmachen“, freut sich Awe, der zusammen mit El Bocho und Christopher Lehmpfuhl nach einer Idee des Fernsehjournalisten Matthias Deiß die Initiative ergriffen hat, das Schloss in eine Pop-up-Ausstellung zu verwandeln.

Eine Lichtinstallation des Künstlers Bjørn Melhus wird jede Nacht drei Stunden lang durch die Fenster des Obergeschosses mit Lichtsignalen den international bekannten Morse-Hilferuf SOS (Save Our Souls/Rettet unsere Seelen) senden. „Das kann man natürlich interpretieren, wie man möchte“, so der Vizepräsident der Akademie der Künste, Anh-Linh Ngo. Und der Präsident der in diesem Jahr 330 Jahre alt werdenden Akademie der Künste, Manos Tsangaris, betont, die Akademie habe zusammen mit den Künstlern bei der künstlerischen Gestaltung absolute Freiheit gehabt.

Die Bundespräsidentin

Die Bilder, Video-Installationen und Plastiken lassen die Räume von Schloss Bellevue in einem völlig neuen Licht erscheinen. So hängt nun zum Beispiel in der Eingangshalle vor dem kleinen Holztisch, auf dem bislang das Gästebuch für Besucher auslag, ein Gemälde des Street-Art-Künstlers El Bocho, bekannt für Frauenporträts. Es zeigt drei in einer Runde zusammenstehende Männer – Männer, die bisher die Politik in der Hauptstadt dominiert haben. An der Wand gegenüber hängt möglicherweise die Zukunft: ein fiktives Porträt – ebenfalls von El Bocho – mit dem Titel „Die Bundespräsidentin“. Der oder die Nachfolgerin von Steinmeier wird bereits am 30. Januar kommenden Jahres gewählt.

Um mit dieser einmaligen Ausstellung auch in den Stadtraum hineinzuwirken, wurde der international renommierte, aus Berlin-Lichtenberg stammende Künstler Christian Awe vom Bundespräsidenten und der Akademie der Künste beauftragt, ein ortsspezifisches Werk für das Dach des ikonischen Gebäudes zu schaffen.

„Freiraum mit Kunst zu füllen, ist meine Lebensaufgabe und mein Lebenselixier. Diesen Freiraum zu schaffen für Kreativität, für gute Ideen und für konstruktiven Austausch ist genau das, was unser Land gerade braucht“, findet Awe, der auch ein Atelier auf Mallorca hat und sich dort stark macht in der Kinder- und Jugendförderung in seiner Nachbarschaft.

Christian Awe x Bellevue_6 (c)Stefan Haehnel
„Schon als junger Künstler, noch mit der Sprühdose in der Hand, wollte ich mit meinen Arbeiten Farbe, Energie und Leidenschaft in die Welt bringen“, erinnert sich Awe, 1978 geboren. „Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur die Leinwände und Maluntergründe sind größer und bedeutender geworden. Dass sie eine solche Dimension annehmen würden, hätte ich mir damals nicht träumen lassen.“ (Foto: Stefan Haenel)

Der symbolischen Bedeutung seines Kunstwerks auf dem Dach von Schloss Bellevue ist er sich dabei vollkommen bewusst: „Ich fühle mich geehrt und bin dankbar, dass mir ein solcher Raum anvertraut wurde. In Zeiten wie diesen ist es besonders wichtig, eine gemeinsame Vision zur Stärkung der Demokratie direkt zu den Menschen zu bringen“, erzählt er ntv.de.

Ganz bewusst hat sich Awe für „Blau“ als vorherrschende Farbe seines Werks entschieden – Blau, mit dem man Sehnsucht, Träume und Freiheit verbindet. Das ganze Dach scheint benetzt zu sein von riesigen Wassertropfen, die herunterperlen. Darauf geschrieben ist in frei gesetzten Buchstaben der Titel der Ausstellung: FREIRAUM KUNST.

Demokratie – kraftvoll und flüchtig

Aber warum der Bezug zum Naturelement Wasser? „Wasser als Quelle des Lebens ist der Ursprung von allem“, erklärt Awe. „Wasser ist einerseits kraftvoll, andererseits aber auch flüchtig und sanft und es rinnt durch unsere Finger. Im übertragenen Sinne sind Dialog und Toleranz für mich die Quelle der Demokratie. Die Demokratie gibt jedem Einzelnen die Kraft und Möglichkeit, etwas zu bewirken. Wenn wir aber nicht aufpassen, kann uns die Demokratie entweichen.“

Die Assoziation zum Wasser führt Awe auch innerhalb des Schlosses mit seinen Arbeiten „alive“, „hope“ und „viva la vida“ weiter. Die dreidimensional anmutenden Farblandschaften wirken fotorealistisch, fast wie gedruckt und fesseln durch ihre künstlerische Versiertheit, denn jeder Wassertropfen ist gemalt. 

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Temporär und beliebt, man bekommt nur noch Restkarten. Zumindest der Anblick von außen ist für alle. (Foto: IMAGO/Peter Meißner)

Melden Sie sich trotzdem an, eine solche Gelegenheit, auch mit den Künstlern selbst – Peter Badel, Rosa Barba, Carola Bauckholt, Alexandra Bircken, Jürgen Böttcher, Monica Bonvicini, Ann Cotten, Ayşe Erkmen, Jochen Gerz, Katharina Grosse, Hanna Hartman, Bjørn Melhus, Boris Mikhailov, Karin Sander, Matthias Sauerbruch, Hanns Schimansky, Gregor Schneider, Chiyoko Szlavnics, Wolfgang Tillmans und Manos Tsangaris – in den Dialog zu treten, gibt es nicht oft. „Freiraum Kunst“ dauert vom 13. bis 28. Juni 2026, Anmeldung hier.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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